"Verantwortungsloser Hasardeur": Medien kritisieren Puigdemont Flucht nach Brüssel

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PUIGDEMONT
"Verantwortungsloser Hasardeur": Medien kritisieren Puigdemont Flucht nach Brüssel | Eric Vidal / Reuters
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  • Der abgesetzte katalanische Regionalchef Puigdemont ist nach Brüssel geflohen
  • Dass er sich vor der Justiz in Madrid verantwortet, ist eher unwahrscheinlich
  • Deutsche Medien äußern sich kritisch gegenüber Puigdemont

Der abgesetzte katalanische Regionalchef Puigdemont sendet seine Botschaften mittlerweile aus dem Herzen Europas.

Der entmachtete Regionalpräsident soll diesen Donnerstag vor dem spanischen Staatsgerichtshof in Madrid erscheinen. Sein Anwalt in Belgien erklärte jedoch, sein Mandant werde vorerst nicht nach Spanien zurückkehren.

Puigdemont ist unter anderem wegen Rebellion angeklagt. Sollte er bei den für Donnerstag und Freitag angesetzten Terminen nicht erscheinen, droht ihm ein Haftbefehl, den die belgischen Behörden ausführen müssten.

Das Verhalten des Separatisten-Führers ruft in den Medien Hohn und Spott hervor.

"Verantwortungsloser Hasardeur"

Die "Welt" nennt Puigdemont einen "verantwortungslosen Hasardeur". Puigdemont habe den Einpeitschern in Barcelona genügend Gelegenheit gegeben, von ihrem Abenteurertum abzulassen und zu Recht und Gesetz zurückzukehren.

"Doch spätestens als sich Puigdemont nach Brüssel absetzte, um von dort wirre, widersprüchliche Signale auszusenden, hat dieser bewiesen, dass er ein verantwortungsloser Hasardeur ist, der nicht an rationaler demokratischer Konfliktlösung interessiert ist", schreibt die "Welt".

Vielmehr verfolge der katalanische Politiker eine sektiererische ideologische Agenda, für die er in betrügerischer Absicht die internationale Öffentlichkeit zu mobilisieren versuche.

"Die illegale Unabhängigkeitsfahrt ist gescheitert"

Die "Neue Westfälische" in Bielefeld sieht die Unabhängigkeitsbewegung vorerst gescheitert.

"Seine überstürzte Abreise aus Katalonien markiert übrigens das vorläufige Scheitern seiner illegalen Unabhängigkeitsfahrt - auch wenn Puigdemont nun im belgischen Exil so tut, als ob ein katalanischer Staat tatsächlich existieren würde", schreibt die Zeitung.

"Ein verzweifelter Mann"

Die spanische Zeitung "El Mundo" nennt Puigdemont einen "verzweifelten Mann". Und weiter:

"Bevor Carles Puigdemont nach Brüssel gereist ist, hat er eine andere Reise gemacht: Die vom Unabhängigkeitsprozess zum Gerichtsprozess. Der erste endete am Freitag, jetzt hat der zweite begonnen. Der Bürger Puigdemont ist nicht mehr der Steuermann einer politischen Strategie einer sezessionistischen Regierung.

Er ist ein verzweifelter Mann, der sich mit einer Verteidigungsstrategie ausrüsten muss, um dem Gefängnis zu entgehen. Während seine ausgehungerte Partei jemanden sucht, der sich bei den Neuwahlen stellen kann, die die spanische Regierung einberufen hat, muss er sich einer einsamen Schlacht gegen die vielen Hinweise auf sein illegales Verhalten stellen.

Es ist eine besondere und nicht übertragbare Schlacht, so sehr er auch versucht, das ins Gegenteil zu drehen."

"Puigdemont wird einen Teufel tun"

Die "Volksstimme" in Magdeburg sieht Katalonien vor einer siebenwöchigen Hängepartie. Erst nach den Wahlen am 21. Dezember werde sich zeigen, wohin die Reise für die autonome Region geht.

Puigdemont werde "einen Teufel tun und sich freiwillig in die Hände der spanischen Justiz begeben. Warum sich dem Risiko einer jahrelangen Haftstrafe aussetzen, wenn er doch in Brüssel sicher ist und von dort aus die Unabhängigkeitsbewegung am Köcheln halten kann?", fragt die Zeitung.

"Noch hält sich die EU heraus. Auf Dauer wird sie das nicht können."

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(jg)

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