In einem Interview offenbart Jürgen Trittin, wie bizarr es bei den Jamaika-Verhandlungen zugeht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRITTIN
"Wir sind höflich, aber nicht blöd": Jürgen Trittin über die Grünen | Getty
Drucken
  • Jürgen Trittin ist bei den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition Verhandler für die Grünen
  • In einem Interview hat der erfahrene Politiker nun Einblicke in die Vorgänge hinter verschlossenen Türen gegeben
  • Was Trittin beschreibt, mutet bisweilen bizarr an

Die große Zeit von Jürgen Trittin bei den Grünen schien eigentlich längst vorbei. Nach den Bundestagswahlen 2013 schob sich die Partei immer mehr in die bürgerlich-gemächliche Mitte, Jürgen Trittin blieb eher allein am linken Rand zurück. Einen großen Posten hat der ehemalige Bundesminister nicht mehr inne.

Doch jetzt verhandelt Trittin für seine Partei mit über die mögliche Jamaika-Koalition. Plötzlich ist er wieder wichtig - und laut. Die "taz" schrieb unlängst in einem Portrait über Trittin, er sei für Union und FDP - aber auch für manche Parteikollegen, ein U-Boot: "Sie fragen sich, ob er für Jamaika Geleitschutz gibt oder ob er irgendwann den Torpedo auf den eigenen Tanker feuert."

Trittins Rolle bei den Grünen, so die Zeitung, sei während der Sondierungsgespräche die des "diabolisch angehauchten Kotzbrockens, den die Gegenseite fürchtet". In dieser Weise lässt sich auch ein Interview Trittins mit dem "Spiegel" lesen, in dem der Grünen-Politiker Union und FDP attackiert - und einen Einblick in bizarre Vorgänge bei den Jamaika-Verhandlungen gibt.

Trittin: "Das gleitet schon ins Satirische ab"

Gegenüber dem Magazin betont Trittin die Kompromissbereitschaft der Grünen während der Verhandlungen - es seien vielmehr die FDP und besonders die Union, die blockieren würden. Im Fall der CDU spricht der Grüne gar von einer "Totalblockade" und "absurden Streitigkeiten über Begriffe".

So seien die Gespräche beim Thema Zukunft des Verbrennungsmotors an zwei Wörtern gescheitert: "Entdatum" und "Elektromobilität". Beide Begriffe habe die CDU nicht in den Papieren haben wollen. Lieber wolle man dort über "alternative Antriebe" schreiben.

"Das gleitet schon ins Satirische ab", echauffiert sich Trittin über solche Wortklaubereien. Nach zwei, drei Stunden Streit hätten die Grünen sich dann einen Spaß erlaubt, und den Koalitionsvertrag von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen herausgeholt. "Da steht, dass NRW zum Vorreiter bei Elektromobilität werden soll. Plötzlich hat die CDU ihren Widerstand aufgegeben."

Auch die FDP wird von Trittin deutlich kritisiert

Glaubt man Trittin, sei das größere Hindernis für eine Jamaika-Koalition jedoch vor allem die FDP.

Die habe lieber vier Jahre von rechts Opposition gegen eine Große Koalition machen wollen und käme nun aber nicht aus der Verantwortung. "Also provozieren sie uns, in der Hoffnung, dass wir Grüne die Reißleine ziehen", sagt Trittin dem "Spiegel", "dabei unterschätzt die FDP unsere Intelligenz."

Am Ende läuft es nach Trittins Darstellung bei den Sondierungsgesprächen auf folgende Konstellation hinaus: Schwarz-Gelb blockiert, die Grünen seien bereit für Kompromisse, doch Union und FDP "sind sich offenbar einig, dass die Grünen möglichst wenig, am besten gar nichts durchsetzen sollen".

Mehr zum Thema: CSU-Politiker Dobrindt wütet: "Die Grünen provozieren das Scheitern von Jamaika"

Diese Anspannung führe dann dazu, dass man zwei Stunden über das Wort "Elektromobilität" streite. "Das verschwendet unnütze Lebenszeit und trägt nicht zur Verbesserung der Laune bei", findet Trittin. "Aber wenn wir Grüne uns treffen, lachen wir ziemlich viel."

Gerade Jürgen Trittin hat dafür allen Grund - er ist zurück im Rampenlicht.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lk)

Korrektur anregen