Gabriel: SPD verdrängt die wahren Gründe für ihre Wahlniederlage

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SIGMAR GABRIEL
Gabriel: SPD verdrängt die wahren Gründe für ihre Wahlniederlage | dpa
Drucken
  • Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seiner Partei vorgeworfen, die wahren Gründe für die Wahlniederlage zu verdrängen
  • Die Sozialdemokraten hätten schlicht auf das falsche Thema gesetzt, sagte er in einem Interview

Es ist eine Abrechnung mit dem Wahlkampf seiner eigenen Partei.

"Die Behauptung, die späte Benennung des Kandidaten sei ein Fehler gewesen, ist aus meiner Sicht nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Gründen für die Wahlniederlage nicht beschäftigen zu müssen“, sagt der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel der Wochenzeitung "Die Zeit".

Die wahren Gründe für die Niederlage würde die Partei verdrängen. Als einen zentralen Grund dafür nennt Gabriel die Wahlkampfstrategie mit ihrer Fixierung auf das Thema soziale Gerechtigkeit.

"Die SPD blickt immer noch nach innen"

Der Slogan "Zeit für Gerechtigkeit“ sei problematisch für eine Partei, die von den letzten zwanzig Jahren sechzehn in der Regierung verbracht habe.

"Der Slogan zeigte geradezu sinnbildlich, dass die SPD immer noch nach innen blickt, auf eine schwärende Wunde: die Sozialreformen der Agenda 2010 unter Gerhard Schröder“, so Gabriel. "Zeit für Gerechtigkeit“ sei der Ausdruck der Sehnsucht gewesen, sich davon endlich zu befreien.

"Das aber war nicht das Problem der Mehrheit der Wähler, sondern ein Problem der Innensicht der SPD“, so Gabriel.

Gabriel: Wähler schauen lieber in die Zukunft

Wähler schauten lieber in die Zukunft: "Ihre Fragen nach Sicherheit, der Bewältigung der Digitalisierung und auch die Zerrissenheit vieler Menschen in der Flüchtlingsfrage sind von uns nicht mit einem optimistischen Zukunftsentwurf beantwortet worden.“

Ein weiterer Fehler sei es gewesen, die Sorgen der Menschen vor Zuwanderung nicht offen anzusprechen.

Die SPD habe dies versäumt – aus "panischer Angst“ dadurch der AfD zu nützen. Auch jetzt, nach der Wahlniederlage, trauten sich große Teile der SPD nicht, über dieses Thema zu sprechen.

"Es wurde Nebensächlichkeiten im Wahlkampf diskutiert"

"Stattdessen werden irgendwelche Nebensächlichkeiten des Wahlkampfes diskutiert“, sagte Gabriel.

Die SPD verliere in unsicheren Zeiten am meisten, "weil wir die Partei sind, von der unsere Wählerinnen und Wähler Sicherheit im Wandel erwarten. Wenn wir das nur unzureichend bieten, dann verlieren wir sie erst an die Nichtwähler und dann an andere Parteien.“

Gabriel kündigt an, seiner Partei künftig als "Wasserträger“ dienen zu wollen. "Ich will versuchen, mit Patenschaften neue SPD-Ortsvereine dort zu gründen, wo es die SPD gar nicht mehr gibt. In Ostdeutschland etwa.“

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..


(jg)

Korrektur anregen