"Paradies für Arschlöcher": So empören sich die Medien über die Steuerenthüllungen der Paradise Papers

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CAYMAN ISLANDS
Steueroasen wie die Kaiman Inseln sind ein "Paradies für Arschlöcher" | alex_bendea via Getty Images
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  • Die "Paradise Papers" zeigen: Wer nur genug Geld und Einfluss hat, kann vielen Steuerpflichten und Regeln entgehen – und verstößt mitunter nicht einmal gegen Gesetze
  • Die deutsche wie die internationale Presse reagiert mit Empörung auf die Enthüllungen

Die Paradise Papers sorgen für Empörung auf der ganzen Welt. Großkonzerne, Promis, Superreiche – die Enthüllungen belegen ausführlich, dass weltweit Unternehmen und Privatpersonen bei der Steuer tricksen.

“Skrupellose Eliten vermeiden ihre gerechte Besteuerung, während Otto-Normal-Verbraucher zuhause Straßen, Schulen und Sozialausgaben finanziert”, bringt es Birgit Marshall für die “Rheinische Post” auf den Punkt.

Klar ist: Laut Wirtschaftsexperte Gabriel Zucman verliert allein die Bundesrepublik jedes Jahr 17 Milliarden Euro an Einnahmen.

Mehr zum Thema: "Paradise Papers": Liebe Eliten, wundert euch nicht, wenn die Menschen AfD wählen, es liegt auch an eurem Verhalten

Politik in Bedrängnis

"Spiegel"-Journalist Jakob Augstein findet in seinem Kommentar harte Worte für den laxen Umgang der Bundesrepublik mit den superreichen Steuersündern. "Das System ist zutiefst krank", schreibt er. Und die Wut darauf wachse. "Sie sucht sich nur die falschen Ziele. Der Hass der Betrogenen gilt eher dem Kriegs- als dem Steuerflüchtling", bemerkt Augstein. Und ergänzt: "Unser Planet ist ein Paradies für Arschlöcher."

Auch die internationale Presse sieht die Politik in der Bringschuld, die Steueroasen durch härteres Vorgehen zu zerschlagen. “Um dieser Situation ein Ende zu bereiten, sollte man jene beiden Kräfte zerstören, die sie aufrechterhalten”, schreibt die französische Zeitung “Le Monde”: "Die grenzenlose Gier einiger weniger und die Untätigkeit der Staaten.” Letzteres sei dabei nicht unbedingt einfacher anzugehen, als Ersteres.

Denn dass Unternehmen und Einzelpersonen sich Steuerparadiese wie den Kaiman Inseln, Malta, oder Bermuda bedienen, um Geld zu horten, ist spätestens seit den “Panama Papers” bekannt. Passiert ist jedoch nicht viel, um die Steuertrickser zur Rechenschaft zu ziehen.

Marshall von der “Rheinischen Post” glaubt, dass die “unerträgliche Schieflage” gefährliche Stimmungen verschärfen könne: “Gerade demokratisch gewählte Regierungen verlieren Glaubwürdigkeit, wenn es ihnen weiterhin nicht gelingt, die Reichsten ausreichend zu besteuern”, kommentiert sie.

Mehr noch: Ranghohe Politiker wie US-Handelsminister Wilbur Ross sind selbst in die Enthüllungen verwickelt.

"Bild"-Zeitung: Auch der kleine Mann trickst bei der Steuer

Der einzige Trost sei, dass die Digitalisierung für mehr Transparenz sorgen werde, weil Dateien gehackt werden können, folgert die belgische Zeitung “De Tijd”. “Jedes neue Leck stellt die steuerliche Doppelmoral bloß.”

Olaf Gersemann von der “Welt” ist da anderer Meinung. Er sieht in den Offshore-Geschäften keine Doppelmoral. “Konten in Steueroasen sind im Grunde nichts anderes als das Bargeld des reichen Mannes: desjenigen, der mehr Geld besitzt, als sich in Matratzen oder Wandtresoren verstauen ließe”, behauptet er in einem Kommentar.

Die “Bild”-Zeitung argumentiert sogar, auch der “kleine Mann” würde gerne mal bei der Steuer tricksen. Mehr als 40 Milliarden Euro gingen in Deutschland jedes Jahr durch alltäglichen Steuerschummel verloren, heißt es in dem Bericht.

„Dahinter stecken häufig dieselbe Gier, dieselben egoistischen Motive, einfach sparen zu wollen“, zitiert die “Bild” den Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler. Der Steuerexperte vermutet, dass viele Leute für sich beschließen: “Wenn die da oben sich das erlauben, dann erlaube ich mir das auch.“

Enthüllungen wie die Paradise Papers könnten dieses Gefühl noch verstärken.

Mehr zum Thema: "Paradise Papers": 4 Fragen und Antworten zu den spektakulären Enthüllungen

Wieso sind Steueroasen schlecht?

Aber darf man Steueroasen grundsätzlich verteufeln? Die “Neue Zürcher Zeitung” springt jedenfalls für sie in die Bresche: “Offshore-Geschäfte gehören zu einer globalen Welt. Manchmal sind sie notwendig und manchmal Ausdruck von Missständen, kaum je aber deren Ursache”, heißt es.

Den internationalen Steuerwettbewerb anhand einiger missbräuchlicher Beispiele generell als kriminell hinzustellen, sei deshalb fahrlässig.

Die Londoner “Times” meint Offshore-Zentren hätten zwar prinzipiell eine legitime Rolle, würden sie doch “Besitztümer vor dem Zugriff durch Schurkenstaaten schützen.” Meistens, so räumt die britische Zeitung ein, wären sie jedoch dazu da, um Superreichen zu helfen.

Mit Material der dpa

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(mf)

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