Was die 12 erfolgreichsten Trump-Tweets seit der Wahl über seine Politik verraten

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Trump twittert, statt zu regieren | Carlos Barria / Reuters
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  • Ein Blick auf die erfolgreichsten Tweets von Donald Trump seit seiner Wahl zeigt viel über seine Politik
  • Der US-Präsident provoziert, tritt nach – doch versucht sich auch an einer 140-Zeichen-Außenpolitik
  • Der erfolgreichste Tweet des Präsidenten ist eine Gewaltfantasie

Manch einem politischen Beobachter wird es vorkommen wie eine Dekade, doch Donald Trump ist erst seit genau einem Jahr gewählter Präsident der Vereinigten Staaten. Am 8. November 2016 setzte sich der Republikaner in einer dramatischen Wahlnacht gegen die Demokratin Hillary Clinton durch.

Seitdem hat sich die politische Landschaft – nicht nur in den USA – drastisch verändert. Donald Trump hat einen neuen Politikstil salonfähig gemacht. Das Regieren per Dekret, die internationale Abschottung – und: die Kommunikation über Twitter.

Auf keinem anderen Weg wendet sich Trump so häufig an die Bürger. Nirgendwo sonst bietet der US-Präsident einen so ungefilterten Einblick in seine Gemütslage.

Der Rückblick auf ein Jahr Trump ist auch ein Rückblick auf Millionenfach geteilte Tweets, die nicht selten ein riesiges Konfliktpotenzial entfaltet haben.

Wir haben für euch die 12 nach Retweets erfolgreichsten Tweets des US-Präsidenten seit seiner Wahl zusammengetragen – und erklären, was sie angerichtet haben.

12. Beileid nach Las-Vegas-Attentat

"Mein herzliches Beileid und Mitgefühl den Opfern und Angehörigen der schrecklichen Schießerei von Las Vegas. Möge Gott euch beschützen."

58 Menschen sterben in der Nacht des 1. Oktobers in Las Vegas, als ein Schütze aus einem Hotel das Feuer auf Konzertbesucher eröffnet.

Trump bekundet standesgemäß sein Beileid – später gerät er in die Kritik, da er sich weigert, über eine Verschärfung des Waffengesetztes zu sprechen.

Die US-Waffenlobby hatte Trump im Wahlkampf mit 30 Millionen US-Dollar unterstützt.

11. Trumps Lehren aus dem Terror von London

"Wir müssen aufhören, politisch korrekt zu sein und anfangen, für die Sicherheit unseres Volkes zu sorgen. Wenn wir nicht schlau werden, wird es nur schlimmer werden.”

Wieder eine Tragödie: Fünf Menschen sterben bei einem islamistischen Terroranschlag in London. Die Täter greifen auf der London Bridge mit einem Fahrzeug und Messern an.

Trump wirft den Londonern politische Korrektheit vor, wirbt in weiteren Tweets für seine Einreisesperre für Muslime, greift den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan an. Der hatte seinen Bürgern mitgeteilt, die erhöhte Polizeipräsenz sei kein Grund, alarmiert zu sein.

Trump gerät wieder in die Kritik. Der ehemalige US-Vizepräsident Al-Gore sagt: “Ich glaube ein großer Terrorangriff wie dieser ist nicht die Zeit um einen Bürgermeister zu kritisieren, der die Antwort seiner Stadt zu organisieren versucht.”

10. Trump spricht Saudi-Führung sein Vertrauen aus

“Ich habe großes Vertrauen in König Salman und den Kronprinzen von Saudi-Arabien, sie wissen genau, was sie tun.”

Auch seine Außenpolitik erledigt Trump gerne in 140 Zeichen. Nach der Säuberungswelle des saudischen Kronprinz am vergangenen Wochenende, bei der Thronfolger bin Salman Prinzen, Militärführer und Minister festnehmen lässt, lobt Trump Mohammed bin Salman und dessen Vater für ihre Konsequenz.

