Trumps Eleven: Das sind die wichtigsten Verdächtigen in der Russland-Affäre

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  • Robert Mueller hat mit den ersten Anklagen für großen Wirbel in der Russland-Affäre von Donald Trump gesorgt
  • Die Anklageschriften des Sonderermittlers und weitere Enthüllungen belasten mehr und mehr Vertraute des US-Präsidenten
  • Ein Überblick über die unter Verdacht stehenden Personen - und welche Rolle sie in der Affäre spielen

Die dunkle Wolke über dem Weißen Haus will nicht verschwinden. Seit Tagen heizen neue Enthüllungen die brisanten Vorwürfe gegen Donald Trumps Wahlkampf-Team an.

Der Kreml soll sich gezielt in den US-Wahlkampf eingemischt haben, um dem jetzigen US-Präsidenten zu seinem Sieg zu verhelfen und der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu schaden. Trumps Team soll dabei ein williger Helfer gewesen sein.

US-Geheimdienste sind von der Einmischung des Kreml überzeugt. Ausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus sowie das FBI untersuchen seit Monaten, ob es im Wahlkampf Absprachen zwischen Mitgliedern des Trump-Lagers und Moskaus gegeben hat.

Moskau verneint, sich in die Wahl eingemischt zu haben. Auch Trump weist die Vorwürfe immer wieder zurück. Bisher ist nichts bewiesen.

Doch am Montag hagelte es die erste Anklagen - und schon flammt die im hitzigen US-Politalltag etwas untergegangene Russland-Affäre wieder auf.

Die HuffPost zeigt, welche elf Personen dabei im Fokus der Ermittler stehen:

1. Der Russlandversteher: Paul Manafort

paul manafort

Wer er ist: Manafort arbeitet als Lobbyist und politischer Berater. Er beriet seit den 1970er Jahren Politiker weltweit, unter anderem den späteren Präsidenten Gerald Ford während des Wahlkampfes oder den kongolesischen Diktator Mobutu Sese Seko.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Paul Manafort war zwischen März und August 2016 Leiter des Wahlkampfteams von Donald Trump. Ihm kommt daher eine zentrale Rolle in der Russland-Affäre des Trump-Teams zu.

Am Montag hat Sonderermittler Robert Mueller Manafort und dessen Geschäftspartner Rick Gates in zwölf Punkten angeklagt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, heimlich Lobbyarbeit für die Kreml-nahe Regierung von Wiktor Janukowitsch, zwischen 2010 bis 2014 Präsident in der Ukraine, betrieben zu haben.

Seine Vergehen in der Anklageschrift von Mueller stehen nicht direkt im Zusammenhang mit Trump.

Dennoch steht auch Manafort im Verdacht, an den mutmaßlichen Absprachen zwischen Trumps Team und russischen Regierungsvertretern beteiligt gewesen zu sein. Laut der “Washington Post” soll von ihm eine brisante E-Mail stammen. Sie enthält den Vorschlag des Ex-Beraters George Papadopoulos, ein Treffen mit russischen Vertretern zu organisieren.

Der Kommentar dazu, mutmaßlich von Manafort: "Lass uns das diskutieren. Wir sollten jemanden beauftragen zu kommunizieren, dass DT diese Trips nicht macht. Es sollte jemand aus den hinteren Reihen sein, um kein Aufsehen zu erregen." Die Initialen "DT" stehen offenbar für Donald Trump.

Manafort war auch bei dem Treffen von Donald Trump Jr. und Jared Kushner mit der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaja und dem russisch-amerikanischen Lobbyisten Rinat Achmetschin anwesend, wovon sich das Trump-Team schädliche Informationen über die Konkurrentin im Wahlkampf, Hillary Clinton, erhoffte.

Mehr zum Thema: Die 5 wichtigsten Enthüllungen in der Russland-Affäre - und warum sie für Trump so gefährlich sind

2. Der Handlanger: Rick Gates

rick gates

Wer er ist: Wie Manafort ein Lobbyist. Gates trat 2006 der Lobby-Firma von Manafort bei - und wurde ebenfalls im März 2016 Teil des Trump-Wahlkampfteams. Nach dem Wahlkampf arbeitete Gates für eine Lobby-Gruppe, die Trump unterstützte.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Gates ist ein Geschäftspartner von Manafort - und wurde mit diesem von Sonderermittler Mueller am Montag angeklagt und in Gewahrsam genommen. Wie Manafort plädierte Gates auf nicht schuldig.

