Reporter fragt FDP-Vize Kubicki nach Merkel - seine Antwort offenbart einen überraschenden Grund für das Jamaika-Chaos

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WOLFGANG KUBICKI
Reporter fragt FDP-Vize Kubicki nach Merkel - seine Antwort verrät einen überraschenden Grund für das Jamaika-Chaos | Joachim Herrmann / Reuters
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  • Streitereien, wenig Ergebnisse: Die Jamaika-Verhandlungen drohen, aus dem Ruder zu laufen
  • Gründe dafür gibt es viele - einen überraschenden nannte nun FDP-Vize Wolfgang Kubicki

Sechs Wochen nach der Bundestagswahl drohen sich die Jamaika-Verhandler im Klein-Klein diverser Streitthemen zu verheddern.

Kein Hauch einer exotischen Lockerheit. Keine Aussicht auf einen gesellschaftlichen Aufbruch in Zeiten des Nationalismus. Stattdessen: Zoff und kleinteilige Kompromisse.

Die Verhandlungen laufen aus dem Ruder - und eine zentrale Figur hielt sich bislang mit Wortmeldungen zurück: Angela Merkel.

Merkel brach ihr Schweigen

Erst an diesem Freitag, zwei Wochen nach Beginn der ersten Sondierungen, brach die Bundeskanzlerin ihr Schweigen.

"Ich glaube nach wie vor, dass wir die Enden zusammenbinden können, wenn wir uns mühen und anstrengen", sagte sie in einem für die Jamaika-Verhandlungen ungewohnt unaufgeregten Ton.

Dass sich die Kanzlerin erst so spät äußerte, legen ihr Kritiker als Führungsschwäche aus. Ihr Verhalten könnte einer der zentralen Gründe für das Chaos bei den Jamaika-Sondierungen sein.

"Merkel beschränkt sich auf die Rolle der Moderatorin"

Darauf sprach Dieter Wonka, Chefreporter des Redaktionsnetzwerk Deutschland, den FDP-Vize Wolfgang Kubicki an.

"Das Magazin 'Forbes' hat Angela Merkel wieder zur angeblich mächtigsten Frau der Welt gekürt. Wird sie dieser Rolle bei den Jamaika-Sondierungen gerecht?", fragte Wonka in einem Interview für die "Märkische Allgemeine".

Kubicki antworte darauf: "In der Welt mag das so sein, bei den Jamaika-Sondierungen beschränkt sich Angela Merkel überwiegend auf die Rolle der Moderatorin."

Dabei bräuchten die Sondierungen keine Moderatorin, sie brauchen angesichts der chaotisch wirkenden Auseinandersetzungen eher eine Führungsfigur, die die Polterer wieder einfängt. Und die vermisst Kubicki derzeit offenbar ebenfalls.

"Merkel setzt auf eine lange Nacht der langen Messer"

Es sei unklar, was und wohin die CDU wirklich will.

"Frau Merkel scheint wie immer auf die eine lange Nacht der langen Messer zu setzen", sagte Kubicki. Also den Verhandlungstag, wenn klar wird, wer was in der Koalition mit welchem Personal umsetzten kann.

Und die Messer werden schon jetzt gewetzt. Am Donnerstag folgten wieder einmal Verbal-Attacken der möglichen Koalitionspartner gegeneinander.

So etwa von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und dem schleswig-holsteinischen Jamaikaner Robert Habeck (Grüne) und Kubicki selbst.

Obwohl man gerade von letzteren wegen ihres Koalitionsbündnisses in Schleswig-Holstein mehr gegenseitiges Verständnis erwarten dürfte.

"Das ist echt schizophren"

Weil Habeck die Partner im Bund auf dem Weg zu einer Wende in der Agrarpolitik sieht, holzte Scheuer zurück: "Das ist echt schizophren."

Und Kubicki wirft den Grünen vor, sie forderten von seiner Partei Demutsgesten: "In diesem Klima kann nichts gedeihen."

Der Grünen-Unterhändler Jürgen Trittin sagte dazu treffend:

Wir haben zehn Tage zusammen gesessen. Zwölf Themen. Das Ergebnis sind acht Papiere mit langen Listen von Dissensen, also zu klärenden Fragen. Und in vier Bereichen hat man es nicht mal geschafft, sich darauf zu verständigen, worüber man sich nicht einig ist.

Dabei wollten Merkel und die anderen Spitzen der Jamaika-Parteien erreichen, dass noch vor Weihnachten eine Koalition steht.

Mehr als drei Monate ohne handlungsfähige Regierung - das will Deutschland in diesem Kreis angesichts der erstarkten AfD im Inland und internationaler Krisen niemand gerne zumuten.

Doch genau darauf läuft es derzeit wohl hinaus.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(ll)

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