Wie Saudi Arabiens Kronprinz bin Salman sich an nur einem Tag seiner größten Rivalen entledigte

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BIN SALMAN
Verhaftungswelle in Riad: Wie Saudi Arabiens Kronprinz bin Salman sich seiner Rivalen entledigt | Getty
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  • Die saudische Regierung hat am Samstag spektakuläre Festnahmen getätigt
  • 14 Prinzen und Geschäftsmänner, darunter einer der reichsten Männer der Welt, wurden in Gewahrsam genommen
  • Als offizieller Grund wird der Kampf gegen Korruption angegeben - tatsächlich handelt es sich um brutale Machtpolitik

"Mr. Everything" wird Mohammed bin Salman in Diplomatenkreisen genannt - der Mann für Alles. Der Machtanspruch des Kronprinzen von Saudi Arabien ist absolut, schon jetzt regiert er de facto das Königreich seines Vaters.

Bin Salman hat im Jemen einen blutigen Stellvertreterkrieg gegen den Iran vom Zaun gebrochen, gleichzeitig verspricht er, Saudi Arabiens Gesellschaft öffnen und reformieren zu wollen.

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Bin Salmans Modernisierungskurs hat viele Gegner in Saudi Arabien. Gegner, denen sich der machtbesessene Kronprinz nun in einer denkwürdigen Nacht entledigt hat. 11 Prinzen und drei führende Geschäftsmänner ließ er festnehmen - darunter der einflussreiche Milliardär Al-Walid bin Talal, laut dem Magazin "Forbes" der reichste Araber der Welt.

Bin Salman wirft den in Gewahrsam genommenen Männern Korruption vor. Doch Experten glauben, dass der Kronprinz mit seinem riskanten Manöver versucht, sich die unangefochtene Herrschaft in Saudi Arabien zu sichern.

"Muhammad bin Salman setzt seine knallharte Machtpolitik fort"

Sebastian Sons, Experte für Saudi Arabien bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, hält bin Salmans Machdemonstration für "die Fortsetzung einer Politik der neuen politischen Führung, sich unliebsamer interner und externer Kritiker zu entledigen."

Schon die Verhaftung des früheren Kronprinzen Muhammad bin Nayif und die Inhaftierung prominenter Kleriker in den letzten Monaten hätten darauf hingewiesen. "Muhammad bin Salman setzt seine knallharte Machtpolitik fort. Das Ziel ist es, das politische System auf ihn zuzuschneiden", sagt Sons der HuffPost.

Dafür spräche auch die Verhaftung Mitab bin Abdullahs, des Chefs der Nationalgarde und Sohn des verstorbenen Königs Abdullah. Als Kritiker bin Salmans in der Königsfamilie sei er nun kaltgestellt worden.

Bin Salman präsentiere sich durch die Verhaftungswelle als Saubermann, der das korrupte und verkrustete Establishment reformieren wolle, sagt Sons. Dadurch zeige er durchaus gewisse populistische Züge, die ihm kurzfristige Sympathien in der Bevölkerung einbringen und seine Macht konsolidieren könnten.

Bin Salmans Abkehr von der Politik seiner Vorgänger

Ein Manöver, dass laut Sons nicht ohne Risiko ist. Denn bin Salman weicht laut Sons deutlich von der bisherigen Strategie des saudischen Königshauses ab.

"In der Vergangenheit gelang es dem Königshaus immer meisterhaft, Oppositionelle und mögliche Kritiker einzubinden", sagt der Politikwissenschaftler. Bin Salman versucht nun stattdessen, seine Kritiker mit Gewalt aus dem Spiel zu nehmen. "Es gibt bereits Stimmen aus Saudi-Arabien, die davon sprechen, der Kronprinz etabliere ein autokratisches Ein-Mann-System", sagt Sons.

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Die Ambitionen und Ängste Mohammed bin Salmans

Auch Bruce Riedel, Experte für den arabischen Golf am Brookings Institute, ordnet Mohammed bin Salmans Schlag gegen seine Rivalen kritisch ein. "Die Entschlossenheit, mit der er seine Macht sichern will, lässt sowohl Ambitionen als auch Ängste erahnen", schreibt Riedel für das Nachrichtenportal "Al-Monitor".

Es gäbe keine Garantie dass die Machtübergabe von Salman ibn Abd al-Aziz an seinen Sohn Mohammed reibungslos verlaufen würde. Vielmehr ließen die Verhaftungen vom Samstag vermuten, dass die Thronfolge in Saudi Arabien eine weitaus schwierigere Debatte sei, als König und Kronprinz sich das wünschen würden, schreibt Riedel.

Für den Experten steht fest: "Das Königreich befindet sich an einem Scheideweg." Die niedrigen Ölpreise, der vertrackte Krieg im Jemen, die internationale Posse um die Blockade Katars und die Machtambitionen des Iran in der Region seien große Herausforderungen für Saudi Arabien.

"Es ist die brisanteste Phase in der saudischen Geschichte seit einem halben Jahrhundert", schreibt Riedel. Die Verhaftungswelle vom Samstag zeigt: Mohammed bin Salman hat das begriffen.

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(amr)

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