Krieg der Ideologien: Wie unterschiedlich die US-Medien auf die ersten Verhaftungen in der Russland-Affäre reagieren

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Krieg der Ideologien: Wie unterschiedlich die US-Medien auf die ersten Verhaftungen in der Russland-Affäre reagieren | Screenshots/Reuters
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  • In der Russland-Affäre hat es am Montag die ersten Festnahmen gegeben
  • Zwei ehemalige Berater Trumps sowie sein Ex-Wahlkampfleiter Paul Manafort müssen sich nun vor Gericht verantworten
  • Viele US-Medien sind in heller Aufregung - doch manche verschweigen die dramatischen Ereignisse nahezu

Als die Bombe am Montag platzt, flimmern die "Breaking News"-Banner über die US-amerikanischen TV-Bildschirme. CNN, NBC, MSNB - die großen Nachrichtensender der Vereinigten Staaten überschlagen sich: Paul Manafort, der ehemalige Wahlkampfleiter von Donald Trump, wird von Sonderermittler Robert Mueller aufgefordert, sich dem FBI zu stellen.

Es ist die Nachricht des Tages. Doch bei Fox News, dem Haus- und Hofsender von Donald Trump, ist davon nichts zu spüren. Dort geht es gerade um Hamburger-Emojis.

Auch einen Tag nach der neuen dramatischen Entwicklung in der Russland-Affäre des US-Präsidenten fällt eine große Diskrepanz in der Berichterstattung der USA auf.

Die liberalen Medien des Landes sind sich sicher: Die ersten juristischen Anschuldigungen in der Affäre werden für Donald Trump zu einem großen Problem werden. Die konservativen Sender und Zeitungen in Besitz des Trump nahestehenden Medienmoguls Rupert Murdoch jedoch scheinen alles dafür zu tun, den neuerlichen Skandal klein zu halten.

"Verschwörung gegen unsere Demokratie"

Dabei ist die Faktenlage eindeutig brisant:

Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen stehen drei Personen: Trumps ehemaliger Wahlkampfchef, der Unternehmer und Lobbyist Paul Manafort, dessen Geschäftspartner Rick Gates und der Ex-Berater George Papadopoulos.

Manafort und Gates wird Geldwäsche, Steuerhinterziehung und eine Verschwörung gegen die USA vorgeworfen. Papadopoulos hat bereits zugegeben, während des Wahlkampfes Kontakte nach Russland verschwiegen zu haben.

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Die "New York Times" fragt sich angesichts dieser Enthüllungen deshalb: "Kriegt es das Weiße Haus nun mit der Angst zu tun?"

Das Trump sich mit "amoralischen, selbstherrlichen" Menschen wie Manafort umgebe, werfe allermindestens ein schlechtes Licht auf den US-Präsidenten, so die Zeitung. Noch dramatischer sei für Trump aber die Rolle seines Ex-Beraters Papadopoulos in dem Skandal: "Dessen Schuldeingeständnis ist der bisher direkteste Beweis, der Trumps Wahlkampf-Team mit den Bemühungen der Russen verbindet, Donald Trump zum Präsidenten zu machen."

In einem weiteren Kommentar spricht die "New York Times" sogar von einer "Verschwörung gegen unsere Demokratie", von einem US-Präsidenten, der "mehr Gangster als Geschäftsmann" sei und einer Präsidentschaft, die schon in sich ein "Verbrechen" sei.

Auch die "Washington Post" bewertet die Ereignisse vom Montag dramatisch. Sie nennt sie einen "Bombeneinschlag". Zwar habe das Weiße Haus Recht, wenn es behaupte, dass Gates und Manaforts Verhaftungen nichts mit Trump zu tun hätten. "Doch es besteht kein Zweifel, dass die Ermittler hoffen, dass Manafort mit ihnen kooperiert", schreibt die "Washington Post".

Die Zeitung ist sich zudem sicher: "Muellers Ermittlungen schreiten weiter aggressiv, methodisch und zügig voran. Diese ersten Anklagen werden nur eine erste Salve sein."

Aufregung auf der einen, Verblendung auf der anderen Seite

Ähnlich wie die beiden großen Flaggschiffe der US-Presse äußern sich weitere renommierte und liberale Medien des Landes.

Die Politikseite "Vox" schreibt, dass es mittlerweile klar den Anschein habe, dass Trumps Team Absprachen mit Russland getroffen habe.

