Ein bestimmtes Verhalten kann eure Beziehung zerstören - und ihr habt es alle schon getan

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  • "Phubbing" heißt, dass wir jemanden wegen unseres Handys ignorieren
  • Viele von uns haben wahrscheinlich selbst schon mal "gephubbed"
  • Im Video seht ihr, welche anderen Anzeichen es für eine scheiternde Beziehung gibt

Ein Date kann fast schon nicht mehr deprimierender werden als dieses: Eine Klientin der Eheberaterin Christine Wilke war so sehr in ihr Handy vertieft, dass sie nicht mal bemerkt hatte, dass das Date vorbei war.

“Sie hatte ein ernsthaftes Problem mit ihrem Smartphone und hat es nach diesem Essen mit ihrem Freund bemerkt”, sagt die Therapeutin aus Pennsylvania.

“Meine Klientin war in ihrem Bildschirm versunken und als sie aufsah, hatte ihr Partner schon längst bezahlt und wartete an der Tür auf sie.”

Diese Frau hat ganz extremes “phubbing” betrieben - ihren Partner ignoriert und nur ihrem Handy die Aufmerksamkeit geschenkt.

Das Wort “phubbing” setzt sich aus den englischen Wörtern “phone”, also Handy, und “snubbing”, jemanden oder etwas ignorieren, zusammen.

Und dieses Verhalten scheint sich immer mehr zu verbreiten und sich in unser Leben einzuschleichen - vor allem in Beziehungen.

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Wenn der Partner eine Affäre mit dem Handy hat

In einer neuen Studie der Baylor Universität wurden 143 Paare gefragt, wie oft ihre Interaktionen mit ihrem Partner durch ihr Handy unterbrochen wurde.

70 Prozent gaben “manchmal”, “oft”, “sehr oft” oder “ständig” an.

In einer weiterführenden Umfrage mit 145 Menschen gaben 22,6 Prozent an, dass “phubbing” in ihrer Beziehung zu Streit geführt habe. 36,6 Prozent gaben an, dass sie sich deprimiert fühlen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Partner ihr Handy über sie stellt.

Wilkes bekommt dieses frustrierende Schauspiel die ganze Zeit in ihrer Praxis zu sehen. “Die Paare, die zu mir kommen, haben ein starkes Verlangen, eine starke Verbindung zueinander aufzubauen oder sie zu vertiefen - aber ihre Handys haben ihr Leben übernommen”, erklärt die Therapeutin.

“Oft erzählen sie mir dann, dass es sich anfühlt, als hätte ihr Partner eine Affäre mit dem Smartphone.” Eine Beziehung vor einem Bildschirm zu führen, ist zweifellos keine Art und Weise zu leben.

Wilkes und andere Eheberater und Therapeuten geben deshalb ihre besten Ratschläge, wie ihr eurer “phubbing” in den Griff bekommen könnt:

1. Hört auf zu denken, dass ihr euer komplettes Date auf Snapchat und Instagram teilen müsst

“Eine Sache fasziniert mich immer wieder (als Therapeut macht sie mich allerdings eher traurig): Ein Paar geht zusammen aus, aber eine Person ist ständig damit beschäftigt, Bilder zu teilen, anstatt dem anderen Aufmerksamkeit zu schenken.

Social Media hat viele Vorteile, aber es kann auch dazu führen, dass die Menschen sofortige Bestätigung suchen, anstatt einfach mit dem Moment zufrieden zu sein, in dem sie sich gerade befinden.

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Wenn du auch einer der Übeltäter von “Schau mich an!”-Postings bist, anstatt die gemeinsame Zeit mit deinem Partner zu genießen, solltest du dich bemühen, Disziplin zu lernen.

Hör auf, so besessen von Likes zu sein. Das heißt natürlich nicht, dass du kein süßes Selfie von euch posten kannst.

