Ich habe ein kurzes schwarzes Latexkleid im Büro getragen - das ist passiert

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"Also tat ich, was eine logisch denkende Person definitiv nicht tun würde: ich bestellte mir zwei Latexkleider und trug sie in der Stadt und auf der Arbeit." Foto: GABRIELA LANDAZURI SALTOS/HUFFPOST | GABRIELA LANDAZURI SALTOS/HUFFPOST
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  • Jamie Feldman ist fasziniert von den angesagten Latexoutfits der Stars
  • Sie hat sich Latexkleider gekauft und getestet, ob sie alltagstauglich sind
  • Dabei hat sie festgestellt: Promis sind eben doch nicht wie du und ich

Die Medien wollen uns glauben lassen, dass Stars ganz normale Menschen wie du und ich sind - aber Fakt ist: das sind sie nicht. Klar, vielleicht gehen sie “auch mal tanken”, “rufen ein Taxi” oder “gehen einkaufen”.

Aber sie werden dabei auch ständig beobachtet. Das werde ich, soweit ich weiß, nicht. Außerdem tragen sie dabei Kleidung, die ich mir weder leisten kann noch anziehen würde.

In letzter Zeit bin ich von dem Trend fasziniert, dass Promis Latex tragen, während sie arbeiten - sie stehen auf dem roten Teppich bei Events oder leben einfach ihr Leben, umringt von Paparazzis.

Ich bestellte mir selbst zwei Latexkleider

Wirklich aufmerksam wurde ich erst, als ich die MTV Music Video Awards 2017 Pre-Show anguckte - Nicki Minaj schlenderte über den roten Teppich in einem knalligen, barbie-pinken Latexoutfit.

Das sah nicht nur unbequem aus, es muss auch unmöglich sein überhaupt in sowas reinzukommen.

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nicki minaj

Foto: Danny Moloshok via Reuters

“Wie?” flüsterte ich zu meinem Fernseher, als ich gemütlich in Jogginghose und einem alten, aber sehr weichen T-Shirt auf der Couch saß.

Wenn Minaj ihren Job in einem Latexoutfit machen kann, könnte ich das nicht auch? Sind Stars doch wie wir?

Die Antwort: nicht wirklich. Sowas von überhaupt nicht. Aber das hielt mich nicht davon ab, genau das herauszufinden. Also tat ich, was eine logisch denkende Person definitiv nicht tun würde: Ich bestellte mir zwei Latexkleider und trug sie in der Stadt und auf der Arbeit.

Die Textur der Kleider war anders, als ich dachte

Ich berief mich auf “House of CB”, ein Label aus London, das zum Beispiel von Beyoncé und Khloé Kardashian geliebt wird.

Die Auswahl an Latexkleidung wirkte chic und professionell genug - also wählte ich zwei Kleider aus, von denen ich dachte, sie wären am einfachsten zum Anziehen. Und so begann meine Reise.

Das Erste, was mir an den Kleidern auffiel, war die Textur. Ich dachte, das Material wäre so dick wie Gummi. Es war aber dünn wie Plastik. Ich bin geliefert, dachte ich. Aber als ich es anzog, ging der Reißverschluss sofort zu, es umfasste mich genau an den richtigen Stellen - und ich musste nicht mal einen BH tragen!

Es war, wenn ich das so sagen darf, irgendwie fantastisch - abgesehen davon, dass ich mich fühlte, als wäre ich gerade in einem Badeanzug aus dem Meer gekommen.

Für meinen Geschmack war das Kleid allerdings ein bisschen zu freizügig, also schmiss ich mir eine Wildlederjacke über und ging vor die Tür.

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Einfach nur eine ganz normale Kaffeepause. Foto: Gabriela Landazuri Saltos/ HuffPost

Das Anstarren der Passanten fing sofort an - und das sogar bevor die Menschen den Fotograf entdeckten, der mich mit seiner Kamera verfolgte. Dass es in dem Kleid immer schwieriger wurde durch die Gegend zu laufen, machte das ganze noch merkwürdiger.

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Es war ein kühler Oktobertag, aber alles, an das ich denken konnte, war, dass sich meine Oberschenkel wund scheuern könnten.

Als ob das Laufen nicht schon schwer genug wäre, kam dann auch noch der Arbeitsweg dazu - ein wesentlicher Teil meines Jobs.

Der Weg zur Arbeit erwies sich als schwer

Promis müssen elegant in Autos rein- und wieder herausgleiten und das in ihren hautengen Gewändern. Aber wie würde bei ihnen in diesen Looks wohl mein Arbeitsweg aussehen?

Spoiler-Alarm: Nicht so gut. Hier ist ein Bild meines (extrem langsamen) Aufstiegs der U-Bahn-Treppen:

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Nie. Mals. Foto: Gabriela Landazuri Saltos/ HuffPost

Und ein weiteres Bild von einem (fehlgeschlagenen) Versuch, ein Citi Bike zu benutzen:

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Geht einfach gar nicht. Foto: Gabriela Landazuri Saltos/ HuffPost

Ja. Geht gar nicht klar. Ich hatte plötzlich großen Respekt vor denen, die solche Outfits ständig tragen müssen. Meine Beine fühlten sich an, als wären sie wie Magnete aneinander geheftet.

