"Un­un­ter­bro­che­nes Trom­mel­feu­er gegen meine Per­son": CSU-Chef Seehofer wütend auf Kritiker in eigenen Reihen

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HORST SEEHOFER
"Un­un­ter­bro­che­nes Trom­mel­feu­er gegen meine Per­son": CSU-Chef Seehofer wütend auf Kritiker in eigenen Reihen | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Die Kritik an Horst Seehofer nach dem Wahldesaster der CSU wird immer lauter - auch in den eigenen Reihen
  • Der CSU-Chef hat sich jetzt erbost über die Attacken gegen ihn gezeigt
  • Sie seien schädlich für die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition

Nach wo­chen­lan­ger Kri­tik und Rück­tritts­for­de­run­gen aus der ei­ge­nen Par­tei greift der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent und CSU-Chef Horst See­ho­fer seine Kri­ti­ker an.

"Ich nehme die Dis­kus­sio­nen in Bay­ern um meine Per­son hin­ter und vor den Ku­lis­sen mit Er­stau­nen zur Kennt­nis", sagte See­ho­fer der "Bild"-Zeitung. "Ob­wohl im Par­tei­vor­stand ein­stim­mig be­schlos­sen wurde, dass eine Per­so­nal­dis­kus­si­on wäh­rend der Ge­sprä­che in Ber­lin nicht er­fol­gen soll, er­le­be ich seit der Bun­des­tags­wahl ein un­un­ter­bro­che­nes Trom­mel­feu­er gegen meine Per­son aus der ei­ge­nen Par­tei. Das ist ohne Frage schäd­lich."

Laut See­ho­fer pral­le die Dau­er­kri­tik an ihm ab: "Ich lasse mich da­durch aber in kei­ner Weise be­ein­flus­sen. Jetzt geht es erst ein­mal um die Durch­set­zung un­se­rer Po­si­tio­nen in Ber­lin. Nach den Son­die­rungs­ge­sprä­chen wird es von mir eine klare und deut­li­che Re­ak­ti­on geben."

Jamaika-Verhandlungen für Seehofer "Schwerstarbeit"

See­ho­fer will zu­nächst bei den Ja­mai­ka-Ge­sprä­chen in Ber­lin für Klar­heit und eine sta­bi­le Re­gie­rung mit CSU-Be­tei­li­gung sor­gen.

Er kämp­fe "wie ein Löwe in Ber­lin", so der Par­tei­chef. "Die Ver­hand­lun­gen sind po­li­ti­sche Schwerst­ar­beit. Wir müs­sen jetzt das Tempo er­hö­hen. Die Men­schen in Deutsch­land er­war­ten zu­recht end­lich Re­sul­ta­te aus den Ver­hand­lun­gen und die Bil­dung einer sta­bi­len Re­gie­rung."

Aufbegehren der Jungen

Die bayerische Junge Union (JU) hatte sich offen gegen den Parteichef gestellt und forderte den Rückzug Seehofers im kommenden Jahr.

Ein Antrag, in dem mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst 2018 ein "personeller Neuanfang" gefordert wird, wurde auf der Landesversammlung des CSU-Nachwuchses am Samstag in Erlangen mit deutlicher Mehrheit angenommen.

Bayerns Finanzminister Markus Söder lobte die JU: "Es gibt immer mal wieder in der Geschichte der Union Landesversammlungen, an denen wird man nicht vorbeigehen können. Die haben eine Wirkung", sagte der CSU-Politiker am Samstagabend. Söder gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Seehofer.

"Ich weiß, sowas fällt nicht leicht, und das muss man auch in Ruhe machen. Aber ich möchte euch wirklich sagen: Ich habe großen Respekt davor, was ihr für Verantwortung zeigt, welchen Mut ihr habt, was ihr euch traut", sagte Söder an die bayerische JU gerichtet. "Das ist eine Landesversammlung, und es ist eine Junge Union, die zeigt Rückgrat in der Partei. Meinen Respekt davor, toll gemacht."

Un­ter­stüt­zung be­kam See­ho­fer unterdessen von CSU-Par­tei­vi­ze Man­fred Weber: "Ge­ra­de als bür­ger­li­che Par­tei muss sich die CSU sehr gut über­le­gen, wie wir mit­ein­an­der um­ge­hen. In der Art und Weise, wie es die letz­ten Wo­chen ge­lau­fen ist, wurde be­reits Scha­den ver­ur­sacht. Die Men­schen haben ein fei­nes Ge­spür dafür, dass der An­stand ge­wahrt blei­ben muss. Ge­ra­de ein Mi­nis­ter­prä­si­dent ist eine Re­spekts­per­son."

Mit Material der dpa.

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(ll)

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