CSU-Nachwuchs fordert Rücktritt von Seehofer - und könnte damit einen schweren Fehler gemacht haben

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SEEHOFER
Der CSU-Nachwuchs fällt Seehofer in den Rücken | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • Die Junge Union Bayern forderte einen "personellen Neuanfang" - ohne Parteichef Seehofer
  • Der CSU-Nachwuchs brüskiert Seehofer zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt

"Für einen Erfolg bei der Landtagswahl im kommenden Jahr braucht es einen glaubwürdigen personellen Neuanfang", heißt es in dem Papier. Und: "Bei allen Verdiensten, die sich Horst Seehofer zweifellos in vielen Jahrzehnten für die CSU, Bayern und Deutschland erworben hat, muss er jetzt den Weg bahnen für einen geordneten Übergang an der Spitze der Staatsregierung."

Diesen Antrag hat die Junge Union Bayern, die Nachwuchsorganisation der CSU in Bayern, am Samstag gegen 10 Uhr verabschiedet, mit deutlicher Mehrheit.

Kein großes Gremium hat Seehofer derart öffentlich attackiert

Die Sätze, festgehalten in der sogenannten "Erlanger Erklärung", sind denkwürdig, aus mehreren Gründen.

Natürlich ist Seehofer schon lange angezählt als Parteichef. Bayerns Finanzminister Markus Söder sägt seit Jahren an Seehofers Stuhl. Und nach dem Fiasko in der Bundestagswahl war klar, dass Seehofer sich mehr lange würde halten könnten.

Aber bislang hat kein großes Gremium der Partei öffentlich Seehofers Kopf gefordert. Die CSU-Bezirksvorstände, die einen "geordneten personellen Übergang" gefordert hatten, hatten das auf internen Sitzungen getan.

Taktisch heikler Zeitpunkt

Außerdem könnte sich die Forderung zum jetzigen Zeitpunkt als taktisch dumm erweisen.

Seehofer steckt mitten in den Sondierungsgesprächen zur Jamaika-Koalition in Berlin. Die CSU braucht den Verhandlungserfolg, sonst sieht es düster aus für die Landtagswahl in Bayern.

Die CSU kann es sich also nicht leisten, ihren Verhandlungsführer zu schwächen, indem sie ihn in der heiklen Phase offen brüskiert.

Seehofer zu mehr Kante drängen kann die JU auch nicht. Die CSU hat schon einen Scharfmacher nach Berlin geschickt, ihren Generalsekretär Andreas Scheuer. Noch mehr Klare-Kante-Haltung dürfte nur Blockade statt Erfolg bringen.

Wenn Seehofer nicht alles durchsetzen kann, was die CSU gern hätte – wovon auszugehen ist - kann sich der nächste Parteichef, nennen wir ihn Söder, immer noch darauf zurückziehen, dass er damit gar nichts zu tun habe. Und selbstverständlich alles besser gemacht hätte.

Sollte Jamaika scheitern und es zu Neuwahlen kommen, könnte das personelle Durcheinander der CSU ebenfalls teuer zu stehen kommen, fürchtet etwa Mike Schier, Journalist des "Münchner Merkur".

Seehofer hat JU-Besuch kurz vorher abgesagt

Seehofer hätte eigentlich auf dem JU-Treffen auftreten sollen, hatte jedoch am Freitag kurzfristig abgesagt. "Wissen Sie, ich bin hier in historisch bedeutsamen Verhandlungen." Da dürfe kein Fehler passieren. "Da muss man sich sehr vorbereiten."

Auf die Frage, ob er nicht am Sonntag zum CSU-Nachwuchs nach Erlangen hätte fahren können, sagte er: "Am Sonntagvormittag haben sie ja einen Redner, den ich nicht verdrängen möchte – Sie kennen den Namen." Es ist Söder.

JU-Chef Ziemiak: "Super Landesversammlung"

JU-Bundeschef Paul Ziemiak beglückwünschte den Landesverband Bayern am Samstag zur "super Landesversammlung".


Doch sonst verbreitete die CSU am Samstag in Reaktion auf den Vorstoß des eigenen Nachwuchses gegen Seehofer dröhnendes Schweigen. Vielleicht ist das besser so.

Mit Material von dpa

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(jg)

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