Schlüsselfigur in der Russland-Affäre: Wer ist George Papadopoulos - und wie gefährlich ist er für Trump?

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PAPADOPOULOS
Ein Ex-Berater bringt US-Präsident Donald Trump schwer in Bedrängnis | dpa / huffpost
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  • Am Montag wurde bekannt: Das FBI hatte den ehemaligen Trump-Berater George Papadopoulos Ende Juli festgenommen
  • Anfang dieses Monats bekannte er sich schuldig, falsche Angaben über Kontakte nach Russland gemacht zu haben
  • Doch wer ist George Papadopoulos - könnte er der Schlüssel zu Trumps Entmachtung sein?

Donald Trump will George Papadopoulos kaum kennen. "Nur wenige kannten den jungen, unterklassigen Freiwilligen namens George, der schon bewiesen hat, dass er ein Lügner ist", twitterte Trump am Dienstag. Die Absicht: Sich klar von seinem Ex-Berater zu distanzieren.

Denn genau das war George Papadopoulos zu Wahlkampfszeiten: Mitglied von Donald Trumps Beraterteam für Außenpolitik. Und darüber hinaus ein Mitarbeiter, den Trump im März vergangenen Jahres noch als "exzellenten Typen" bezeichnet hatte.

Seit Montag ist Papadopoulos nun eine Schlüsselfigur in der Russland-Affäre des US-Präsidenten. Er hat Sonderermittler Robert Mueller gestanden, falsche Angaben über Kontakte nach Russland während seiner Zeit in Trumps Team gemacht zu haben.

Das Trump Papadopoulos nun als "Lügner" denunziert, hat wohl also vor allem einen Grund: Er weiß, wie gefährlich sein ehemaliger Berater ihm nun werden kann.

Papadopoulos liefert den ersten Beweis in der Russland-Affäre

Denn anders als bei den ebenfalls am Montag durchgeführten Anklagen von Trumps ehemaligen Wahlkampfleiter Paul Manafort und dessen Geschäftspartner Rick Gates stehen die Anschuldigungen gegen Papadopoulos in direkter Verbindung zum inneren Kreis des US-Präsidenten.

Tatsächlich enthält die Anklageschrift gegen den 30-Jährigen einen stichhaltigen Beweis, dass Trumps Wahlkampfteam bewusst versucht hat, Absprachen mit den Russen zu treffen.

So hat Papadopoulos gegenüber Sonderermittler Mueller zugegeben, sich im Jahr 2016 mehrfach mit einem russischen Professoren getroffen zu haben. Dieser verfüge über enge Verbindungen zum Kreml und versprach demnach, "tausende E-Mails" mit "Schmutz" über Trumps Kontrahentin Hillary Clinton besorgen zu können.

Brisant ist dabei: Papadopoulos Treffen mit dem Professor fanden statt, nachdem die Server der Demokraten gehackt und tausende von Clintons E-Mails gestohlen wurden - aber noch bevor dies öffentlich bekannt wurde. Der russische Professor könnte also eben jene E-Mails gemeint haben.

Die Anklageschrift von Mueller gegen Papadopoulos beschreibt zudem äußerst detailliert, wie der 30-Jährige gegenüber seinen Kollegen in Trumps Wahlkampfteam mit seinen Kontakten nach Russland prahlte - und wie er immer wieder versuchte, Treffen mit Vertretern des Kreml herzustellen.

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Eine brisante Fußnote und die Initialen "DT"

So soll Papadopoulos zwei führenden Mitarbeitern von Trump in Mails mitgeteilt haben, dass "die Russen sehr daran interessiert sind, ein Treffen mit Trump abzuhalten." Mehrere US-Medien berichten, dass es sich bei einem dieser Mitarbeiter um Trumps damaligen Wahlkampfleiter Paul Manafort handeln soll.

Von Manafort soll laut der "Washington Post" auch eine brisante E-Mail stammen, die in einer Fußnote von Papadopoulos Anklageschrift erwähnt wird.

Sie enthält Papadopoulos Vorschlag zu einem Treffen mit den Russen, ist an einen weiteren Trump-Berater adressiert und lautet: "Lass uns das diskutieren. Wir sollten jemanden beauftragen zu kommunizieren, dass DT diese Trips nicht macht. Es sollte jemand aus den hinteren Reihen sein, um kein Aufsehen zu erregen."

Mit den Initialen "DT" ist wohl Donald Trump gemeint. Unabhängig davon, dass dieser nach Manaforts Meinung augenscheinlich keine Trips nach Moskau machen sollte, zeigt die Mail des ehemaligen Wahlkampfleiters des Präsidenten: Trumps Team wusste nicht nur Bescheid über Papadopoulos Annäherungsversuche an Russland - sie diskutierten sie auch offen.

Ein führender Trump-Mitarbeiter, Sam Clovis, der von Papadopoulos in die versuchten Absprachen mit dem Kreml eingeweiht wurde, kommentierte dessen Bemühungen laut der Anklageschrift sogar mit den Worten "gute Arbeit".

Hat Papadopoulos Trumps Mitarbeiter für Mueller abgehört?

Die Frage ist, wem diese "gute Arbeit" von George Papadopoulos am Ende nützt. Schließlich liegt die Vermutung nahe, dass der Ex-Berater Trumps einen Deal mit Sonderermittler Mueller gemacht hat: Im Austausch für Informationen über die Russland-Verbindungen des Trump-Teams könnte Papadopoulos mit einem geringeren Strafmaß rechnen.

Für diese Annahme spricht, dass der 30-Jährige sich nur schuldig bekannt hat, Falschaussagen über seine Kontakte nach Russland gemacht zu haben. Muellers Anklageschrift enthält keine weiteren Beschuldigungen gegen Papadopoulos. Der US-Rechtsexperte und frühere Bundesstaatsanwalt Renato Mariotti geht deshalb stark davon aus, dass Papadopoulos mit Mueller zusammenarbeitet.

Noch weiter geht Seth Abrahams, ein bekannter Rechtsprofessor von der University of New Hampshire. Abrahams ist sich nahezu sicher: Papadopoulos hat in der Zeit zwischen seiner Verhaftung am 27. Juli und seinem Geständnis am 5. Oktober für Mueller und das FBI heimlich Gespräche von Trumps Team abgehört. Dafür spreche die Wortwahl in Muellers Anklageschrift, in der von der "proaktiven Kooperation" Papadopoulos' die Rede ist.

Es bleibt abzuwarten, welche Folgen diese Kooperation für Donald Trump hat und ob Papadopoulos dem FBI tatsächlich belastende Tonbandaufnahmen zugespielt hat.

Fest steht: Sonderermittler Mueller nutzt den jungen Ex-Berater Trumps als Lockvogel für ehemalige und derzeitige Mitarbeiter des US-Präsidenten. Wer gegen diesen oder führende Mitarbeiter seines Teams in der Russland-Affäre auspackt, kann mit Strafminderung rechnen - wer es nicht tut, so wie etwa Paul Manafort, wird gnadenlos vor Gericht gezogen.

Ob Donald Trump seinen ehemaligen Berater für einen "Lügner" oder "exzellenten Typen" hält, spielt keine Rolle. Die Zukunft des US-Präsidenten ist seit diesem Montag auch von George Papadopoulos abhängig.

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(ll)

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