So sieht Amerika im Jahr 2020 aus, wenn Donald Trump das Land weiter zugrunde richtet

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So sieht Amerika im Jahr 2020 aus, wenn Donald Trump das Land weiter zugrunde richtet | Getty
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  • US-Präsident Donald Trump wird am 4. November 2020 wiedergewählt werden
  • In den vergangenen vier Jahre konnten dem Präsidenten mehrere Vergehen nachgewiesen werden
  • Die Demokraten sind jedoch untereinander zu zerstritten, um die Wahl zu gewinnen
  • Ein Zukunftsszenario:

Von der Decke des Saals regnen rote Luftballons herab. "Four more years!“, ruft das Publikum, darunter viele bereits ergraute Angehörige der unteren Mittelklasse.

Donald Trump steht noch hinter der Bühne und setzt einen Tweet ab: "So sad for the crooked Dems, but America will be greater than ever before!“ Noch bevor er sein Smartphone im Jacket verschwinden lässt, hat er 20.000 Retweets.

► Dann schreitet Trump ans Podium, aus den Lautsprechern erklingt "Hail to the Chief“, die traditionelle Präsidentenhymne in den USA.

Am Morgen dieses 4. November 2020, Stunden nach Schließung der Wahllokale, ist es gewiss: Donald Trump ist der alte und neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. "Greater than ever before“ war der wenig originelle, aber doch recht konsequent gewählte Wahlslogan.

Die "New York Times" und die "Washington Post" schwärzen in einer gemeinsamen Protestaktion ihre Titelseite. Jeder neu- und wiedergewählte US-Präsident hat bisher am Tag nach der Wahl eine Wahlsieger-Schlagzeile gehabt.

Diesen Triumph wollen ihm die liberalen Journalisten von der Ostküste nicht gönnen. Es soll ein Zeichen sein. Tatsächlich aber wirkt es wie eine Kapitulationserklärung.

Telefongespräch zwischen Trump und Putin veröffentlicht

Vier Jahre lang haben die besten investigativen Journalisten des Landes versucht, dem Immobilien-Milliardär schmutzige Tricks, zwielichtige Geschäfte und seine Nähe zur rechtsextremen "Alt-Right-Bewegung“ nachzuweisen.

Sie haben Beweise dafĂĽr gefunden, dass Trumps Kampagne mit russischen Geldern mitfinanziert wurde, dass seine Wahlkampfhelfer im Jahr 2016 im direkten Kontakt mit dem Kreml standen.

Im Jahr 2019 hatte der russische Oppositionelle Alexej Nawalny in einer Netz-Doku sogar eine mit großer Wahrscheinlichkeit authentische Audioaufnahme eines Telefonats zwischen Trump und Wladimir Putin veröffentlicht, aus der einwandfrei klar wird, wie beide Politiker gemeinsam vereinbaren, die US-Wahl von 2016 zu manipulieren.

Für kurze Zeit sorgt die Doku für Wirbel in Washington. Selbst gemäßigte republikanische Senatoren fordern eine Amtsenthebung von Trump. Doch der öffentliche Druck fällt schnell in sich zusammen, als neue Berichte über Manipulationsvorwürfe bei den Vorwahlen der Demokraten bekannt werden.

"Hillary war auch nicht besser!“, "Die da oben sind doch alle korrupt!“, "Dann lieber einen, der erst gar nicht so tut, als ob er was Besseres sei!“, heißt es in den Kommentarspalten der Massenmedien.

Die Mauer nach Mexiko steht nur in Teilen

Die Kritik an den Eliten hat das System in den USA zerfressen. Die einfachen Bürger vertrauen den Politikern, den traditionellen Medien und den Entscheidungsträgern in der Wirtschaft nicht mehr.

Selbst Skandal-Enthüllungen haben keine Wirkung mehr, weil zu viele US-Bürger davon ausgehen, dass Skandale keine Ausnahme, sondern eher die Regel sind. Jeder habe doch Dreck am Stecken. Da könne man den einen nicht strafen, während man den anderen laufen lässt.

► Umgekehrt vertrauen jedoch auch die Eliten den einfachen Bürgern nicht mehr. Sie schotten sich noch weiter ab, als das bisher der Fall war. Geistig, räumlich und finanziell. Eine Steilvorlage für einen neuen elitenkritischen Wahlkampf.

Deshalb kommt Trump sogar mit seiner (aus Sicht der eigenen Anhänger) eher mäßigen Bilanz in der ersten Amtszeit davon. Die Mauer nach Mexiko steht bisher nur in Teilen, Nordkorea verfügt immer noch über Atomwaffen, die Einreisestopps für Muslime sind am Widerstand der Justiz und Bürgerrechtsbewegungen wie der ACLU gescheitert.

Die Zustimmungswerte fĂĽr Trump sind auf einem gleichbleibend niedrigen Niveau. Das hat sich auch in einer gesunkenen Wahlbeteiligung am 3. November 2020 niedergeschlagen.

Krawalle im demokratischen FlĂĽgel

Doch so paradox das auch klingen mag: Sein Herausforderer Bernie Sanders hatte noch viel schlimmere Probleme. Während die immer stärker zu sozialistischen Positionen tendierende liberale Jugend ihm zujubelt, wandte sich das Partei-Establishment schnell von ihm ab – besonders, nachdem er dem Lobbysystem in Washington den Kampf angesagt hatte.

Andere warfen ihm vor, dass er mit seinen linken Programm das ideale Ziel fĂĽr die rechte WutbĂĽrger-Bewegung von Trump sei.

Dass Sanders' politische Ziele im herrschenden politischen Klima durchaus mehrheitsfähig gewesen wären, interessierte beim Nominierungsparteitag der Demokraten im August kaum noch jemanden.

Der Sozialist aus Vermont, der Amerika eigentlich wieder einen wollte, sah sich wüsten Beschimpfungen ausgesetzt. Es kam zu Krawallen vor der Veranstaltungshalle zwischen Bernie-Fans und Anhängern der Clinton-Familie, die sich über drei Tage hinzogen.

Rechte Medien nannten Sanders fortan nur noch den "Vater des Mobs“ und schürten die Angst vor einer Machtübernahme durch gewalttätige Gruppen rund um Sanders.

Für Amerika war die Wiederwahl von Trump ein noch viel schwärzerer Tag als vier Jahre zuvor. Es hat sich gezeigt, dass das System nicht nur defekt, sondern auch dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, eine echte Auseinandersetzung über politische Inhalte zu gewährleisten.

â–ş Auch das ist ein Erbe der Trump-Ă„ra: Wo Fakten nichts mehr wert sind, geht auch die Demokratie zugrunde.

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(jg)

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