Das Wochenende hat den Mittleren Osten verändert - die Region droht, aus dem Gleichgewicht zu geraten

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YEMEN
Das Wochenende hat den Mittleren Osten verändert - der blutige Konflikt im | Khaled Abdullah / Reuters
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  • Am Wochenende hat sich der Konflikt im Mittleren Osten zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran weiter zugespitzt
  • Gerade für die Menschen im Jemen sind das schlechte Nachrichten

Als am Sonntag der saudische Prinz Mansur bin Mukrin bei einem Helikopter-Absturz ums Leben kommt, findet ein aufwühlendes Wochenende für den Mittleren Osten seinen Abschluss.

Nach einer Festnahmewelle und einer abgefangenen Rakete hat sich vieles verändert in der Region. Der prägende Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran aber bleibt bestehen - und spitzt sich weiter und weiter zu.

Das ist am Wochenende passiert:

Am Freitag erklärte der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri überraschend seinen Rücktritt. Er deutete an, dass es ein Mordkomplott gegen ihn gebe. Die libanesische Armee teilte am Sonntag mit, keine Belege dafür zu haben.

Bei seiner Rücktrittserklärung im TV griff Hariri die im Libanon einflussreiche Schiitenmiliz Hisbollah sowie deren Schutzmacht Iran an. Er warf ihnen vor, Unruhen in der Region zu schüren.

Die Regierung des Ministerpräsidenten, an der auch die Hisbollah beteiligt ist, scheint damit gescheitert, dem instabilen Libanon droht eine weitere innenpolitische Krise.

Am Samstag entledigte sich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman vieler seiner Rivalen. 14 Prinzen und Geschäftsmänner, darunter einer der reichsten Männer der Welt, wurden in Gewahrsam genommen.

Offiziell lautet die Begründung, Saudi-Arabien wolle gegen Korruption vorgehen. Hinter dem Schritt von bin Salman stecke jedoch knallharte Machtpolitik, sagen Experten.

Am Samstag hat die saudi-arabische Luftwaffe nahe der Hauptstadt Riad eine Rakete abgefangen. Das Geschoss soll aus dem Nachbarland Jemen stammen, wo Saudi-Arabien einen brutalen Krieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen führt, die vom Iran unterstützt werden.

Das saudische Königshaus gibt dem Iran eine Mitschuld an dem Raketenbeschuss - und betont, den Vorfall als einen “Kriegsakt” zu bewerten.

Am Sonntag schließlich stürzte der Helikopter des saudischen Prinzen bin Mukrin an der Grenze zum Jemen ab. Die Absturzursache war zunächst nicht bekannt.

In der bergigen Grenzregion kommt es immer wieder zum Beschuss durch die Huthi-Rebellen.

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran hat sich damit dramatisch zugespitzt. Droht nun, dass aus dem Kalten Krieg im Mittleren Osten ein heißer wird?

"Eine erstaunliche und besorgniserregende Entwicklung"

Es sei durchaus eine erstaunliche und und besorgniserregende Entwicklung, sagt Sebastian Sons. Er ist Experte für Saudi Arabien bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Der Eskalationskurs des saudischen Kronprinzen bin Salman destabilisiere die fragile regionale Lage weiter, sagt Sons im Gespräch mit der HuffPost.

Nicht nur innenpolitisch setzt bin Salman rigoros auf Konfrontation. Als Verteidigungsminister des Königreichs ist er auch für den Krieg im Jemen verantwortlich.

Mehr zum Thema: 5 Gründe, warum ihr den neuen Kronprinzen Saudi-Arabiens kennen müsst - und warum er so gefährlich ist

Seit der Katar-Krise ist die Lage im Mittleren Osten brandgefährlich. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrain, Jemen und Ägypten hatten Katar wirtschaftlich mit Sanktionen unter Druck gesetzt, um das kleine Land von seinem freundlicheren Kurs gegenüber dem Iran abzubringen.

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran beherrscht die Region: Auf der einen Seite steht das sunnitische Lager um Saudi-Arabien, die VAE oder auch Bahrain. Ihnen gegenüber stehen die Schiiten wie der Iran, Syrien oder auch die Hisbollah im Libanon.

Befinden sich beide Blöcke nun auf Kollisionskurs? "Einige Beobachter sprechen bereits davon, dass aufgrund der Ereignisse im Libanon und des Raketenbeschusses aus dem Jemen auf die saudische Hauptstadt Riad die Gefahr einer militärischen Eskalation ansteigen könnte", sagt Sons.

Die saudische Führung sollte daher besonnen agieren, mahnt der Experte. Allerdings könne auch er sich nicht vorstellen, “dass Saudi-Arabien tatsächlich ein Interesse daran hat, mit Iran militärisch aneinander zu geraten”.

Schlechte Nachrichten für den Jemen

Dennoch dürfte dieses Wochenende - vor allem der Raketenbeschuss von Riad - nicht ohne Konsequenzen bleiben. Angriffe der schiitischen Huthi-Rebellen auf saudisches Territorium seien nicht neu, erklärt Sons.

"Allerdings ist die saudische Militärintervention bislang ein Desaster und muss möglichst bald gelöst werden”, sagt er. Deswegen könne dieser Angriff als Anlass dienen, dass Saudi-Arabien noch vehementer gegen die Rebellen im Jemen vorgehe.

Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis im Jemen riegelte das Land am Montagmorgen weiter ab, berichtete unter anderem das US-Magazin "Time". Als Vergeltung für den Raketenbeschuss bombardierte die Luftwaffe Jemens Hauptstadt Sanaa, die von den Huthis kontrolliert wird.

Seit Beginn der Auseinandersetzung vor mehr als zwei Jahren sind mehr als 10.000 Zivilisten bei saudischen Luftschlägen gestorben, berichtet die "Washington Post".

Ein Ende des Blutvergießens ist nach diesem Wochenende nicht in Sicht.

Mehr zum Thema: Hungersnot im Jemen: Laut Unicef fast 500.000 Kinder in Lebensgefahr - jeder von uns kann helfen

Mit Material der dpa.

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(lp)

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