Der Sender CNN berichtet seit Montagmorgen über kaum ein anderes Thema als die Folgen der Verhaftungen von Manafort, Gates und Papadopulos - und nennt den Sonderermittler Robert Mueller den "mächtigsten Mann der USA".

Und das linksliberale Magazin "The Nation" schrieb von einem "sehr schlechten Tag für Trump", während die Magazine "New Yorker" und "The Atlantic" sich sicher sind: "Robert Mueller fängt gerade erst an."

Im Weißen Haus sieht man das anders. Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte am Montag, sie gehe davon aus, dass Muellers Ermittlungen bald abgeschlossen seien. Überhaupt seien Manafort, Gates und Papadopoulos unwichtige Nebenmänner in Trumps Wahlkampfteam gewesen. Absprachen mit Russland gäbe es - aber nur von Seiten der Clinton-Kampagne.

So realitätsverbiegend Sanders Aussagen auch waren - sie fanden sich in fast gleichem Wortlaut auch in den konservativen Medien der Vereinigten Staaten wieder.

Die politisch-mediale Spaltung der USA

Die meisten dieser Medien gehören dem australischen Unternehmer Rupert Murdoch. Murdoch ist berüchtigt für den harten Boulevardstil, den er seinen Medienunternehmen aufzwingt - und der in Großbritannien etwa zur Auflösung der Zeitung "News of the World" wegen illegaler Abhörpraktiken führte.

In den USA gehören Murdoch etwa der Sender Fox News, das Boulevardblatt "New York Post" und das "Wall Street Journal". Gerade dieses gilt eigentlich als seriös. Tatsächlich berichtet das "Journal" auch ausgiebig über die Verhaftungen vom Montag - doch vor wenigen Tagen hatte die Zeitung bereits umstrittene Kommentare auf Regierungslinie veröffentlicht.

So forderte das "Wall Street Journal", Robert Mueller solle sein Amt niederlegen und Ermittlungen gegen Clinton und ihre angeblichen Absprachen mit Russland begonnen werden. Außerdem solle Donald Trump in der Russland-Affäre alle Beschuldigten und sich selbst freisprechen.

Während das "WSJ" aber immerhin über die Anklagen gegen Manafort, Gates und Papadopoulos berichtete, hielt sich Murdochs "New York Post" auffallend zurück. Zwar erschienen Berichte zu dem Fall, doch blieben und bleiben sie auf der Seite der Zeitung gut versteckt. Stattdessen dominiert der Skandal um die Belästigungsvorwürfe gegen Schaupspieler Kevin Spacey die Aufmachung der "Post".

Anders ist das beim Sender Fox News. Robert Muellers Schlag gegen Trumps ehemalige Mitarbeiter ist auf dem konservativen Sender Thema Nummer 1 - jedoch auf absurde Weise.

Da wurde und wird argumentiert, dass es zwar versuchte Absprachen mit Russland gab, aber keine wirklichen Absprachen, was ja also nicht so schlimm sei. Anschließend wurde die Zurechnungsfähigkeit Robert Muellers in Frage gestellt, bevor argumentiert wurde, dass die Menschen sich lieber über die Russlandverbindungen von Hillary Clinton Sorgen machen sollten.

Kurz gesagt: Fox News berichtet so, wie es auch das Weiße Haus tut. Der Sender, der von Donald Trump fast täglich lobend auf Twitter erwähnt wird, hat sich selbst zum Sprachrohr des US-Präsidenten gemacht.

Der Skandal um die Verhaftungen von Manafort, Gates und Papadopoulos zeigt somit auf, wie tief die politisch-mediale Spaltung in den USA verläuft. Auf der einen Seite finden sich die liberalen Medien, die faktenorientiert aber auch oft mit (zu) großer Wut über Donald Trump berichten. Auf der anderen Seite steht das Murdoch-Imperium, Fox News und Co. - Medien, die sich voll und ganz hinter den US-Präsidenten und seine Realitätsverdrehungen stellen.

Es ist ein Krieg der Ideologien, der das politische Chaos in den USA nur verstärkt. Nachrichten werden in den USA immer wieder zu Meinungen gemacht, der Wahrheitsgehalt einer Meldung wird dann zur Nebensache.

Das schadet der Demokratie des Landes: Denn vor dem Hintergrund dieser politisierten Medienlandschaft wird die Faktenlage nicht nur in der Russland-Affäre immer schwieriger zu erfassen.

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(amr)

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