Über diese Plakate regen sich gerade hunderte Menschen in Stockholm auf

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  • In den U-Bahn Stationen Stockholms hängen Zeichnungen von menstruierenden Eiskunstläuferinnen
  • Die schwedische Künstlerin Liv Strömquist möchte damit das Tabuthema Periode in die Öffentlichkeit bringen
  • Viele Pendler sind jedoch gar nicht begeistert von ihren Illustrationen

An den Wänden der Stockholmer U-Bahn ist eine Zeichnung von einer Eiskunstläuferin zu sehen. Sie sitzt, streckt die Beine von ihrem Körper weg.

Auf ihrem Gymnastikanzug ist ein roter Fleck, mitten in ihrem Schritt. Darunter steht der Satz: “It’s alright, I’m only bleeding.” - “Alles ist gut, ich blute nur.”

Liv Strömquist: The Night Garden, Stockholm subway. #LivStrömquist #itsalrightimonlybleeding #foundontheinternet

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Und genau dieses Bild sorgt jetzt für wilde Diskussionen unter den Einwohnern Stockholms. Es sind zwar nur Schwarz-Weiß-Zeichnungen, doch der rote Fleck polarisiert.

Einige Pendler sind nicht glücklich, die Menstruationskunst der schwedischen Künstlerin Liv Strömquist jeden Tag sehen zu müssen.

“Das ist keine Kunst, es ist ekelhaft”, schreibt ein Twitter-User. Auf Facebook heißt es auch: “Wer zur Hölle genießt schon seine Menstruation? Wer kam auf die Idee, dass das ein passendes Thema sei, um es Menschen unter die Nase zu reiben, wenn sie nur von A nach B wollen?”

Fraglich ist, warum es immer noch so vielen schwer fällt, zu akzeptieren, dass die Hälfte der Weltbevölkerung einmal im Monat blutet.

Auf der einen Seite wird verlangt, dass wir uns in der Gesellschaft akzeptieren, der Sexismus und die #metoo-Debatte nicht mehr nötig sein müssten und Gleichberechtigung herrscht - auf der anderen Seite wird der Frauenkörper immer noch stigmatisiert und die biologischen Vorgänge sind mit Scham behaftet und sollen zensiert werden.

#tunnelbanan #стокгольм #stockholm

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In den Kommentaren zeigen sich viele verständnislos oder gar angewidert. “Das ist wirklich ekelhaft. Ich will das nicht sehen, wenn ich unterwegs bin. Ich möchte nicht, dass mein Sohn das sieht - oder mein Partner!”, schreibt eine Mutter auf Facebook.

Dabei ist die Menstruation ein völlig natürlicher Vorgang im Leben einer Person mit Uterus - wie diese Frau nur allzu gut wissen dürfte. Auch ihr Partner sollte eigentlich wissen, dass sie einmal im Monat genau das gleiche Problem wie diese Eiskunstläuferinnen hat.

In den Kommentaren unter den Bildern zeigt sich aber: Sie ist nicht die einzige, die nicht weiß, wie sie mit den Bildern umgehen soll.

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‘Was ist mit den Kindern?’, fragen sich einige auf Facebook.

Vielleicht wäre Aufklärung da eine gute Idee, falls die Kinder schon ein entsprechendes Alter erreicht haben.

Für Strömquist ist die Aufregung nicht neu

Für Strömquist ist es aber nichts Neues, dass ihre Kunst aneckt und für Kontroversen sorgt.

“Es ist merkwürdig, dass es als Provokation gesehen wird”, sagte sie gegenüber dem schwedischen Radiosender SR. “Wir sehen das doch die ganze Zeit. Es fällt mir schwer, das zu verstehen.”

Åh! ❤️ #livströmquist i Slussens t-bana!

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Strömquist selbst hat sechs Bücher, auch mit ihren Zeichnungen, veröffentlicht und ist in Schweden bekannt für ihre satirischen und feministischen Ansichten.

Laut der Zeitung “New York Times” hat sich die Künstlerin nicht an der Kontroverse gestört - sie wollte damit auch nicht provozieren, sondern den menschlichen Körper feiern.

Die positiven Reaktionen überwiegen

Im Internet unterstützen auch viele die Künstlerin. Einige fragen sich, warum Strömquists Kunst als provokativ gesehen wird - Werbungen mit halbnackten Frauen hingegen nicht.

“Lieber das, als eine Victoria-Secret-Werbung, die Frauenkörper einfach nur sexualisiert und Millionen Frauen und Mädchen ein gestörtes Körperbild vermittelt", schreibt eine Facebook-Nutzerin.

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Es gibt keine Regeln in der Kunst

Die Nahverkehrsgesellschaft Storstockholms Lokaltrafik (SL) hat sogar schon mehrere Beschwerden über Strömquists Illustrationen erreicht.

SL bleibe aber bei dem Entschluss, die Zeichnungen weiter auszustellen, teilte Martina Viklund, eine Sprecherin von SL, der Zeitung “The Guardian” mit.

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Die Kunstwerke wurden von einem Komitee von SL-Mitarbeitern, Kunst-Beratern und Künstlern ausgewählt. Sie stehen hinter der Kunst von Strömquist. “Wir möchten natürlich nicht, dass die ausgestellten Bilder anstößig wirken”, sagt Viklund der britischen Tageszeitung “Guardian”.

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“Aber wir haben keine bestimmten Regeln, was das Ausstellen von nackten Körpern betrifft. Kunst ist eine Tradition, in der der menschliche Körper schon immer dargestellt und interpretiert wurde.”

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Letztendlich sind es Zeichnungen einer Künstlerin, die den normalen Vorgang der Periode aufzeigen.

Vielleicht ist es aber genau aus diesem Grund wichtig, dass diese Illustrationen noch bis August nächsten Jahres in den Stationen der Tunnelbana, wie die U-Bahn in Stockholm genannt wird, zu sehen sind. Um das Thema zu normalisieren - und um dadurch vielleicht irgendwann auch endlich freier über blutende Vaginas sprechen zu können.

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(ame)