"Gierige Finanzminister": So absurd verteidigen "Welt" und "NZZ" Steueroasen

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Olaf Gersemann findet Steuer-Oasen gut. | Welt Screenshot
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  • Die meisten Medien haben sich über die erneuten gigantischen Steuerenthüllungen empört - mit zwei Ausnahmen
  • Denn "Neue Zürcher Zeitung" und "Die Welt" lehnen das Verteufeln von Steueroasen ab
  • Für Steuergewerkschafts-Chef Thomas Eigenthaler ist diese Argumentation "absurd"

Für den Durchschnittsdeutschen liegen die Steueroasen in weiter Ferne. Das liegt weniger daran, dass Reisen in die Steuerparadiese der Südsee vergleichsweise teuer sind. Vielmehr mangelt es ihnen am Vermögen, um die zahlreichen Schlupflöcher skrupellos auszunutzen.

Erst ab einem bestimmten Steuerbetrag rechnet sich der Aufwand, und damit zugleich der Ertrag, um Geld am deutschen Fiskus vorbeizuschleusen.

Doch diese augenscheinliche Ungleichheit ist für Olaf Gersemann, "Die Welt"-Ressortleiter für Wirtschaft und Finanzen, und Peter A. Fischer, Leiter der Wirtschaftsredaktion der "Neuen Zürcher Zeitung" ("NZZ"), kein Problem.

Denn beide verteidigen in ihren Kommentaren die Steueroasen.

"Simpler Ausdruck der globalen Natur"

So schreibt Fischer in seinem Beitrag für die NZZ, indem die investigativen Journalisten einige Fälle vermuteten Missbrauchs publikumswirksam herauspicken, würden sie versuchen, alle Offshore-Geschäfte zu verteufeln. Doch diese haben "in einer immer globaleren Welt nicht nur ihre Berechtigung, sondern sind oft sogar zwingend."

Der Wirtschaftsjournalist betont, Offshore-Transaktionen seien meistens entweder "simpler Ausdruck der globalen Natur eines Geschäfts" oder Resultat von tatsächlichen Unzulänglichkeiten und Missständen in den betroffenen Ländern.

Für letzteres nennt Fischer ein Beispiel: die aus seiner Sicht "prohibitiv scharfe" Besteuerung von Unternehmensgewinnen in den USA.

Deshalb dürfe man Steueroasen nicht grundsätzlich verteufeln - wie es weltweit Medien machen.

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Übergriffige Kassenwarte

Gersemann von der "Welt" sieht das ähnlich. Hinter den Offshore-Geschäften gebe es keine Doppelmoral - und "eine pauschale Vorverurteilung aller Offshoreaktivitäten ist durch nichts gerechtfertigt."

Seine Argumentation: "Konten in Steueroasen sind im Grunde nichts anderes als das Bargeld des reichen Mannes: desjenigen, der mehr Geld besitzt, als sich in Matratzen oder Wandtresoren verstauen ließe", behauptet er in seinem Kommentar.

Gerade angesichts einer immer weiter alternden Gesellschaft würden die Finanzminister laut Gersemann zunehmend "internationale Kartelle mit Mindeststeuersätzen bilden, denen niemand entrinnen kann".

Deshalb würden Steueroasen dazu dienen, "auf Dauer zu verhindern, dass die Kassenwarte allzu übergriffig werden." Die Steuerverstecke würden Schutz bieten – vor der "Gier der Finanzminister".

Gersemanns Quintessenz: "Wenn es Steueroasen nicht schon gäbe, müssten sie dringend erfunden werden."

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"Zeugt von einer gewissen Staatsverachtung"

Thomas Eigenthaler, Vorsitzender der Steuergewerkschaft, hält diese Argumentation für "absurd". "Wenn wir alles machen, was nicht verboten ist, um auf egoistische Weise einen persönlichen Vorteil zu erreichen, dann kann ein Gemeinwesen nicht funktionieren", betont er im Gespräch mit der HuffPost.

Denn wenn man Leistungen des Staates abrufe, dann sei es ihm zufolge es unmoralisch, wenn man sich nicht am Staatswesen beteilige. Zudem ist es demokratisch beschlossen, dass die Wohlhabenderen mehr schultern und nach unseren Gesetzen einen höheren Steuersatz zahlen als die niedriger Verdienenden.

Wenn man sich allerdings den Steuerpflichte entziehe, sei das ein "billiges und arrogantes Vorgehen", dass "von einer gewissen Staatsverachtung zeugt", unterstreicht Eigenthaler.

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(lp)

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