Aber halte dich einfach mit dem Posten zurück, bis das Date vorbei ist - oder, wenn es sein muss, warte, bis dein Partner auf die Toilette verschwindet. ― Carin Goldstein, Eheberaterin und Familientherapeutin aus Sherman Oaks, Kalifornien

2. Lass dein Handy mal für 30 Minuten am Tag liegen

“Eine der Aufgaben, die ich meinen Paaren mitgebe, ist eine 30-minütige “Elektronik-freie-Zone” zu schaffen - jeden Tag.

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In dieser Zeit können sie wertvolle gemeinsame Zeit verbringen, ohne gestört oder abgelenkt zu werden. Diese 30 Minuten werden über die Zeit hinweg länger, denn es wirkt wie eine Pause, die die Paare sehr schätzen.” ― Christine Wilke

3. Bring dein technisches Time Out aufs nächste Level: Handy-Freier Wochenend-Trip

“Ich arbeitete mit einem Pärchen, das über ein Wochenende nach Palm Springs vereisen wollte. Gemeinsam haben wir ein paar Regeln erstellt, was die Elektronik betrifft: Die Handys müssen das ganze Wochenende aus bleiben und in ihren Koffern bleiben.

Jeder darf sein Handy einmal am Tag für fünf Minuten an machen - das ist genug Zeit um kurz seine Nachrichten zu checken und sicher zu gehen, dass einen zu Hause kein Weltuntergang erwartet.

Als das Wochenende vorbei war, schwärmten sie davon, wie viel mehr sie die kleinen Dinge schätzen gelernt haben, der erfrischende Pool, gemeinsam lachen und tiefe, verbundene Intimität.” ― Spencer Scott, Psychologe aus Santa Monica, California

4. Wenn sich dein Partner “gephubbed” fühlt, erkenne es an und höre auf damit

“Ihr solltet ausmachen, dass ihr es euch gegenseitig sagt, wenn ihr euch “gephubbed” fühlt oder einen “phubbing”-Rückfall habt.

Wir verlieren uns alle gerne mal in den Tiefen des Bildschirms, es kann also schnell passieren, dass wir es gar nicht bemerken, dass wir es schon wieder machen.

Es ist wichtig seinem Partner zuzuhören und sein Smartphone zur Seite zu legen, wenn der andere das Gefühlt hat, dass du “phubbst” - das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung für eine gesunde Beziehung.” ― Kristin Zeising, Psychologin aus San Diego, Kalifornien

5. Dein Smartphone ist nicht dein Gegner

“Das mag gegen die eigene Intuition sein, aber wenn du das Verlangen nach Zeit und Aufmerksamkeit hast, versuche nicht zu denken, dass dein Handy das Problem ist - sondern sieh es als einen Teil der Lösung an.

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Fürsorgliche Nachrichten über den Tag verteilt, oder Snapchats, die nur zwei Sekunden dauern, können eine schöne Erinnerung daran sein, dass du und dein Partner über den Tag hinweg aneinander denkt. Es hilft vielleicht auch, sich so weniger isoliert und gereizt zu fühlen.” ― Spencer Scott

6. Mach dir klar, dass es nicht so einfach sein wird, dein Handy wegzulegen

“Es ist ein Suchtverhalten - es ist nicht so einfach, damit aufzuhören. Mach dir klar, dass es Zeit brauchen wird, es zu schaffen - aber du schaffst das! Am Anfang wirst du noch eine sogenannte kognitive Dissonanz spüren.

Deine Gewohnheit, wie du dein Handy benutzt, zu unterbrechen wird sich falsch für dich anfühlen.

Es wird ungefähr einen Monat dauern, bis sich die neue Gewohnheit - deinen Liebsten, Freunden und Familie Aufmerksamkeit in Person zu geben und nicht über dein Handy - natürlich anfühlt.

Aber vertrau mir: das wird es wert sein.” ― Barbara Melton, Beraterin aus Charleston, South Carolina

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der HuffPost US und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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(ame)