Auch seine Anklageschrift bringt Trump zunächst nicht in Bedrängnis. Allerdings macht das Beispiel Gates deutlich, wie sehr pro-russische Interessen im Wahlkampf-Team von Trump durch einzelne Mitglieder vertreten waren.

3. Der Kontaktmann: George Papadopoulos

george papadopoulos

Wer er ist: Bevor der 30-jährige Papadopoulos als außenpolitischer Berater beim Trump-Wahlkampfteam anheuerte, war er laut den Angaben in seinem LinkedIn-Profil politischer Berater für Öl- und Gaskunden.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Papadopoulos trat dem Trump-Team ebenfalls im März 2016 bei - und begann bald, Personen in Russland zu kontaktieren und Treffen zwischen Mitgliedern von Trumps Team mit den Russen oder gar ein Treffen mit Wladimir Putin vorzuschlagen.

Papadopoulos bekannte sich gegenüber dem FBI für schuldig, falsche Angaben zum Zeitpunkt seiner Kontakte mit einem russischen Professor gemacht zu haben. Der Professor, so geht aus der Anklageschrift gegen den Ex-Berater hervor, bot Papadopoulos "Schmutz" und "tausende E-Mails" über Clinton an.

Brisant daran: Das Angebot des Professors kam, nachdem die Server der Demokraten gehackt und tausende von Clintons E-Mails gestohlen wurden - der Professor könnte also eben jene E-Mails gemeint haben.

US-Medien vermuten, dass Papadopoulos nun einen Deal mit Sonderermittler Mueller eingegangen ist - und ihm Informationen über das Wahlkampf-Team von Trump liefert.

4. Der Anstifter: Sam Clovis

samuel clovis

Wer er ist: Der frühere Air-Force-Offizier Clovis ist derzeit Berater des US-Landwirtschaftsministeriums, von einer Nominierung für eine wichtigere Rolle im Ministerium zog sich Clavis wegen seiner Verstrickung in der Russland-Affäre zurück. Im Wahlkampf-Team war der 68-Jährige Supervisor der Wahlkampagne.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Clovis war während des Wahlkampfes Papadopoulos’ Vorgesetzter. Er soll laut dessen Anklageschrift den jungen außenpolitische Berater bestärkt haben, Treffen mit den Russen einzufädeln.

Als Papadopoulos von seinen Kontakten zu dem russischen Professor und der Möglichkeit eines Treffens des Trump-Teams mit russischen Regierungsvertretern berichtete, antworte Clovis demnach mit zwei Wörtern: "Gute Arbeit".

Im August wollte Papadopoulos zu einem Treffen mit dem russischen Außenministerium reisen. Clovis ermutigte den Berater, die Reise anzutreten, "falls es möglich ist".

5. Der Pionier: Michael Flynn

michael flynn

Wer er ist: Flynn war ein hochrangiger Offizier der US-Armee und ehemaliger Direktor der Defense Intelligence Agency (DIA), dem Militärgeheimdienst der Vereinigten Staaten. Flynn war Teil von Donald Trumps Wahlkampfteam und zu Beginn von dessen Amtszeit der Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Michael Flynn war der erste Mitarbeiter Trumps, der wegen Kontakten nach Russland seinen Job verlor.

Im Februar trat Flynn zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er ein Treffen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak im Dezember 2016 verschwiegen hatte.

Laut eines Berichts der "Washington Post" soll Flynn Kisljak während des Treffens in Aussicht gestellt haben, dass die Trump-Regierung die Sanktionen der USA gegen Russland lockern würden.

Zu diesem Zeitpunkt war Flynn einer von Donald Trumps engsten Beratern. Das US-Justizministerium hatte das Team des heutigen US-Präsidenten sogar davor gewarnt, dass Flynn von russischer Seite erpresst werden könnte.