Die Opfer der Festnahmewelle hätten das Königreich “seit Jahren gemolken”, erklärt Trump in einem weiteren Tweet.

Erst wenige Tage zuvor war Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner zu einem Geheimbesuch ins saudische Königreich aufgebrochen. Die Trump-Regierung lässt keine Zweifel daran, dass sie Saudi-Arabien als wichtigsten Partner im Nahen Osten sieht – besonders im Kampf gegen den Iran.

9. Trump reagiert auf Proteste gegen ihn

“Friedliche Proteste sind ein Markenzeichen unserer Demokratie. Auch wenn ich nicht immer einverstanden bin, erkenne ich die Rechte des Volkes an, sich zu äußern.”

Kurz nach Trumps Wahlantritt kommt es zu Massenprotesten in den USA. Besonders der “Woman’s March” sorgt für Aufsehen, als etwa eine Millionen Menschen in Washington D.C. für Frauenrechte auf die Straße gehen.

Trump, der die Demonstration zuerst scharf kritisiert, rudert irgendwann zurück, um die Wogen zu glätten: Friedliche Proteste seien ein Zeichen für Demokratie. Authentisch wirkt diese Beteuerung da schon nicht mehr.

8. covfefe

“Wer kann die wahre Bedeutung von "Covfefe" herausfinden??? Viel Spaß!”

“Covfefe”, twittert Trump. Dann ist stundenlang nichts mehr vom US-Präsident zu hören. Einige befürchten glatt, Trump habe einen Schlaganfall erlitten und sei auf die Tastatur seines Computers gefallen.

In Windeseile verbreitet sich der Tweet, es gibt kaum jemanden, der sich nicht über den unentschlüsselbaren Kauderwelsch lustig macht.

Dann reagiert Trump doch noch: Er gibt zumindest vor, seinen Patzer mit Humor zu nehmen.

7. Trump zur Katar-Krise

“Während meiner letzten Reise in den Nahen Osten habe ich erklärt, die radikale Ideologie dürfe nicht mehr untserstützt werden. Staats-und Regierungschefs haben auf Katar gezeigt - schaut!”

Trump greift Katar im Juni bei Twitter scharf an und beschuldigt das Land, Terroristen zu unterstützen. Damit sichert der US-Präsident dem von mehreren Golfstaaten und Ägypten gestarteten Katar-Boykott implizit seine Unterstützung zu.

Der außenpolitischen Tragweite seines Tweets ist Trump sich in diesem Moment offenbar nicht bewusst. Denn später rudert er wieder zurück – wohl auch, weil die USA eine wichtige Militärbasis in Katar unterhalten.

Trump soll dann gar interveniert haben, als die saudische Führung einen Militärschlag gegen Katar in Betracht zog. Dieses Mal lässt er das Twittern sein. Vielleicht eine weise Entscheidung.

6. Wieder Saudi-Arabien

"Toll, in Riad, Saudi-Arabien, zu sein. Ich freue mich auf den Nachmittag und den Abend."

Es ist Trumps erste Auslandsreise als US-Präsident. Lieber lässt er Staatsgäste nach Washington kommen. Die Reise produziert nicht nur skurrile Bilder, sondern manifestiert auch die amerikanisch-saudische Partnerschaft.

“Ein Präsident nach Saudi-Arabiens Geschmack”, titelt die “Zeit”.

Fawaz A. Gerges, Professor für internationale Beziehungen an der London School of Economics, sieht die Partnerschaft derweil kritisch. "Donald Trump ist ein lächerlicher Mann, er ist ein kindischer Mann. In den USA gilt er als Witzfigur, als Rassist, als ein Mann ohne Eigenschaften – ohne Perspektiven, ohne Visionen, ohne Werte", sagt Gerges. Gefährlich für eine ohnehin instabile Region.

"Ich kann nur hoffen, dass die arabischen Führer nicht alle ihre Eier in dieses Nest legen“, warnt Gerges.

5. Fidel Castro ist tot

"Fidel Castro ist tot!"

Trump einmal ganz nüchtern. Fast.

