Eine App hat in zehn Wochen drei Babys gerettet - durch eine ganz einfache Methode

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Diese App von Müttern hat in zehn Wochen drei Babys gerettet - mit einer ganz einfachen Methode. | DaniloAndjus via Getty Images
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  • Emily Eekhoff bemerkte, dass sich ihr ungeborenes Baby plötzlich anders in ihrem Bauch bewegt
  • Sie alarmierte die Ärzte gerade noch rechtzeitig und konnte so ihr Baby retten
  • Die App Count the Kicks half ihr dabei, zu merken, dass etwas mit ihrer Tochter nicht stimmte

Die junge Mutter Emily Eekhoff ist überzeugt: Ohne eine App wäre ihr Baby jetzt nicht mehr am Leben.

Die 26-Jährige aus Des Moines im US-Bundesstaat Iowa nutzte während ihrer Schwangerschaft die App Count the Kicks (auf Deutsch: Zählt die Tritte) - sie hilft Müttern im letzten Trimester dabei, die Aktivität ihrer Babys im Bauch zu überwachen.

Wenn einer werdenden Mutter auffällt, dass sich das Baby auf einmal ungewöhnlich still verhält, kann das auf gefährliche Komplikationen hinweisen.

Ohne die App und die Aufmerksamkeit ihrer Mutter hätte Ruby nicht überlebt

Als sich die hochschwangere Eekhoff vergangenen Frühling eines Abends hinsetzte, um mithilfe der App die Bewegungen ihres Babys zu zählen, spürte sie, dass etwas anders war als sonst. "Ich fühlte kaum Tritte und die, die ich bemerkte, waren sehr sanft – es war nicht normal“, sagte sie dem amerikanischen Nachrichtenportal "USA Today“.

Auch Techniken, die das Baby im Bauch zu mehr Bewegungen animieren sollen, brachten keine Veränderung. Beunruhigt fuhren die Eltern ins Krankenhaus. Dort stellten die Ärzte fest, dass das Baby in großen Schwierigkeiten war und der Mediziner Neil Mandsager, der auf Risikoschwangerschaften spezialisiert ist, leitete einen Not-Kaiserschnitt ein.

Denn bei der kleinen Ruby hatte sich die Nabelschnur dreimal um ihr Genick gewickelt. Die Ärzte sind der Meinung, dass sie so keinen Tag mehr im Bauch ihrer Mutter überlebt hätte. Doch dank der schnellen Hilfe hat es das kleine Mädchen auf die Welt geschafft - und entwickelt sich prächtig.

Arzt Mandsager kennt die App und empfiehlt sie allen werdenden Müttern: “Diese App ist ein schlagkräftiges Instrument für Mütter im letzten Trimester. Wir ermutigen alle Mütter, diese App herunterzuladen, wenn sie in der 28. Woche sind – bei Risikoschwangerschaften auch gern schon ab der 26. Woche.“

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"Wir wissen von drei Babys, die wir diesen Sommer gerettet haben“

Im Bundesstaat Iowa empfehlen in einer öffentlichen Kampagne viele Krankenhäuser und Gynäkologen, die Bewegungen des Babys im Bauch zu zählen – auch mithilfe von Count the Kicks, das man kostenlos downloaden kann.

Emily Price, Geschäftsführerin von Count the Kicks, sagte der HuffPost: "Wir wissen von drei Babys, die wir diesen Sommer gerettet haben, da ihre Mütter die App genutzt haben und zum Arzt gegangen sind, als ihnen Veränderungen bei den Bewegungen ihrer Babys aufgefallen sind.“

Zurück geht das Projekt auf fünf Mutter, die alle aus Iowa stammen und eine Fehl- oder Totgeburt erlitten haben. Nach dieser traumatischen Erfahrung wollten die Frauen verhindern, dass andere Familien das gleiche Schicksal erleben müssen.