6. Der Dienstbote: Carter Page

carter page

Wer er ist: Page arbeitet als Berater und Investor in der Ölindustrie. Seine Firma Global Energy Capital pflegt gute Kontakte nach Russland. Im Sommer 2016 war Page Teil des Beraterstabs für Außenpolitik in Donald Trumps Wahlkampfteam.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Page wird in dem berüchtigten Steele-Dossier erwähnt, einem Dokument, das der ehemalige britische Agent Christopher Steele über die Russland-Verbindungen von Trump und seinem Team erstellt hat. Darin wird behauptet, Page habe sich mehrfach mit russischen Regierungsbeamten getroffen - darunter auch Vertreter der staatlichen Ölfirma Rosneft.

Tatsächlich gab Page bei einem Auftritt auf einer Konferenz in Moskau am 12. Dezember 2016 zu, sich mit Rosneft-Mitarbeitern getroffen zu haben. Er stritt damals jedoch ab, dass diese Treffen in Verbindung mit Trumps Wahlkampf gestanden hätten. Im April wurde dann bekannt, dass das FBI Page seit Sommer 2016 wegen seiner Kontakte nach Russland im Visier hatte.

Anfang dieser Woche folgte schließlich ein weiteres Geständnis von Page: Dem US-Sender MSNBC sagte er, dass es durchaus sein könnte, dass er sich während des Wahlkampfs mit George Papadopoulos über die "schmutzigen" E-Mails über Hillary Clinton unterhalten habe, die diesem von russischer Seite angeboten wurden.

7. Der Mitwisser: Jeff Sessions

jeff sessions

Wer er ist: Session war Richter und langjähriger Abgeordneter für die Republikaner im US-Senat. 1986 wurde ihm wegen rassistischer Äußerungen das Amt des Bundesrichters von Alabama versagt, heute ist er Donald Trumps Justizminister.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Im Januar schwor Jeff Sessions unter Eid, als Berater von Trump im Wahlkampf keine Kontakte nach Russland gehabt zu haben. Im März kam heraus, dass er sich im Sommer 2016 mehrfach mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen hatte.

Ende Mai wurde dann bekannt, dass Sessions diese Treffen nicht bei seiner Sicherheitsprüfung durch das Justizministerium angegeben hatte. Sessions bestritt stets, dass die Treffen mit Kisljak im Rahmen seiner Beratertätigkeit für Trump stattgefunden hätten. Er geriet jedoch so stark unter Druck, dass er sich in den Russland-Ermittlungen der US-Justiz für befangen erklärte.

Seit Montag ist eine weitere Rolle Sessions in der Russland-Affäre bekannt: Wie die "New York Times" berichtet, war Sessions bei einem Treffen Donald Trumps mit dessen außenpolitischen Beraterteams am 31. März 2016 zugegen. Während dieses Meetings schlug George Papadopoulos dem heutigen US-Präsidenten ein Treffen mit Wladimir Putin vor.

8. Der Anwalt: Michael Cohen

michael cohen

Wer er ist: Cohen vertritt seit 2006 Donald Trump bei Rechtsfällen. In New York ist er auch als Trumps "Pitbull" bekannt und hatte verschiedene Posten in Trumps Immobilien-Unternehmen inne.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Cohen soll zusammen mit Trumps Geschäftsfreund Felix Sater und dem ukrainischen Abgeordneten Andrii Artemenko im Januar einen geheimen Friedensplan für die Ukraine entwickelt haben. Das berichtete die "New York Times" im Februar.

Nach der Enthüllung verstrickte sich der Anwalt bei seinen Aussagen zu dem Geheimabkommen in Widersprüche. Zunächst dementierte er, dass er den Plan an den später zurückgetretenen Nationalen Sicherheitsberater Trumps, Michael Flynn, gegeben habe, dann bestritt er, zu wissen, um was es in dem Plan gehe - nur um schließlich in einem TV-Interview die Frage offen zu lassen, ob es den ominösen Friedensplan gegeben habe, und stattdessen zu fragen: "Was ist so schlimm daran?"

Geschäftspartner Sater soll laut einem Bericht der "New York Times" mit seinen Kontakten zur russischen Regierung - bis hin zu Präsident Putin - angegeben haben. Sollte Trump ein Hotel in Moskau eröffnen, könnte er das "gesamte Team von Putin dazu bringen, zu investieren".

