In 3 Sätzen offenbart Investigativ-Journalist Mascolo das ganze Versagen der Politik beim Steuerbetrug

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MASCOLO
Georg Mascolo, Leiter des Investigativ-Rechercheteams von NDR, WDR und "SZ" | ARD Screenshot
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  • Die Enthüllungen von vertraulichen Dokumenten aus Steueroasen schlagen erneut hohe Wellen
  • CDU-Politiker Meister forderte bei "Hart aber fair" Einblicke in das Material, um Steuerbetrug besser aufklären zu können
  • Doch Investigativ-Journalist Mascolo glaubt nicht, dass das helfen würde

Die Fronten bei "Hart aber fair" waren klar: Michael Meister, CDU-Politiker und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzminister, fordert eine Veröffentlichung der Paradise Papers.

Doch Investigativ-Journalist Georg Mascolo, der das Rechercheteam von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" leitet, lehnt jegliche Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden ab. Sein Team hat die Dokumente für deutsche Leser ausgewertet.

Besonders absurd findet Mascolo dabei ein Argument, das CDU-Politiker Meister mantraartig im ARD-Talk von Frank Plasberg wiederholt: Eine Offenlegung der Papiere würde den Finanzbehörden helfen, mögliche neue Konstruktionen zur Steuerumgehung zu finden.

Die Probleme sind völlig offensichtlich

"Man muss gar kein Steuerrechtsseminar hier abhalten", warf Mascolo in die Runde. Die Dinge, die nicht in Ordnung seien, könne jeder relativ einfach erkennen. Dann zerlegte der renommierte Journalist in drei Sätzen die Argumentation Meisters und anderer Finanzpolitiker:

"Wenn ich vor einem Haus stehe, in dem es drei Stockwerke gibt und 700 Firmen registriert sind, dann weiß ich, dass dort irgendetwas nicht in Ordnung ist."

"Wenn auf einer Kleinstinsel 1000 Flugzeuge registriert sind, dann weiß ich, dass das nicht in Ordnung ist."

"Und wenn ein international gut verdienendes Unternehmen seine Steuerlast auf 13 bis 15 Prozent drückt, dann weiß ich, dass etwas nicht in Ordnung ist."

Mascolo erbost: "Wir diskutieren über diese Dinge schon viel zu lange."

Ein Teil des Problems innerhalb der EU sei, dass es nicht nur um Kleinststaaten in der Karibik oder im Ärmelkanal geht. "Wir reden über Mitgliedsstaaten in der Europäischen Union." Damit spielt er auf Malta und die Niederlande an, die als Steueroasen in den Paradise Papers auftauchen.

Viele Pläne - "Aber nichts geschieht"

Mascolo beklagte, dass es kurz nach öffentlichkeitswirksamen Steuerleaks immer wieder Pläne zum Stopfen der Schlupflöcher gegeben habe - doch die seien meistens nach ein oder zwei Jahren versandet.

An CDU-Politiker Meister gerichtet erklärte Mascolo: "Ich wette, die Finanzbeamten kennen längst alle Konstruktionen. (...) Denn da stecken nicht viele Geheimnisse drin."

Doch Mascolo sagt: "Aber nichts geschieht."

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(ben)