"Bild"-Zeitung berichtet von 30.000 abgetauchten Asylbewerbern - das Innenministerium widerspricht

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FLCHTLINGE
30.000 abgelehnte Asylbewerber sind verschwunden | Sean Gallup / Staff
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  • Mehr als 30.000 ausreisepflichtige Asylbewerber sind für die Behörden nicht auffindbar
  • Unklar ist, ob die Asylbewerber bereits ausgereist oder untergetaucht sind

Gut 30.000 abgelehnte und sofort ausreisepflichtige Asylbewerber seien laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung verschwunden, ohne dass die Behörden Kenntnis über ihren Verbleib hätten.

Die Zahl 30.000 habe die Zeitung errechnet aus der Differenz zwischen der Zahl der Ausreisepflichtigen und der der Leistungsbezieher unter ihnen.

Verlässlich sind diese Angaben jedoch nicht. Das Bundesinnenministerium widerspricht dem "Bild"-Bericht entschieden.

Herrmann: Abgetauchte Asylbewerber seien Einzelfälle

Das Ministerium kritisiert eine "unzutreffende Berechnung". Schließlich seien jene, die im Ausländerzentralregister als ausreisepflichtig gelistet seien, nur zur Hälfte abgelehnte Asylbewerber.

Es seien dort zum Beispiel auch Menschen erfasst, deren Visen abgelaufen seien. Das Ministerium beklagt, auch andere Teile der "Bild"-Kalkulation stimmten nicht, etwa die Gegenrechnung mit Asylbewerberleistungen.

Das Innenressort räumt aber ein: Nicht in jedem Fall sei auszuschließen, dass ein Ausreisepflichtiger ohne Kenntnis der Behörden das Land verlasse oder untertauche und weiter im Ausländerzentralregister gelistet sei.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) meint, dass jemand in die Illegalität abtauche, sei im Einzelfall nicht auszuschließen. Es gebe in Deutschland aber keineswegs eine riesige Zahl an Menschen, die illegal im Land seien - anders als etwa in den USA.

KORREKTUR: In einer früheren Version hatten wir lediglich über die Zahlen der "Bild"-Zeitung berichtet, die aus einer falschen Berechnung stammen. Wir haben die Meldung um die Einschätzung des Bundesinnenministeriums ergänzt.

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