"Paradise Papers": 4 Fragen und Antworten zu den spektakulären Enthüllungen

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BERMUDAS
4 Antworten über die spektakulären Enthüllungen der "Paradise Papers" | dpa
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  • Müssen Promis und Politiker weltweit wieder zittern?
  • Die sogenannten "Paradise Papers" legen brisante Geschäftskontakte und Steuertricks offen
  • Auch das Umfeld von US-Präsident Donald Trump ist betroffen

Erneut belastet ein brisanter Leak Superreiche, Prominente und Politiker auf der ganzen Welt schwer. Die sogenannten "Paradise Papers" zeigen ausführlich, wie Unternehmen und Privatpersonen mit Tricks Steuern sparen.

Hier sind die vier wichtigsten Fragen und Antworten zu den Enthüllungen:

1. Was sind die "Paradise Papers"?

Die Veröffentlichungen basieren auf 1,4 Terabyte interner Daten zweier Finanzdienstleister sowie den Unternehmensregistern von 19 Steueroasen.

Laut Angaben der "Süddeutschen Zeitung" soll der wichtigste Teil des Leaks von der Kanzlei Appleby stammen, einem der Marktführer von Offshore-Geschäften. Wie schon bei den vor eineinhalb Jahren veröffentlichten "Panama Papers" erfolgte die Auswertung der Daten durch das Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ), dem die "SZ" angehört.

2. Wer profitiert von den Steueroasen?

Aus den "Paradise Papers" geht hervor, dass die Sportmarke Nike zuerst über ein Netzwerk auf den Bermudas und später in den Niederlanden mehrere Milliarden Euro an Steuern sparte.

Der Tech-Gigant Apple soll sich ebenfalls bemüht haben, einen Firmensitz im Ausland zu finden, bei dem wenig bis gar keine Steuern anfallen.

Auch deutsche Unternehmen finden sich unter den Begünstigten. Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann nutzt offenbar die britische Isle of Man, um an dem hierzulande überwiegend verbotenen Online-Glücksspiel zu verdienen.

3. Welche Rolle spielen Politiker?

Erneut sind auch führende Politiker in die Offshore-Geschäfte verwickelt.

Der Leak zeigt: Donald Trumps Handelsminister Wilbur Ross unterhält offenbar Beziehungen zum russischen Energiekonzern Silbur, der von Vertrauten Wladimir Putins geführt wird.

Eine brisante Entdeckung: Schließlich untersucht derzeit ein Sonderermittler mögliche Absprachen des Wahlkampf-Teams des US-Präsidenten mit Russland.

Mehr zum Thema: Trumps Eleven: Das sind die wichtigsten Verdächtigen in der Russland-Affäre

Die Spur des Geldes führt unter anderem auch nach Kanada: Ein enger Vertrauter des kanadischen Premierministers Justin Trudeau soll über eine Briefkastenfirma Steuern unterschlagen haben.

Nicht weniger brisant: Auch das britische Königshaus taucht indirekt in den Paradise Papers auf.

Ein Vermögensverwalter der Queen investiert demnach in eine Firma auf den Kaiman Inseln, die Haushaltsgüter auf Raten verkauft - bei Zinssätzen von bis zu 99,9 Prozent. Die Regentin soll nichts davon gewusst haben und dürfte "not amused" über die Enthüllungen sein.

4. Welche Folgen haben die Enthüllungen?

Dass solche Enthüllungen unter Umständen politische Karrieren beenden können, zeigte sich im Fall des isländischen Premierministers David Sigmundur Gunnlaugsson.

Nachdem durch die "Panama Papers" bekannt wurde, dass seine Frau seit Jahren eine Briefkastenfirma auf den britischen Jungfraueninseln führt, forderte die isländische Bevölkerung den Rücktritt des Staatschefs. Wenig später legte Gunnlaugsson tatsächlich sein Amt nieder.

Ob die "Paradise Papers" ebenso große Auswirkungen haben, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass sich das Weiße Haus, Justin Trudeau und der Buckingham Palast auf unangenehme Fragen einstellen müssen.

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(ll/ben)

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