Die 5 wichtigsten Enthüllungen in der Russland-Affäre - und warum sie für Trump so gefährlich sind

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP
Die 5 wichtigsten Erkenntnisse in der Russland-Affäre - und warum sie für Trump so gefährlich sind | Getty
Drucken
  • Am Montag haben sich die Ereignisse in der Russland-Affäre des Weißen Hauses überschlagen
  • Die 5 wichtigsten Enthüllungen im Überblick

Es war still geworden. Über Wochen hatte sich in der Russland-Affäre des US-Präsidenten Donald Trump wenig getan.

Dann überschlugen sich am Montag die Meldungen. Bereits am Wochenende hatte sich angekündigt, dass die ersten Anklagen für ehemalige und derzeitige Wahlkampf-Helfer von US-Präsident Donald Trump an diesem Tag erfolgen würden.

Darum geht es: Mitgliedern des Trump-Teams wird vorgeworfen, sich illegal mit Personen aus Russland während des Wahlkampfes abgesprochen zu haben, um die Wahl zu manipulieren.

Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen stehen drei Personen: Trumps ehemaliger Wahlkampfchef, der Unternehmer und Lobbyist Paul Manafort, dessen Geschäftspartner Rick Gates und der Ex-Berater George Papadopoulos.

Während das Weiße Haus betont, die aktuellen Vorwürfe würden sich auf die Zeit vor dem Wahlkampf beziehen - was für Manafort und Gates stimmt -, wächst der Druck auf Trump dennoch massiv.

Hier ein Überblick über die Ereignisse vom Montag:

1. Zwölf schwere Anklagepunkte gegen Manafort und Gates

Wichtig ist: Die Anklageschrift des Sonderermittlers Robert Mueller gegen Manafort und Gates hat nicht direkt mit Donald Trump und einer möglichen Zusammenarbeit seines Wahlkampf-Teams mit Russland zu tun.

Dennoch: Die Anschuldigungen gegen die beiden Geschäftsmänner sind ernst.

Ihnen wird vorgeworfen, zwischen 2006 und 2015 heimlich für ausländische Regierungen gearbeitet zu haben. Manafort und Gates sollen Lobbyarbeit in den USA für die Kreml-nahe Regierung von Wiktor Janukowitsch, zwischen 2010 bis 2014 Präsident in der Ukraine, betrieben haben.

Lobbyarbeit für ausländische Regierungen muss in den USA registriert werden. Meiden Personen bewusst die Registrierung, ist das Betrug - und kann mit einer hohen Haftstrafe geahndet werden.

Weiter wird Manafort und Gates vorgeworfen, die Bezahlung ihrer Lobbyarbeit über im Ausland tätige Banken vertuscht zu haben. Dabei soll es sich um eine Summe um über 75 Millionen Dollar handeln.

Die Anklage von Mueller zählt auch auf, wofür Manafort das Geld ausgab: ein Leben im Luxus. 934.350 Dollar soll Manafort etwa in einem Geschäft für kunstvolle Teppiche in Virgina ausgegeben haben.

Einer der zwölf Anklagepunkte lautet zudem: "Verschwörung gegen die USA". Das muss nicht bedeuten, dass sich Manafort und Gates mit einer ausländischen Regierung verschworen haben. Vielmehr bedeute dieser Punkt, dass Manaforts und Gates Vergehen über herkömmliche Verbrechen hinausgingen, die gegen die US-Regierung gerichtet sind, erklärt die US-Politikwebseite "Vox".

Die Anklageschrift hat zunächst also wenig mit Donald Trump persönlich zu tun - sie wirft dennoch ein äußerst zweifelhaftes Licht auf sein Wahlkampf-Team.

2. Die dubiosen Personen in Trumps Umfeld

Denn mit der veröffentlichten Anklageschrift vom Montag wird deutlich, mit welch zwielichtigen Personen sich der Wahlkämpfer Trump umgab. Die Anklagepunkte zeichnen von Manafort das Bild eines korrupten Geschäftsmanns, der seit vielen Jahren russische Interessen vertritt.

Hinzukommt, dass Manafort zwischen März bis August 2016 als Wahlkampfleiter eine zentrale Rolle in der Kampagne von Donald Trump einnahm.

Da stellt sich die Frage: Was wusste Trump über Manaforts Vergangenheit? Der US-Sender CNN stellt zwei Thesen auf - und beide lassen Trump nicht gut aussehen:

Trump wusste von Manaforts dubiosen Geschäften - und es war ihm egal.
Oder er wusste nichts von dessen Vergangenheit, die laut CNN ein offenes Geheimnis in Washington gewesen sei - und gab ihm trotzdem einen zentralen Posten in seinem Wahlkampf-Team.

