Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad warnt vor politischem Islam in Deutschland

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HAMED ABDEL SAMAD
Hamed Abdel-Samad bei einer Veranstaltung in Leipzig. (Photo by Marco Prosch/Getty Images) | Marco Prosch via Getty Images
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  • Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad warnt eindringlich vor dem politischen Islam
  • Dieser wĂĽrde die Integration von muslimischen Migranten in Deutschland massiv behindern
  • Auch die katholische und evangelische Kirche trĂĽgen daran eine Mitschuld

Der ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad hat vor dem politischen Islam in Deutschland gewarnt. Insbesondere kritisierte er den größten Moscheeverein in Deutschland, die von der Türkei dominierte Ditib.

Auf einer Veranstaltung der “Passauer Neuen Presse” sagte er am Montagabend, Ditib stehe für einen Islam, mit dem muslimische Migranten in Deutschland nicht erfolgreich mit einbezogen werden könnten. Das Ziel dieses politischen Islam sei “niemals die Integration der Muslime“.

Auch wenn sich islamische Organisationen in Deutschland oft als offizielle Repräsentanten der hierzulande lebenden Muslime darstellen würden, habe das nichts mit der Realität zu tun.

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Abdel-Samad begründet das damit, dass nur ein kleiner Teil der fünf Millionen Muslime in Deutschland Mitglieder solcher Verbände sind. Für eine gelungene Integration sei es viel wichtiger auf die einzelnen Individuen einzugehen, als auf politische Gruppierungen.

Oft geäußerte Kritik

Wenn Abdel-Samad so etwas sagt, erzeugt das immer Aufmerksamkeit in Deutschland. Der Politologe ist fĂĽr seine harte Haltung ebenso bekannt wie umstritten.

Neues hat sein Beitrag am Montagabend in der Diskussion denn auch nicht gebracht. Dass die türkische Regierung über Ditib Einfluss in Deutschland zu nehmen versucht, ist bekannt. Der Glaubensverband steht hierzulande schon länger in der Kritik. Unter anderem werden Imamen von Ditib Spionage für die türkische Regierung vorgeworfen.

Gleichwohl hält Abdel-Samad damit eine Diskussion am Laufen, die tatsächlich geführt werden muss. Zuletzt hatte etwa der CDU-Politiker Jens Spahn in harschen Worten angemahnt, die Zusammenarbeit mit den Islamverbänden zu überprüfen.

Dabei geht es darum, wie der Islam in Deutschland in der Gesellschaft vertreten werden soll, wer fĂĽr Muslime sprechen kann und darf.

Denn klar ist: Muslime sind traditionell weniger hierarchisch organisiert als etwa die Christen.

"Die Kirche macht sich mitschuldig"

Abdel-Samad nahm am Montag auch die Kirchen in die Pflicht. Auch sie setzen seiner Ansicht nach zu stark auf Verbände wie die Ditib.

Er warf Heinrich Bedford-Strohm, dem Landesbischof der evangelischen Kirche in Bayern, Fehler im Umgang mit der Ditib vor.

So habe seine Kirche zur Gedenkfeier nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin 2016 einen Imam eingeladen, der zu diesem Zeitpunkt vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.

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2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr fĂĽr alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur ĂĽber sie geredet wird.

“Indem man solche Leute hoffähig macht, macht man sich als Kirche mitschuldig”, so Abdel-Samad. Die Kirche würde keinerlei Konsequenzen im Umgang mit Ditib folgen lassen, und das obwohl man um ihre problematische Rolle wisse.

Bedford-Strohm argumentierte, man wisse um die Kritik - aber deswegen werde man den Dialog nicht abreiĂźen lassen. Denn er sei unabdingbar.

Doch Abdel-Samad wehrt sich gegen solche Kompromisse. Nur mehr Ehrlichkeit mit dem Islam und mit seinen Vertretern in Deutschland könne zu einer besseren Integration führen.

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(mf)

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