Die Mütter stießen bei der Recherche auf ein Projekt aus Norwegen: Dort konnte in mehreren Krankenhäusern nach einer öffentlichen Gesundheitskampagne die Rate der Totgeburten um 30 Prozent gesenkt werden, wie mehrere Studien zeigen.

In der Kampagne wurde schwangeren Frauen nahegelegt, ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel die Tritte ihrer Babys täglich zu zählen und regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen.

Die Rate der Totgeburten sank in Iowa um 23 Prozent

Davon inspiriert starteten die Mütter 2009 "Healthy Birth Day“, eine Non-Profit-Organisation, die sich mit Unterstützung der Regierung in Iowa mit den Krankenhäusern und Gynäkologen vernetzte und Broschüren und Informationen an werdende Mütter verteilte.

Schließlich konnte mithilfe von Spenden auch die App, die laut den Gründerinnen auf wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen basiert, entwickelt werden. Sie unterstützt die werdenden Mütter dabei, täglich in einem bestimmten Zeitabschnitt die Bewegungen ihres Babys zu zählen und zu überwachen.

Bisher haben laut Price 45.000 Frauen die App heruntergeladen - weltweit. Am weitesten verbreitet ist Count the Kicks allerdings in Iowa.

Seit der Einführung von Count the Kicks sank die Rate der Totgeburten in dem Bundesstaat um 26 Prozent – einen Erfolg, den Price der Kampagne ihrer Organisation zuschreibt.

Die Geschäftsführerin sagt: "Manchmal ist das Zählen der Tritte im Bauch das einzige Anzeichen und das früheste Anzeichen, das etwas schief läuft.“ Bis zu sechzehn Babys wurden bisher mit dieser Methode gerettet, wie die Organisation berichtet.

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2000 Sternenkinder pro Jahr

In Deutschland kommen auf 1000 Neugeborene 2,4 Totgeburten – unser Land hat damit eine der niedrigsten Raten der Welt. Das bedeutet, dass es bei uns pro Jahr 2000 sogenannte Sternenkinder gibt.

Die Ursache dafür, dass die Babys noch im Bauch der Mutter sterben, können Probleme mit der Plazenta oder der Nabelschnur sein - bei über 30 Prozent der Fälle bleibt der Grund allerdings unklar.

Zur Vorbeugung einer Totgeburt empfehlen die Ärzte auch bei uns, auf die Bewegungen des Kindes im Bauch zu achten und regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Bei vaginalen Blutungen sollten Schwangere sofort einen Arzt aufsuchen.

Aufklärung soll helfen, die Rate noch weiter zu senken

Nicht zu verwechseln sind Totgeburten mit Fehlgeburten - diese sind vor allem im ersten Trimester sehr häufig. Ärzte schätzen, dass in Deutschland 30 Prozent der Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt enden. Ursache sind dabei genetische Störungen und fehlerhafte Zellteilungen beim Embryo, die eine Weiterentwicklung des Babys verhindern.

Dagegen kann die Methode des Tritte Zählens natürlich leider nicht helfen. Sie richtet sich ausschließlich an Schwangere im letzten Trimester. Die Hoffnung ist, dass die Ärzte das Baby in manchen Fällen – wie bei Problemen mit der Nabelschnur - noch retten können, wenn die Mütter eine Veränderung der Kindsbewegungen bemerken.

Wie in Deutschland ist die Zahl der Totgeburten in den USA etwas höher als die Zahl der Kinder, die an dem Plötzlichen Kindstod (SIDS) sterben. Hier haben zahlreiche Aufklärungsprogramme dabei geholfen, dass der Befund in den letzten Jahren gesunken ist – in Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten sogar um etwa 90 Prozent.

Price hofft, dass sie mithilfe der App und Aufklärung der Mütter ähnliche Erfolge bei der Senkung der Totgeburtenrate erzielen kann.

Interessierte Mütter können sich die App auf der Webseite der Organisation kostenlos herunterladen.

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