John Boehner war einst der mächtigste Republikaner der USA - und rechnet nun mit seiner eigenen Partei ab

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BOEHNER
"Arschlöcher": John Boehner war einst der mächtigste Republikaner der USA - und rechnet nun mit seiner Partei ab | Getty
Drucken
  • Bis Ende 2015 war John Boehner der mächtigste Republikaner in den Vereinigten Staaten
  • Der Erzkonservative war als Sprecher des Kongresses der fähigste Gegenspieler von Barack Obama
  • Jetzt hat sich Boehner nach langem Schweigen zurückgemeldet - und seine eigene Partei heftig kritisiert

Jahrelang hat John Boehner seinen politischen Widersacher Barack Obama in den Wahnsinn getrieben. 2011 wurde der erzkonservative Politiker zum Sprecher des mehrheitlich republikanischen Kongresses in den USA - und blockierte von da an jedes politische Vorhaben des ehemaligen Präsidenten.

Boehner war der mächtigste Republikaner des Landes. Dann kam Donald Trump. Im Juni 2015 erklärte dieser, US-Präsident werden zu wollen. Er kaperte die Republikaner, machte aus der ehemals konservativ-traditionellen eine endgültig radikale, rechte Partei. Trump sitzt nun im Weißen Haus, Boehner ist im Ruhestand.

Im Oktober 2015 zog er sich aus der Politik zurück. Seitdem hat Boehner zu den chaotischen Ereignissen in den USA meist geschwiegen. Doch in einem bemerkenswerten Interview mit dem "Politico Magazine" hat sich Boehner nun zu Wort gemeldet - und seine eigene Partei mit heftigen Worten attackiert.

Boehner: "Sie sind beide Arschlöcher"

Vor allem auf einen Politiker hatte es Boehner abgesehen: Jason Chaffetz. Chaffetz hatte vor wenigen Wochen überraschend seinen Rücktritt aus dem Kongress verkündet. Eigentlich war der Politiker als einer der Hoffnungsträger der Republikaner betrachtet worden - er war eines der bekannten Gesichter seiner Partei in den Medien. Nun arbeitet er für den Sender Fox News.

"Bei Chaffetz geht es immer nur um Chaffetz", sagt Boehner nun "Politico". Chaffetz habe politisches Talent, es aber nur genutzt, um seine eigene Karriere voranzutreiben. Der 50-Jährige sei ein "totaler Blender", sagt Boehner. Genauso wie Chaffetz Kongresskollege Jim Jordan, ein Republikaner, den Boehner als "Parlamentsterroristen" bezeichnet.

"Fuck Jordan, fuck Chaffetz", flucht Boehner im Interview, "sie sind beide Arschlöcher."

Boehner über die republikanischen "Anarchisten" im Kongress

Nicht die einzigen im Kongress, wenn man Boehners Ausführungen glaubt. Der ehemalige Chef des Unterhauses lässt sich gegenüber "Politico" auch gewaltig über den sogenannten Freedom Caucus aus. In diesem haben sich die radikalsten der republikanischen Kongressabgeordneten organisiert, um eine politische Revolution von rechts voranzutreiben.

"Sie können dir nicht erklären, wofür sie eigentlich stehen", ätzt Boehner bei "Politico" gegen den Freedom Caucus. "Sie können dir nur sagen, wogegen sie sind. Sie sind Anarchisten, sie wollen totales Chaos." Der Caucus wolle das ganze politische System zerstören.

Boehner kommt in dieser Hinsicht auch auf Donald Trump zu sprechen. Schon im Mai hatte er dessen Präsidentschaft als "Desaster" bezeichnet. Jetzt rolle er laut "Politico" mit den Augen, wenn er auf das Weiße Haus angesprochen wird.

Boehner spricht von einer "Disfunktion" der Regierung. Er sagt selbstironisch: "So wie es gerade läuft, da sehe ja selbst ich wie ein Genie aus."

Mehr zum Thema: Mehrere republikanische Senatoren proben den Aufstand gegen Trump - der reagiert wütend

Boehner befürchtet das Ende seiner Partei

Trump hingegen sei weder ein Demokrat, noch ein Republikaner. "Er ist ein Populist, er hat keinerlei Ideologie, der er folgt." Für die Republikaner hat das laut Boehner schwere Folgen. Angesprochen darauf, wie seine Partei die Zeit unter Trump überstehen will, sagt er zögerlich: "Es gibt keine Republikanische Partei." Und es gäbe auch niemanden, der die Republikaner anführe.

Ein Mann, der dies tun könnte, wäre der umstrittene Vize-Präsident Mike Pence. Als "loyalen Soldaten" bezeichnet Boehner diesen, als jemanden, der durch alle Verrücktheiten zu Trump gestanden habe. Aber: "Er und sein Team, sie halten die Augen offen." Soll heißen: Stürzt Trump, setzt Boehner seine Hoffnungen für die Republikaner in Pence.

Mehr zum Thema: Trump ist eine Zumutung. Aber was nach ihm kommen könnte, wäre noch schlimmer

Und nicht in sich selbst. Mit dem politischen Leben will Boehner - trotz aller Wut über den Zustand seiner Partei - abgeschlossen haben. Rauchen, Rasenmähen, Golfen - so lässt er seinen Ruhestand von "Politico" darstellen. Das Magazin fragt ihn, wie die Historiker wohl auf ihn und sein politisches Lebenswerk zurückblicken werden.

Boehner sagt: "Sie werden über das Ende des Zwei-Parteien-Systems sprechen." Das klingt wie ein Eingeständnis: Die "Arschlöcher" unter den Republikanern haben gesiegt.

Mehr über Donald Trumps Chaos-Präsidentschaft:
Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird
Trump profitiert von der starken US-Wirtschaft - doch diese 6 Fakten sollten dem US-Präsidenten Sorge bereiten
Trump ist eine Zumutung. Aber was nach ihm kommen könnte, wäre noch schlimmer
Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen
Sonderermittler Robert Mueller: 5 Dinge, die ihr über den Mann wissen solltet, der Donald Trump zu Fall bringen könnte

(amr)

Korrektur anregen