Mit 7 Tweets in einer Stunde zeigt Trump einmal mehr, warum er seines Amtes nicht würdig ist

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Mit 8 Tweets in einer Stunde zeigt Trump einmal mehr, warum er seines Amtes nicht würdig ist | GETTY / Huffpost
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  • Wieder einmal hat US-Präsident Trump auf Twitter in einem Rundumschlag ausgeteilt
  • Mit sieben Tweets zeigte Trump, warum er für Kritiker der "schlechteste Präsident aller Zeiten" ist

Am Donnerstagabend war kurzzeitig Funkstille. Ein Mitarbeiter von Twitter zog US-Präsident Donald Trump den Stecker, der Twitter-Account des mächtigsten Tweeters der Welt blieb stumm.

Trump-Kritiker in den USA atmeten erleichtert auf. Sind die verbalen Ausfälle des Präsidenten nun vorbei? Nein, elf Minuten später war "@RealDonaldTrump" wieder online.

Schon am nächsten Tag machte Trump einmal mehr deutlich, wie verheerend seine Twitter-Tiraden ausfallen können. Verheerend für die politische Kultur des Landes und verheerend für das Ansehen des Amtes.

Denn die Attacken stammen immer noch vom Staatsoberhaupt der größten Volkswirtschaft der Welt - auch wenn man dieses "Detail" hinter all den Pöbeleien leicht vergessen kann.

Tweets 1 bis 2: Die “betrügerische Hillary”

Anlass für Trumps Tweets war einer der größten Skandale der US-Politik derzeit: Hillary Clinton soll die Vorwahl der Demokraten manipuliert haben. Seit Tagen setzt Trump Kurznachricht um Kurznachricht dazu ab. Auch, um von dem Russland-Skandal seines eigenen Wahlkampf-Teams abzulenken.

"Jeder fragt sich, warum das Justizministerium (und das FBI) sich nicht der ganzen Unehrlichkeit der betrügerischen Hillary und der Demokraten annimmt …", schrieb Trump.

Er legte nach: "Laut dem neuen Donna-B-Buch zahlte sie für die Vorwahlen der Demokraten und hat sie so gestohlen. Was ist mit den gelöschten E-Mails, dem Uran, Podesta, den Servern, und, und …"

Trump bezog sich auf das neue Buch der Demokratin Donna Brazile. Die ehemalige Vorsitzende der Demokraten wirft Clinton vor, sich ihre Nominierung bei den Vorwahlen der US-Präsidentschaftswahl erkauft zu haben.

Für den E-Mail-Skandal stand Hillary Clinton bereits vor einem Untersuchungsausschuss, sie hatte als US-Außenministerin E-Mails über einen privaten Server verschickt. Das FBI hatten den Fall geprüft und empfohlen, keine Anklage zu erheben.

Tweet 3 bis 4: ”Aus dem autokratischen Einmaleins”

Das hielt Trump aber nicht davon ab, zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen gegen das US-Justizsystem zu wettern:

"... Die Leute sind sauer. An irgendeinem Punkt müssen das Justizministerium und das FBI tun, was richtig und angebracht ist. Die amerikanische Öffentlichkeit verdient es!"

In einem weiteren Tweet schimpfte danach noch einmal über Clinton und den "verrückten Bernie" Sanders.

Man muss es dazu sagen, weil die verbalen Ausfälle schon zum politischen Alltag gehören: Bei dem Verfasser dieser Tweets handelt es sich um den Präsidenten. Er wirft seinen eigenen Strafermittlern vor, nicht so zu arbeiten, wie er es möchte.

Im Wahlkampf hatte der Immobilien-Mogul auch einmal geschworen, er könne sich benehmen "wie ein Präsident" wenn er nur wolle. Bisher will Trump offenbar nicht, worauf ein CNN-Journalist mit einem Screenshot der sieben Tweets hinwies.

Wieder und wieder hat Trump auf das eigene Justizsystem eingedroschen, einem Richter, der den Einreisebann für Bürger mancher muslimische Länder kippte, sprach er etwa jede Legitimation ab. Die Attacken lassen daran zweifeln, ob er sich der herrschenden Gewaltenteilung im eigenen Land überhaupt bewusst ist.

Der ehemalige Sprecher von Trumps Vorgänger Barack Obama, Tommy Vietor, warf dem Amtsinhaber vor, auf die Justiz Einfluss nehmen zu wollen. Das sei aus dem "autokratischen Einmaleins". Er ist nicht der erste, der Trump autokratische Züge nachsagt.

Tweet 5: Trump und Pocahontas

Doch damit hörten Trumps Attacken noch nicht auf. "Pocahontas hat gerade angegeben, dass die Demokraten, angeführt von der legendären, betrügerischen Hillary Clinton, die Vorwahlen manipuliert haben."

Pocahontas ist nicht nur eine legendäre Indianer-Prinzessin. Für Trump ist damit vor allem die Demokratin Elizabeth Warren gemeint, die in einem CNN-Interview über die Vorwürfe gegen Clinton sprach. Die Politikerin ist zu einem Zweiunddreißigstel indianischer Abstammung.

Grund genug für Trump, sie immer wieder als "Pocahontas" zu verunglimpfen. Was wegen der Disney-Verfilmung harmlos klingt, ist in Wahrheit eine rassistische Beleidigung einer politischen Konkurrentin.

Tweet 6 bis 7: Halbwahrheiten über den Kampf gegen den IS

Auch über den Attentäter von New York twitterte Trump: “Der IS behauptet, das degenerierte Tier, das die wunderschönen Menschen auf der West Side tötete und so schwer verwundete, sei 'Soldat'" der Terrormiliz.

"Aufgrund dessen hat das Militär den IS 'viel härter' in den vergangenen beiden Tagen attackiert. Sie werden einen großen Preis für diesen Angriff auf uns zahlen."

Dass die US-Armee härter gegen die Terrormiliz IS vorgegangen sei, ist allerdings eine Halbwahrheit.

Darauf wies "Bild"-Journalist Julian Röpcke mit einer Graphik hin. Am 1. und 2. November führte die Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak demnach nicht viel mehr Aktionen aus als in den beiden Tagen vor dem Attentat in New York.

Sieben Tweets feuerte Trump am Freitag in einer Stunde ab. Und machte deutlich, warum Kritiker ihn den "schlechtesten Präsidenten aller Zeiten" nennen.

Nichts Neues also von Trump. Leider.

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(sk)

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