Schon zwei Monate Stillen können das Risiko von plötzlichem Kindstod um fast die Hälfte reduzieren

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Stillen reduziert das Risiko von Plötzlichem Kindstod. | iStock
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  • Stillen hat viele positive Effekte auf die Gesundheit eines Kindes
  • US-Forscher haben nun herausgefunden, dass schon eine kurze Zeit den Unterschied macht
  • Der Studie zufolge senken zwei Monate Stillen das Risiko von Plötzlichem Kindstod um fast 50 Prozent

Eines Morgens aufwachen und sein Baby tot im Bettchen auffinden: Es gibt kaum eine Sache, die junge Eltern so sehr ängstigt wie die Gefahr von Plötzlichem Kindstod (SIDS; Sudden Infant Death Syndrome).

Obwohl die Zahlen glücklicherweise stark rückläufig sind (1990 waren es laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung noch 1283 Todesfälle in Deutschland, 2014 nur noch 119), sterben jedes Jahr noch immer völlig gesunde Babys unter einem Jahr auf diese unerklärliche Weise im Schlaf.

Kein Wunder, dass viele Eltern besorgt sind und versuchen, die Risiken so gering wie möglich zu halten. Experten empfehlen etwa, die 3-R-Faustregel zu beherzigen: 'Rückenlage – Rauchfrei – Richtig gebettet'.

"Zwei Monate Stillen reduzieren das SIDS-Risiko um beinahe die Hälfte"

Es gibt aber noch einen weiteren Faktor, der das Risiko von Plötzlichem Kindstod reduziert: Stillen.

US-Forscher haben nun festgestellt, dass schon zwei Monate Stillen ausreichen, damit das Baby deutlich stärker vor SIDS geschützt ist.

"Die Ergebnisse sind erstaunlich", sagte Kawai Tanabe, ein an der Studie beteiligter Forscher. "Stillen ist aus vielen Gründen gut für das Baby, und das ist ein wirklich wichtiger Grund."

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Das Bemerkenswerte an der Studie ist: Dass Stillen das SIDS-Risiko vermindert, ist schon eine Weile bekannt. Bisher aber war Forschern nicht bewusst, dass schon eine so kurze Stilldauer derart signifikante Auswirkungen hat.

"Zwei Monate Stillen reduzieren das SIDS-Risiko um beinahe die Hälfte", sagte Fern Hauck von der UVA School of Medicine, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Je länger Babies gestillt werden, desto größer ist der Schutz."

Auch eine Mischform mit Flaschenmilch sorgt für Schutz

Die Forscher stellten außerdem fest: Für den Schutz ist es nicht entscheidend, ob die Mutter ausschließlich stillt oder ob das Kind zusätzlich noch Milch aus der Flasche bekommt.

Vor allem Mütter, denen es schwer fällt, viel zu stillen oder die sich bewusst für eine Mischform entschieden haben, dürfte diese Nachricht freuen.

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler acht Studien weltweit und werteten die Daten von insgesamt rund 9000 Fällen aus. In 2259 Fällen waren die Kinder an SIDS gestorben, 6894 Kinder hatten das erste Jahr überlebt.

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Ganz genau können die Forscher den positiven Effekt des Stillens bisher nicht erklären. Sie glauben aber, dass es vor allem mit der stärkenden Wirkung zu tun hat, die Muttermilch auf das Immunsystem hat.

"Für Mütter ist es toll zu wissen, dass schon zwei Monate Stillen ein derart starker Schutz gegen SIDS sind", sagte Rachel Moon von der UVA School of Medicine. "Wir müssen Frauen weiterhin darin bestärken, dass sie ihre Kinder stillen."

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Nichtsdestotrotz: Ob eine Mutter ihr Kind stillt oder nicht, ist eine sehr persönliche Entscheidung, die es in jedem Fall zu akzeptieren gilt.

Auch wenn das Stillen sehr viele positive Effekte auf das Kind hat - wenn eine Frau sich damit nicht wohl fühlt, ist damit weder ihr noch dem Baby geholfen.

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(ame)

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