Der Besuch auf der Toilette war kompliziert

Um das Laufen aber mal hintenanzustellen: es gab Dinge, die ich nicht erwartet hatte. Das Kleid machte zum Beispiel keine Quietsch-Geräusche, während ich lief - was mich sehr freute, da ich eigentlich keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen wollte.

Das einzige Mal, als das Kleid tatsächlich ein Geräusch von sich gab, war, als ich eine Wanderung zur Toilette machte. Ich brauchte ganze vier Minuten, um mich aus ihm rauszuschlängeln und es hörte sich an, als würde ich Luftballon-Tiere in der Kabine basteln.

Ich wurde von Männern ebenso wie von Frauen angestarrt, aber die Blicke fühlten sich eher an wie “Hast du eine Wette verloren?”, nicht wie “Du solltest dich schämen, so vor die Tür zu gehen.”

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Foto: Gabriela Landazuri Saltos/ HuffPost

Latex und BDSM laufen Hand in Hand

Es ist unmöglich, ein Thema auszulassen, wenn man darüber diskutiert, Latex auf der Arbeit zu tragen: die Ehrung und Anerkennung für BDSM.

Also kontaktierte ich Snow Mercy und Mistress Trinity, zwei Dominas jeweils aus Los Angeles und New York, um mit ihnen über Latex zu sprechen.

Mercy erklärte mir, dass die Wurzeln von Latex in BDSM bis in die 1950er zurückreichen, als “Fotos in Fetish-Magazinen zum ersten Mal abgedruckt wurden.”

“Latexliebhaber erfreuen sich am Aussehen und Gefühl von diesem Material”, sagte Mercy. “Einige bezeichnen es auch als ‘zweite Haut’. Es zeigt zwar die Kurven, aber dient auch als Barriere. Damit kann es sehr reizvoll sein und als Abweisungs-Taktik benutzt werden."

Die Domina erklärt mir weiter: "Ein Sub (devoter Partner ) kann den Körper des Dominanten anbeten, aber niemals wirklich anfassen. Das Gegenteil funktioniert natürlich auch. Wenn ein Sub Latex anhat, kann der Dominante den Sub anfassen, ohne jemals Hautkontakt zu haben.”

Mercy nannte es auch “sinnliches” Material, das sich “überwältigend anfühlt, wenn man es trägt” und es sei “exotisch und ein Tabu.” Ich habe das Latexkleid zwar nur einmal getragen, aber ich kann aus vollem Herzen sagen, dass ich ihr zustimme.

“Viele Menschen nutzen BDSM, um der Wirklichkeit zu entfliehen”, sagte sie zu mir. “Latex zu tragen, bestärkt das Gefühl, sich in eine andere Welt zu begeben.”

Latex im Alltag wird heiß diskutiert

Für meinen “Büro-Look” verabschiedete ich mich von der Jacke, aber traute mich dennoch nicht, ganz entblößt zu sein.
Also trug ich eine weiße Bluse und Stiefel zu dem Kleid. Mein Outfit war nicht wirklich firmentauglich, aber ich bekam eine Menge Komplimente.

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Ein ganz normaler Tag im Büro. Foto: Gabriela Landazuri Saltos/ HuffPost

Latex in meinem eigenen Alltag zu tragen, ließ mich nachdenken. Wie muss es sich für Menschen wie Mercy und Trinity anfühlen, dass es bei Stars so ein populärer Trend geworden ist, Latex zu tragen? Beide sagten, sie finden es nicht respektlos, aber Trinity erzählte, dass es trotzdem Diskussionen darüber gäbe, wenn andere Latex außerhalb der Community tragen.

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“Es gibt die Debatte in der Fetisch-Community über “Nicht-Kinkster” (Menschen ohne Fetisch), die Fetisch-Mode tragen”, erzählte Trinity. “Mir ist das Thema eigentlich egal. Ich genieße Latexmode aus all den Gründen, warum andere es auch tun und ich sehe das Potential, dass BDSM im Mainstream ankommen könnte.”

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Lady in Latex. Foto: Gabriela Landazuri Saltos/ HuffPost

Snow und Trinity finden, dass es ermutigend ist, Latex zu tragen und ich konnte das definitiv spüren. Mercy meint, dass ein Mensch in Latex “sich wirklich von der Masse abheben will”, während Trinity sagte, wenn man sich “sexy fühlen, seinen Körper zeigen will und einen exhibitionistischen Charakter hat und man selbst sein will, dann gibt das einem Selbstbewusstsein. Wenn der Träger sich damit nicht wohl fühlt, ist es einfach nur unbequeme Kleidung.”

Ich würde behaupten, dass ich irgendwo dazwischen stecke. Jetzt überlasse ich den Latexlook aber erst mal dem roten Teppich. Vorerst.

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Foto: Gabriela Landazuri Saltos/ HuffPost

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der HuffPost US und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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(ame)

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