Saudi-Arabiens Kronprinz hat sich zahlreicher Rivalen entledigt - jetzt vergleicht die "Washington Post" ihn mit Kim Jong-un

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MOHAMMED BIN SALMAN
Saudi-Arabiens Kronprinz bin Salman hat sich innerhalb kürzester Zeit zahlreicher Rivalen entledigt. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit mit Nordkoreas kommunistischen Diktator - außenpolitische Folgen? | Hamad I Mohammed / Reuters
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  • Der saudische Kronprinz hat zahlreiche politische Gegner beseitigt
  • Die "Washington Post" sieht in seinem Vorgehen Parallelen zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un

Experten sind sich sicher: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman setzt alles daran, seine Macht weiter auszubauen. Es gibt bereits Stimmen aus Saudi-Arabien, die sagen, der Kronprinz etabliere ein autokratisches Ein-Mann-System.

Die amerikanische Zeitung "Washington Post" bezeichnet ihn sogar als "Kim Jong-un des persischen Golfs."

Erst am Samstag entledigte sich der saudische Kronprinz vieler seiner politischen Rivalen. 14 Prinzen und Geschäftsmänner wurden in Gewahrsam genommen, darunter auch der Chef der Nationalgarde, der einzigen Sicherheitsbehörde, die noch nicht unter bin Salmans Kontrolle stand.

Sein Vorgehen zeigt: bin Salman ist bei Weitem nicht der liberale Herrscher für den er sich ausgibt – auch wenn er sich dafür eingesetzt hat, dass Frauen Auto fahren dürfen.

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Einmaleins des Diktators

Vielmehr fühlt sich die "Post" durch sein Verhalten an das eines autokratischen Herrschers, wie dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un, erinnert.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2011 ließ der 33-Jährige ebenfalls hochrangige Regierungsmitglieder beseitigen. Selbst enge Familienmitglieder fielen der Säuberungswelle zum Opfer. Somit gibt es in seinem Reich niemanden mehr, der seine Autorität in Frage stellen könnte.

Bin Salman macht bei seinem Streben nach Macht ebenfalls nicht vor Familienmitgliedern halt – allerdings ließ er diese nur verhaften und nicht, wie Kim Jong-un, exekutieren. Bei den festgenommenen Prinzen handelt es sich immerhin um seine Cousins. Im Juni hatte er bereits dafür gesorgt, dass sein Cousin Mohammed bin Nayef, der vorherige Kronprinz, in der Thronfolge übergangen wurde.

“Er will das politische System auf sich zuschneiden", sagt Politikwissenschaftler Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik der HuffPost.

Nicht ohne Grund steht der Personenkult um den saudischen Thronfolger in der Tradition von klassischen Autokraten. Doch während die Porträts von Kim Jong-un oder Xi Jinping in ihren Ländern in jedem Klassenzimmer hängen, ließ bin Salman seines am saudischen Nationalfeiertag auf einen Wolkenkratzer in der Hauptstadt Riad projizieren.

Guter Draht zu anderen Autokraten

Selbst die Begründung für die Festnahmen stammt aus dem Einmaleins des autoritären Herrschers, wie die "Washington Post" bemerkt: Offiziell wollte man sich damit der Korruption im Land entledigen.

Russlands Präsident Wladimir Putin, der chinesische Staatspräsident Xi Jinping und der türkische Staatschef Erdogan sind in jüngster Vergangenheit unter demselben Vorhalt gegen politische Rivalen vorgegangen.

Zu allen drei hat Mohammed bin Salman gute Beziehungen. Nur mit den USA ist er noch besser vernetzt, was nicht zuletzt an den Waffendeals der beiden Länder liegt.

Es überrascht also nicht, dass US-Präsident Donald Trump die Festnahmen der saudischen Geschäftsmänner und Politiker begrüßt hat. "Ich habe großes Vertrauen in König Salman und den Kronprinzen Saudi-Arabiens, sie wissen genau, was sie tun", schrieb er auf Twitter. Diejenigen gegen die der Prinz vorgeht, hätten das arabische Land viele Jahre lang "gemolken".

Fast meint man einen gewissen Neid aus den Tweets herauszuhören. Denn auch Trump sind politische Gegner und Andersdenkende ein Dorn im Auge. Weil die USA aber eine Demokratie sind und auf dem Prinzip der Gewaltenteilung regiert werden, muss er sich damit zufrieden geben, auf Twitter gegen diese zu keilen.

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(mf)

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