Diese arabische Webseite bietet muslimischen Männern einen fragwürdigen Service an - auch viele Europäer nutzen sie

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POLYGAMY
Ein Mann aus Malaysia mit seinen vier Ehefrauen. In einigen muslimisch geprägten Ländern ist es Männern unter bestimmten Umständen erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten (Archivbild). | Bazuki Muhammad / Reuters
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  • Ein muslimischer Geschäftsmann sorgt mit einer Datingseite für Aufregung
  • Seine Online Partnervermittlung "Secondwife" hilft muslimischen Männern, Zweit- oder gar Dritt- und Viertfrauen zu finden und hat bereits über 100.000 Nutzer
  • Kritiker fordern die Abschaffung der Webseite, da sie gegen wesentliche europäische Grundrechte verstößt

Wer mehr als einen Partner heiratet, also in Polygamie lebt, macht sich in allen europäischen Ländern strafbar. In England gibt es dafür sogar bis zu sieben Jahre Haft. Das ist für den Briten Azad Chaiwala kein Hindernis.

Der 33-jährige Geschäftsmann ist Betreiber von secondwife.com, einer Webseite für muslimische Männer auf der Suche nach Zweitfrauen - wer will, kann hier auch eine dritte oder vierte finden.

Laut der britischen Zeitung "Daily Mail" zählt die Webseite, die in Dubai angemeldet ist, bereits 100.000 Mitglieder weltweit. Wer denkt, die Seite sei nur in arabischen Ländern ein Hit, der irrt - allein in Großbritannien gibt es 25.000 angemeldete Nutzer von Secondwife.

Und täglich kommen neue Nutzer dieses digitalen Heiratsmarktes dazu.

Der Grund für die starke Nachfrage ist klar

Der Grund für die starke Nachfrage ist für Chaiwala klar. Es gebe eine große Notwendigkeit nach seinem Service und er komme der Nachfrage nur nach.

"Die Idee zu der Webseite kam aufgrund von meinen eigenen Bedürfnissen, und ich denke, dass auch andere Menschen in meiner Situation sind", sagte er dem britischen Nachrichtensender BBC.

Mit seiner Online-Partnervermittlung will er das Image der Polygamie ändern. Chaiwala, der selbst Polygamist ist, stellt es eins der letzten verbliebenen sozialen Tabus dar, dabei seien monogame Beziehungen als Fundament für die Ehe untauglich. Polygamie führe zu "größeren und besseren Familien", sagt Chaiwala.

Und prophezeit: Auch in Europa werde Polygamie bald legal sein, da man Ehen mit "kühlem Kopf" schließen und das "Chaos der Gefühle" vermeiden solle.

Bei "Secondwife" handelt es sich seiner Meinung nach um nichts Verbotenes. "Altmodische und konservative Werte" würden durch sein Projekt sogar gefördert, da mehrere Ehefrauen im Islam ausdrücklich erlaubt seien und seine Webseite sich ausdrücklich an muslimische Männer richte.

Seine Leitidee sei ein Auszug aus dem Koran: "Dann heiratet, was euch an Frauen gut scheint, zwei, drei oder vier. Wenn ihr aber befürchtet, nicht gerecht zu handeln, dann (nur) eine ..." - Sure 4: an-Nisa.

Die Idee hinter der arabischen Webseite verstößt aber eindeutig gegen die Gesetze in europäischen Ländern.

In Deutschland beispielsweise wird die Mehrfachehe mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) möchte in Deutschland klare Grenzen ziehen. Die Polygamie dürfe hier keinen Platz finden: "Deshalb dürfen in Deutschland keine Mehrfach-Ehen anerkannt werden", kündigte er vor einem guten Jahr in der “Bild”-Zeitung an.

Mehr zum Thema: Mehrfach-Ehen in Deutschland: Minister Maas will schärfere Gesetze

Frauen wie "Schmuckstücke"

Aktuell gibt es aber kaum einen Schutz gegen unregistrierte Ehen. Wer in Deutschland in einer polygamen Beziehung lebt, aber diese nirgendwo meldet, hat eine gute Chance, nie erwischt zu werden. Eine Zweitfrau könnte also auch hier vermittelt werden, nur kann sie nicht offiziell geheiratet werden.

Kritiker laufen Sturm und fordern, dass die Webseite abgestellt wird. Frauen würden wie "Schmuckstücke" behandelt und gesammelt werden.

Eine Twitter Nutzerin kommentierte seine Aussage, Polygamie führe zu einer "größeren und besseren" Familie: "Polygamie zerstört Familien."


Eine andere Twitter Nutzerin schreibt: Das sollte abgeschafft werden. Wir sind in Großbritannien. Eine Frau und ein Mann. Ein Mann und Mann. Eine Frau und eine Frau. Dabei soll es bleiben!

Die britische Feministin Yasmin Rehman, die sich seit Jahren gegen Gewalt an Frauen und Mädchen einsetzt, nannte den Dienst laut "Daily Mail" "zutiefst gefährlich".

Mehr zum Thema: Ich hatte einen Vierer - und es war nicht, was ich erwartet hatte

Um das zu testen, gab sich ein "Daily Mail"-Reporter als 18-jährige Frau aus und meldete sich auf der Plattform an. Es wurde nicht einmal ein Altersnachweis von ihm verlangt. Ihm seien sofort muslimische Männer im Alter von 30 bis 60 Jahren aus der Gegend präsentiert worden.

Chaiwala lässt die Kritik kalt. Seine Webseite verstoße nicht gegen das Gesetz, betont er, stattdessen stehe sie nur sinnbildlich für die Veränderung in der Gesellschaft – bis die Legalisierung von Polygamie dann endlich vollzogen sei.

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(jds)

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