Als Mitte August 2016 bekannt wurde, dass Manafort 12,7 Millionen Dollar auf illegalem Weg von Janukowitsch erhalten hatte, trat er als Wahlkampfleiter zurück.

Gates war noch länger Teil von Trumps Umfeld und soll weiterhin auch das Weiße Haus besucht haben.

Beide, Manafort und Gates, plädierten am Montag auf nicht schuldig. Ein Gericht ordnete am Montag Hausarrest für Manafort an.

Ein anderer Wahlkämpfer von Trump bekannte sich stattdessen schuldig.

3. Berater Papadopoulos bekennt sich zu Falschaussage

Wahlkampfberater George Papadopoulos hatte gegenüber dem FBI zugegeben, eine Falschaussage gemacht zu haben. Das wurde ebenfalls am Montag bekannt.

Papadopoulos hatte beim FBI falsche Angaben über den Zeitpunkt seines Kontaktes mit einem ausländischen Professor gemacht.

Aus Papadopoulos Schuldbekenntnis geht hervor, dass der Professor den Berater erst kontaktierte, nachdem Papadopoulos Teil des Trump-Teams war. Der Professor versprach demnach, "Schmutz" aus Russland gegen Trumps Rivalin Hillary Clinton liefern zu können.

Das Team von Donald Trump betont, dass Papadopoulos nur eine kleine Beraterrolle innegehabt habe.

Dennoch zeigt die Enthüllung vom Montag: Teile des Trump-Teams versuchten, schädliche Informationen gegen Clinton zu sammeln. Auch Trumps Sohn Donald Trump Jr. traf sich mit einer russischen Anwältin, nachdem ihm solche Informationen versprochen worden waren.

Und so könnte die Enthüllung über Papadopoulus noch zu einem "größeren Problem für Trump als Manaforts Anklage" werden, kommentiert der US-Sender CNN.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

4. Wird sich Manafort gegen Trump wenden?

Doch wie gefährlich sind die aktuellen Entwicklungen tatsächlich für Trump selbst? Zunächst dürften die Ereignisse vom Montag keine unmittelbaren Auswirkungen auf den US-Präsidenten haben.

Allerdings besteht die Möglichkeit, dass sich Manafort gegen Trump wendet - um Schaden von sich abzuwenden. Das vermutet etwa der US-Rechtsexperte und ehemalige Bundesstaatsanwalt Renato Mariotti.

Auch über Papadopoulos vermuten US-Medien, dass er bereits mit Sonderermittler Mueller zusammenarbeitet.

5. Mueller stochert tief

Und so bleibt die Gefahr, dass Trump womöglich über die Russland-Affäre stolpert. Die 31-seitige Anklageschrift gegen Manafort zeigt, wie gründlich Sonderermittler Mueller in der Sache vorgeht.

Der ehemalige FBI-Direktor hat dutzende Dokumente aus dem Weißen Haus und auch Finanzdokumente von Trump selbst angefordert.

Auch enge Trump-Vertraute stehen im Verdacht, ihre Fühler nach Russland ausgestreckt zu haben. Schwiegersohn Jared Kushner und Sohn Donald Jr. gerieten in die Schlagzeilen, nachdem bekannt geworden war, dass sie sich im Wahlkampf mit einer russischen Anwältin getroffen hatten - in der Hoffnung, belastende Informationen über Clinton zu erhalten.

Dieser Montag bedeutet einen großen Fortschritt in der Ermittlung von Mueller. Der Tag macht aber auch deutlich, dass die Untersuchung noch lange nicht zu Ende ist. Die Russland-Affäre dürfte Trumps Präsidentschaft weiter überschatten.

Gefährlich wird es für den Präsidenten, wenn er versucht, den Schatten des Ermittlers loszuwerden. Sollte der Trump Sonderermittler Mueller entlassen, könnte das als Behinderung der Justiz gewertet werden - und womöglich in einem Amtsenthebungsverfahren vor dem US-Kongress enden.

Mehr zum Thema: "Warum ist Clinton nicht im Fokus?": Trump wütet nach Anklage gegen Ex-Wahlkampfchef auf Twitter

Mehr über Donald Trumps Chaos-Präsidentschaft:

Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird
Trump profitiert von der starken US-Wirtschaft - doch diese 6 Fakten sollten dem US-Präsidenten Sorge bereiten
Trump ist eine Zumutung. Aber was nach ihm kommen könnte, wäre noch schlimmer
Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen
Sonderermittler Robert Mueller: 5 Dinge, die ihr über den Mann wissen solltet, der Donald Trump zu Fall bringen könnte


(jg)

Korrektur anregen