Denn etwas später verkündet das Weiße Haus beinahe feierlich, der Tod des kubanischen Revolutionsführers werde eine neue Ära einleiten. Sein "Vermächtnis ist eines von Schießkommandos, Diebstahl, unvorstellbarem Leid, Armut und der Verweigerung fundamentaler Menschenrechte.“

Etwa ein halbes Jahr später rückt Trump von der Kuba-Annäherungspolitik seines Amtsvorgängers Barack Obama ab. Er kündigt an, die Reisebestimmungen für US-Bürger nach Kuba zu verschärfen und Zahlungen an das Militär zu verbieten.

4. Das Original

"Trotz der ganzen negativen Presse covfefe“

Trump löscht den Tastatur-Ausrutscher einige Stunden später. Da ist der Schaden aber bereits angerichtet.

3. Frohes neues Jahr!

“Frohes neues Jahr an alle, auch an meine vielen Feinde und die, die gegen mich gekämpft und so furchtbar verloren haben, dass sie nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Liebe!”

Auch in seinem Neujahrsgruß kommt Trump nicht ohne eine Provokation aus. Der US-Präsident stichelt – wie so oft in seinem ersten Jahr nach der Wahl – gegen die Demokraten und seine Wahlgegnerin Clinton.

Immer wieder betont Trump, in welch miserablem Zustand er das Weiße Haus von den Demokraten übernommen habe – als wolle der Präsident von seinen eigenen politischen Schwierigkeiten ablenken.

Zeitweise scheint Trump fast mehr damit beschäftigt zu sein, seinen eigenen Wahlsieg zu zelebrieren und seine Gegner anzugehen, als das Land zu regieren. Die Zahl seiner Feinde wird sich so eher weiter vergrößern.

2. Der Wahlsieg

“Ein schöner und wichtiger Abend! Die vergessenen Männer und Frauen werden nie wieder vergessen werden. Wir werden so nah zusammenrücken wie nie zuvor.”

Trump startet mit einem großen Versprechen in seine Präsidentschaft. Er will den Abgehängten in den USA helfen, das politisch gespaltene Land wieder einen.

Bislang ist seine Bilanz durchwachsen: Trumps Vorstöße bei der Gesundheitsvorsorge und den Steuern drohen, die Ungleichheit in den Vereinigten Staaten weiter zu vergrößern. Der im März von Trump präsentierte Haushaltsplan erntet vernichtende Kritik.

"Wenn der Kongress die Zahlen akzeptiert, was er niemals tun kann, wird Amerika dümmer, dreckiger, hungriger und kranker“, schreibt die "Washington Post". Die "New York Times" bezeichnet das Budget als "Schmerz zufügendes Abriss-Dokument" - und der Haushalts-Experte Jared Bernstein nennt Trumps Plan einen "Krieg gegen die Armen".

Auch politisch driftet das Land weiter auseinander. In Charlottesville marschieren Ultrarechte und Neonazis auf, einer der Rassisten tötet eine Gegendemonstrantin. Lange schweigt Trump über die Tat, spricht von Gewalt auf beiden Seiten. Kurz macht gar das Wort "Bürgerkrieg" die Runde.

Von einem "Zusammenkommen" dagegen ist keine Spur.

1. Trumps Bankrotterklärung

Es braucht eigentlich keine Worte, um die bisherige Präsidentschaft des Republikaners zu beschreiben. Sein erfolgreichster Tweet reicht.

Ein Video zeigt Trump vor seiner Polit-Karriere bei einem Wrestling-Event. Er verprügelt einen anderen Mann. Im Video wurde diesem ein CNN-Logo aufs Gesicht montiert.

Trump präsentiert seinen Hang zur Gewalt, seine Verachtung der Medien – und seine Unfähigkeit, mit Kritik umzugehen wie ein Erwachsener. Die Präsidentschaft des Polit-Quereinsteigers steht bislang vor allem unter dem Zeichen dieser besorgniserregenden Entwicklung.

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(jg)

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