Boris Becker packt aus: "Es ist irrsinnig, zu glauben, ich sei pleite"

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Boris Becker bei einer Veranstaltung

Über die Finanzlage von Tennis-Ikone Boris Becker (49) wurde in den letzten Wochen und Monaten viel spekuliert. Nun hat sich der 49-Jährige zum ersten Mal selbst öffentlich dazu geäußert. In einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" erklärt Becker: "Es ist irrsinnig, zu glauben, ich sei pleite."

Offenbar nutzt der einstige Profisportler das Geschehene zur Reflektion: "Ich sehe meine aktuelle Situation als große Chance, mit meiner Vergangenheit aufzuräumen und meine Zukunft neu zu gestalten. Das bin ich meiner Familie schuldig", so der dreifache Vater.

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"Alles andere ist Humbug"

Boris Becker klärt auf: Es sei korrekt, dass er "seit dem 21. Juni dieses Jahres in einem Insolvenzverfahren stecke, aber es ist falsch, dass ich pleite bin". Das Insolvenzverfahren in London laufe gegen ihn als Privatperson. Seine Firmen Becker Private Office und BB SARL seien "davon nicht direkt betroffen". Eine englische Privatbank fordere etwa 3,5 Millionen Euro plus Zinsen von ihm. "Die Forderungen an und für sich bestreite ich nicht. Wir sind uns aber über die Höhe der Zinsen nicht einig", erläutert Becker.

Außerdem bestreitet der frühere Wimbledon-Sieger, seinem ehemaligen Geschäftspartner Hans Dieter Cleven (74) Geld zu schulden. Der 74-Jährige will von Becker 40 Millionen Franken (rund 34,4 Millionen Euro) einfordern. "Das ist falsch. Ich schulde Herrn Cleven kein Geld", sagt Becker. Dieser Prozess sei schon seit 18 Monaten im Gange. "Er hat in diesem Fall in erster Instanz verloren und ist in die Berufung gegangen. [...] Fakt ist: Momentan schuldet mir Herr Cleven 90 000 Franken Verfahrenskosten vom ersten Prozess. Alles andere ist Humbug", so Becker weiter.

"Ich habe bewusst geschwiegen"

Warum rückt die Tennis-Legende erst jetzt mit der Sprache raus und nicht bereits im Sommer? Er stellt klar: "Mir wurden Dinge unterstellt, die wirklich absurd sind. Ich habe bewusst geschwiegen". Er betitelt es gar als "Menschenjagd" mit Behauptungen statt Fakten. Er habe Fakten gesammelt, was einige Zeit in Anspruch genommen habe, und könne nun alles, was er sage, auch belegen.

Der 49-Jährige sagt weiter: "Ich habe in meinen 32 Jahren in der Öffentlichkeit erkannt, dass die Marke Boris Becker ein Geschäftsmodell für Printmedien und Fernsehen geworden ist. Da ist oft auch die Sensationsgier nach prägnanten Überschriften Helfershelfer. Allerdings profitiere ich zugegebenermaßen zum Teil auch davon".

"Genügend nationale und internationale Partnerschaften"

Becker bestätigt in dem Interview zudem, dass ihm derzeit ein Insolvenzverwalter zur Seite stehe. "Es ist unangenehm, wenn eine fremde Person plötzlich in Ihren Innereien schnüffelt", so Becker. Doch mittlerweile sei er "fast froh" darüber: "Praktisch jede Woche stoßen wir gemeinsam auf neue Details, die auch ihn stutzen lassen. Auch ich bin brennend daran interessiert, die ganze Wahrheit zu erfahren [...]".

Aus Sicht von Becker liege eine "neue Faktenlage" vor. Er beschreibt die Lage wie folgt: "Der erste Satz ist gespielt. Nun stehen wir im zweiten, ich habe eben ein Break gemacht und schlage nun auf". Der Ehemann von Lilly Becker (41) stellt zudem klar: "Ich habe kein Problem, zu meinen Fehlern zu stehen, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Aber ich büße nicht für etwas, das ich nicht getan habe. Ich glaube weiterhin an die Gerechtigkeit [...]".

"Der Name Boris Becker ist heiß"

Den Vorwurf, er sei "vermögenslos oder pleite", weist der einstige Tennis-Profi entschieden zurück. Er erwirtschafte durch "genügend nationale und internationale Partnerschaften" Erträge, "die es mir erlauben, meine Mitarbeiter weiter pünktlich zu bezahlen und auch mein Leben in einem normalen Rahmen weiterzuführen".

Sorgen um seine Zukunft mache er sich zudem nicht. "Mein Name, meine Marke sind so präsent wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. [...] Ich habe auf meinem Schreibtisch viele neue Werbeverträge liegen, weil Firmen merken: Der Name Boris Becker ist heiß. Man kann mit einem Schuss Humor unglaublich viele gute Werbeslogans finden aus den letzten vier Monaten [...]", ist sich Becker sicher.

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