Hypertonie: 120 oder 140 - wie hoch Blutdruck sein darf

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
HYPERTENSION
Hannelore Neuhauser vom Robert-Koch-Institut (RKI) betont: "Wichtig ist, dass der Blutdruck regelm├Ą├čig gemessen wird, um einen m├Âglichen Hochdruck ├╝berhaupt zu entdecken. Au├čerdem ist es gut zu wissen, ob der Blutdruck vielleicht in einem Bereich liegt, der zwar noch nicht als medikament├Âs behandlungsbed├╝rftig gilt, aber schon nicht mehr harmlos ist." | SARINYAPINNGAM via Getty Images
Drucken
  • Bluthochdruck birgt viele Risiken und ist eine Volkskrankheit
  • Generell sollte der Blutdruck die Werte 140 zu 90 nicht ├╝berschreiten
  • Eine Studie hatte zuvor einen H├Âchstwert von 120 erwartet

Regelm├Ą├čig sollten Menschen ihren Blutdruck messen. Vorsichtig befestigt Ulrike Lange daher die Manschette am Oberarm. Sie schlie├čt den Klettverschluss und schaut auf ein elektronisches Display. Das wei├če Ger├Ąt surrt und piept. Mehrmals am Tag misst die 39-j├Ąhrige Apothekerin den Blutdruck von Berliner Kunden.

"Was wir hier machen, ist nat├╝rlich nur ein Check. Wenn wir Auff├Ąlligkeiten beobachten, empfehlen wir unseren Kunden sofort den Gang zum Arzt", sagt Lange. Die meisten ihrer Kunden haben einen konkreten Anlass, warum sie ihren Blutdruck messen lassen: "Meistens handelt es sich um Kopfschmerzen, Schwindel oder ein allgemeines Unwohlsein. Bei warmen Wetter wird unser Service besonders stark nachgefragt."

Fast jeder Dritte leidet unter Hypertonie

Was Ulrike Lange in ihrer Kreuzberger Apotheke anbietet, halten Experten f├╝r dringend notwendig. Hannelore Neuhauser vom Robert-Koch-Institut (RKI) betont: "Wichtig ist, dass der Blutdruck regelm├Ą├čig gemessen wird, um einen m├Âglichen Hochdruck ├╝berhaupt zu entdecken. Au├čerdem ist es gut zu wissen, ob der Blutdruck vielleicht in einem Bereich liegt, der zwar noch nicht als medikament├Âs behandlungsbed├╝rftig gilt, aber schon nicht mehr harmlos ist."

In Deutschland leidet laut RKI fast jeder dritte Erwachsene unter Hypertonie, wie der Bluthochdruck fachsprachlich hei├čt. Etwa ein F├╝nftel der Betroffenen ist sich seiner Krankheit allerdings gar nicht bewusst. Das kann verh├Ąngnisvoll sein, denn Hypertonie hat einen hohen Anteil an der gesamten Krankheitslast im Land.

Die Liste der Gefahren von Bluthochdruck ist lang: Er steigert das Risiko f├╝r Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschw├Ąche, Erkrankungen der Herzkranzgef├Ą├če, Nierenversagen und sogar Demenz. Beg├╝nstigt wird zu hoher Blutdruck durch h├Ąufigen Alkoholkonsum, Rauchen, zu wenig Bewegung, salz- und fleischreiche Ern├Ąhrung, aber auch durch die Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol.

Nicht jede Blutdruck-Senkung ist gesund

W├Ąhrend ├╝ber diese Ursachen und Gefahren deutliche Einigkeit unter Medizinern herrscht, sind zwei andere, ebenso wesentliche Fragen, h├Âchst umstritten: Ab wann ist der Blutdruck eigentlich zu hoch, also krankhaft? Und wie stark darf er gesenkt werden?

Schlie├člich ist eine gewisse Variation der Werte durchaus normal. Das Altern aber auch k├Ârperliche Bet├Ątigung k├Ânnen zu einer nat├╝rlichen Erh├Âhung f├╝hren.