9. Der Tölpel: Donald Trump Jr.

trump jr

Wer er ist: Donald Trump Jr. ist das älteste der drei Kinder von US-Präsident Trump. Trump Jr. unterstützte seinen Vater bei den US-Präsidentschaftswahlen und übernahm nach dessen Wahlsieg die Führung des Familienunternehmens The Trump Organization.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Trump Jr. lieferte den Beleg für seine Russland-Verbindung selbst - per Twitter. Aus dem von ihm im Juli veröffentlichten E-Mail-Wechsel geht hervor, dass ihm belastende Informationen über Hillary Clinton in Aussicht gestellt wurden, die von der russischen Regierung stammen sollen - und Trump Jr. stimmte einem Treffen zu.

Er wusste von vornherein: "Das sind offensichtlich hochrangige und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Herrn Trump." Dennoch ging Trump Jr. auf den Deal ein.

Zwar bestreitet die russische Anwältin Natalia Veselnitskaja, mit der sich der 39-Jährige am 9. Juni 2016 getroffen hat, jemals für den Kreml gearbeitet zu haben. Auch aus Moskau hieß es, man kenne die Frau nicht. Doch nach Informationen der "New York Times" und "Washington Post" zählen zu Veselnitskajas Klienten Einzelpersonen und Unternehmen mit Verbindungen zum Kreml.

10. Der Sündenbock: Jared Kushner

kushner

Wer er ist: Kushner ist der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka. Seit Beginn der Präsidentschaft seines Schwiegervaters ist Kushner dessen Chef-Berater, schon während des Präsidentschaftswahlkampfs gehörte er zu den wichtigsten Beratern Trumps und leitete die digitale Kommunikation.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Der Schwiegersohn von Trump musste bereits im Juli vor den Geheimdienstausschüssen des Senats und des Abgeordnetenhauses zu seinen Russland-Kontakten aussagen.

Dabei wollte er Angaben zu insgesamt vier Treffen mit russischen Vertretern machen, bestritt jedoch unangemessenen Kontakte.

Zum ersten ging es dabei um das Treffen mit Veselnitskaja, bei dem neben Kushner auch Trump Jr. und Manafort teilnahmen. Zweitens hatte sich Kushner vor Trumps Amtsantritt mit dem russischen Botschafter Kisljak sowie einem Moskauer Bankier getroffen.

Als dritte Begegnung führte er ein Treffen mit dem Kisljak im Trump-Tower in New York nach der Wahl an. Als viertes Treffen nannte Trumps Schwiegersohn eine Zusammenkunft mit dem russischen Banker Sergej Gorkow, die im Dezember im Trump-Tower stattfand.

Mehr zum Thema: Der Scheinriese: Wie Trumps Schwiegersohn an seinen Aufgaben im Weißen Haus scheitert

11. Der King Pin: Donald Trump

donald trump

Wer er ist: Donald Trump ist der 45. Präsident der USA. Aufgrund etlicher Hinweise, seiner Wirtschaftskontakte nach Russland sowie seiner positiven Aussagen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin werden ihm geheime Absprachen mit Moskau nachgesagt.

Welche Rolle er in der Russland-Affäre spielt: Im Kern der Ermittlungen geht es darum, inwiefern Russland beim Wahlsieg Donald Trumps nachgeholfen hat - und inwiefern der US-Präsident selbst über eine mögliche Unterstützung informiert oder darin gar involviert war.

Doch bisher führt keine Spur direkt zum US-Präsidenten. Zwar gibt es Indizien, dass Trump zumindest über Treffen seiner wichtigsten Wahlhelfern mit russischen Vertretern Bescheid wusste. Stichhaltige Beweise fehlen aber.

Klar ist: Die Russland-Affäre dürfte Trumps Präsidentschaft bis auf Weiteres überschatten. Und je länger sie dauert, desto mehr Details kommen ans Licht.

Gefährlicher für Trump könnte die Frage werden: Hat er die US-Justiz bei den Ermittlungen behindert? Darauf deuten die Aussagen des gefeuerten FBI-Direktors James Comey und ein Brief von Trump an Comey hin.

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