Politiker und Unternehmer umgingen Millionen an Steuern: Diese Deutschen tauchen in den Paradise Papers auf

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GERHARD SCHROEDER
Politiker und Unternehmer sparten Millionen: Diese Deutschen tauchen in den Paradise Papers auf | Tobias Schwarz / Reuters
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  • In den Paradise Papers tauchen mehrere Deutsche auf, die offenbar mit Offshore-Geschäften Steuern gespart haben
  • Drei besonders brisante Fälle sind bereits genauer beleuchtet worden

Überall auf der Welt sorgen die Paradise Papers für Aufregung. Die Dokumente zeigen: Politiker, Prominente und Konzerne von Weltrang haben mit Briefkastenfirmen massive Summen an Steuern gespart.

Die Veröffentlichungen basieren auf 1,4 Terabyte interner Daten zweier Finanzdienstleister sowie den Unternehmensregistern von 19 Steueroasen.

Wie die "Süddeutschen Zeitung" berichtet, stammt der wichtigste Teil des Leaks von der Kanzlei Appleby, einem der Marktführer bei Offshore-Geschäften. Auch zahlreiche deutsche Firmen und Unternehmen tauchen in den geleakten Papieren auf.
Wir haben für euch zusammengefasst, wer dazugehört.

Altkanzler Gerhard Schröder

Laut der "Süddeutschen Zeitung" taucht SPD-Altkanzler Gerhard Schröder in den Dokumenten auf. So habe Schröder die Kanzlei Appleby "wegen bestimmter prozeduraler Firmenangelegenheiten unter dem Recht der Britischen Jungferninseln" über einen Anwalt kontaktiert.

Schröder war zu diesem Zeitpunkt – ab dem Jahr 2009 – Aufsichtsrat des russisch-britischen Energieunternehmens TNK-BP, das seinen Sitz auf den Britischen Jungferninseln hat.

2011 trat Schröder von dem Posten zurück, 2013 wurde TNK-BP an den russischen Öl-Giganten Rosneft verkauft, dessen Aufsichtsrat der SPD-Politiker heute vorsitzt.

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Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann

Der Milliardär Paul Gauselmann steht seit Jahren in der Kritik – denn er hat sein Vermögen mit Glücksspielautomaten gemacht. Die Industrie ist dafür berüchtigt, das Suchtverhalten vieler betroffener Spieler ausnutzen.

Doch Gauselmann ist offenbar noch einen Schritt weiter gegangen: Er hat Online-Kasinospiele angeboten, die in Deutschland verboten sind – mithilfe einer Firma auf der Isle of Man. Im Jahr 2010 gründete Gauselmann dazu eine Ablegerfirma des Hamburger Spiele-Entwicklers Edict Egaming, das Unternehmen Edict IoM.

Edict IoM vertreibt seitdem Online-Lizenzen zu Spielen, inklusive Webseite. Ein Komplettpaket für Firmen, die in der deutschlandweit verbotenen Branche Fuß fassen möchten. "Für die Gauselmann-Gruppe ist das Engagement im Bereich des Online-Glücksspiels zwingend geboten", heißt es in einer Stellungnahme der Firma, aus der die "SZ" zitiert.

In Deutschland habe man angeblich keine Kunden.

Milliardärs-Familie Engelhorn

Die Dokumente nähren zudem den Verdacht, dass bei einem der größten Steuerstrafverfahren in der deutschen Geschichte geschlampt wurde. Es geht um das Vermögen des verstorbenen Pharma-Milliardärs Curt Engelhorn.

Engelhorn ließ seinen Töchtern Elisabeth und Carolin vor seinem Tod über verschiedene Trusts im Ausland ein Millionenvermögen zukommen. Darauf wurden Vorwürfe laut: Hinterziehung von 440 Millionen Euro Schenkungssteuer. Am Ende zahlen Carolin und Elisabeth nur 145 Millionen Euro Steuern nach – weil die Ermittler die verworrenen Finanzströme der Familie nie ganz durchdringen konnten.

Die Paradise Papers zeigen jetzt, dass die Familie noch 38 weitere Offshore-Gesellschaften unterhielten: Zusätzlich zu den 44 bereits aus den 2013 angestoßenen Ermittlungen bekannten Unternehmen.

"Es wäre möglich, dass wir bei relevanten neuen Erkenntnissen wieder ermitteln", sagt Gerhard Wipijewski, Betriebsprüfer und Vorsitzender der Bayerischen Finanzgewerkschaft der "Süddeutschen Zeitung“. "Aus deutscher Sicht mache ein Trust nämlich nur Sinn, "wenn man etwas verschleiern will, Steuern sparen oder sogar hinterziehen will."

Große Unternehmen

Auch mehrere große Unternehmen sollen in den Paradise Papers vorkommen. Darunter Sixt, die Deutsche Post oder die Hotelkette Meininger, Siemens, Allianz, Bayer oder die Deutsche Bank. Nähere Informationen zu den Fällen gibt es bislang nicht.

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