Und andersherum ist nicht jede Senkung gesund. Yvonne D├Ârffel, Leiterin der Medizinischen Poliklinik der Berliner Charit├ę, erkl├Ąrt: "Wir haben beobachtet, dass eine zu starke Senkung zu erheblichen Beeintr├Ąchtigungen der Lebensqualit├Ąt bei vielen Patienten f├╝hren kann und damit auch die Einnahmetreue der Medikamente negativ beeinflusst."

Das hei├čt: Patienten nehmen die Mittel nicht regelm├Ą├čig oder setzen sie ab. "Bei einigen Patienten k├Ânnen sogar erh├Âhte Nierenwerte auftreten", sagt D├Ârffel.

Worauf Ärzte schauen

Bei der Diagnose des Blutdrucks schauen Ärzte auf zwei Werte gleichzeitig: Den systolischen (oberer Wert) und den diastolischen Blutdruck (unterer Wert). Lange Zeit galt als medizinisch vertretbar, wenn der systolische Wert nicht über 140 lag, alles darüber sollte mit Medikamenten behandelt werden.

Vor zwei Jahren sorgte die sogenannte "Sprint"-Studie aus den USA f├╝r gro├če Aufmerksamkeit. Sie kam zu dem Ergebnis, dass zumindest f├╝r bestimmte Bluthochdruck-Patienten eine Senkung auf einen systolischen Wert von 120 g├╝nstiger sei. Die Folge war auch in Deutschland ein Ansturm auf Arztpraxen und Kliniken, weil viele Patienten ihre Werte als zu hoch einsch├Ątzten und nach Medikamenten verlangten.

Was das Problem der "Sprint"-Studie ist

Doch die "Sprint"-Studie wies Schw├Ąchen auf. Vor wenigen Wochen teilte die Deutsche Hochdruckliga dann auch mit, man m├╝sse an den urspr├╝nglichen, h├Âheren Zielwerten festhalten.

Das hei├čt konkret: Generell sollte der Blutdruck die Werte 140 zu 90 nicht ├╝berschreiten. Schon diese Werte w├╝rden in Deutschland bei weniger als 60 Prozent der Patienten erreicht.

"Wichtigstes Behandlungsziel f├╝r alle ├ärzte muss sein, dass dieses Blutdruckziel erreicht wird", sagt Bernhard Kr├Ąmer, Vorstandsvorsitzender der Hochdruckliga.

Einzelfallbewertung ist wichtig

Auch Yvonne D├Ârffel schlie├čt sich dieser grunds├Ątzlichen Einsch├Ątzung an, h├Ąlt aber eine Einzelfallbewertung f├╝r notwendig: "Ich empfehle, dass Zielwerte grunds├Ątzlich individuell festgelegt werden.

Bei deutlich unter 60-j├Ąhrigen Patienten, die ein kardiovaskul├Ąres Risiko aufweisen, halte ich eine Senkung auf 120 bis 130 mmHg f├╝r sinnvoll, aber nur, wenn es die Ausgangswerte zulassen. Bei ├╝ber 60-J├Ąhrigen ist unabh├Ąngig vom Ausma├č des kardiovaskul├Ąren Risikos eine Senkung auf unter 140 mmHg angemessen."

Wer es gar nicht erst zum Bluthochdruck kommen lassen m├Âchte, sollte auf seine Ern├Ąhrung und seinen Lebensstil achten. D├Ârffel r├Ąt zu regelm├Ą├čigem Ausdauersport und drei Portionen Obst t├Ąglich.

Anzeige: Entdeckt bis zum 3. November t├Ąglich einen neuen Deal im "Hei├čen Herbst" von HuffPost-Partner BestCheck. Mit dabei ein DSL- und Handy-Vertrag, ein neuer Strom-Deal und Rabatte f├╝r eure n├Ąchste Reise - oft gibt es noch einen praktischen Amazon-Gutschein dazu.

Ô×Ę Hier die "Hei├čen Herbst"-Deals auf dem Preisvergleichsportal BestCheck entdecken

heisser herbst

Korrektur anregen