Comedian Chris Tall: "Darum ist es wichtig, Witze über Schwarze und Behinderte zu machen"

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CHRIS TALL
Comedian Chris Tall erzählt, warum es wichtig ist, Witze über Schwarze und Behinderte zu machen | dpa
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  • Comedian Chris Tall findet: Wer Minderheiten nicht ausschließen will, muss Witze über sie machen
  • Die Sichtweise ist grenzwertig, aber viele Menschen feiern ihn dafür

Witze über Behinderte? Ein Tabu. Witze über Schwarze? Oder Schwule? Auch nicht gern gehört. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Diskriminierung.

Es gibt gute Gründe, das so zu sehen. Minderheiten sind ein viel zu einfaches Ziel. Behinderte etwa können sich oft nicht wehren. Menschen mit dunkler Hautfarbe sehen sich in Deutschland im Alltag noch viel zu oft Rassismus ausgesetzt. Und wo ist die Grenze zwischen Humor und rassistischer Beleidigung? Der Grat ist sehr schmal.

Es fühlt sich einfach nicht richtig und anständig an, über Menschen zu lachen, die es ohnehin nicht so leicht haben in der Gesellschaft.

Aber der deutsche Comedian Chris Tall sieht das anders. Er sagt: "Wir sollten in Deutschland viel mehr lachen – und zwar über alles und jeden."

Für ihn sind das "Gags auf Augenhöhe". Aber kann es zwischen einer großen Gruppe und einer kleinen Minderheit jemals Augenhöhe geben?

Tall ist kein Unbekannter. Er wurde 2013 mit dem RTL Comedy Grand Prix ausgezeichnet. 2016 bekam er den deutschen Comedypreis als Bester Newcomer.

"Die Leute sind ausgerastet vor Freude"

Er findet: Man muss Witze über Minderheiten machen, weil man sie gerade so – und nur so – nicht ausgrenzt.

In einer Show erzählte er von einem Erlebnis, das dazu geführt habe, dass Behinderte und Nicht-Betroffene unverkrampfter miteinander umgegangen seien. Eben weil er über einen Rollstuhlfahrer vor tausenden Menschen gewitzelt habe (siehe Video):

"Die Leute sind ausgerastet vor Freude, dass wir ihn alle normal behandelt haben", sagt Tall. Leider habe er dieses Aha-Erlebnis erst gegen Ende der Tournee gehabt.

Mehr als 50.000 Menschen gefällt der Show-Ausschnitt auf Facebook. Das spricht dafür, dass er mit seiner Meinung nicht alleine dasteht.

Tall lacht sich selbst und jeden anderen genauso gnadenlos aus. Gleichberechtigung sozusagen. Für ihn gibt es nur einen einzigen Grund, nicht über Minderheiten zu lachen: wenn der Witz nicht gut ist.

"Nachher sind sie ganz locker"

Die Menschen zusammenbringen, das ist der Punkt für ihn. Dass das Behinderte selbst so sehen, zeigt Phil Hubbe. Der Comiczeichner ist an Multiple Sklerose erkrankt. Trotzdem oder gerade deswegen zeichnet er Karikaturen über Menschen mit Behinderungen und macht Witze über Gehandicapte.

Er sagt: "Als ich angefangen habe, war auch der Punkt: Naja, Witze über Behinderte, muss man da vielleicht irgendwas reinbringen, irgendwas Pädagogisches? Das funktioniert nicht. Den Zeigefinger da rein, das ist völliger Quatsch."

Und weiter: "Wenn man zeichnen will, muss erst der Witz funktionieren und bei einigen, die regen dann auch zum Nachdenken an. Und deshalb freue ich mich zu sehen, wenn in Ausstellungen Betroffene und Nicht-Betroffene dann zusammenstehen. Also erst dieses Verkrampfte und dann nachher sind sie ganz locker."

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