"Das ist wirklich übel": 4 Ex-Regierungsmitarbeiter erklären, warum sie die Trump-Regierung verlassen haben

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TRUMP QUITTER
"Das ist wirklich übel": Vier Abtrünnige erklären, warum sie die Trump-Regierung verlassen haben | Stephen Voss
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  • Die HuffPost hat mit vier Aussteigern der US-Regierung gesprochen
  • Sie alle haben aus unterschiedlichen Gründen die Regierung verlassen
  • Doch eines haben ihre Geschichten gemeinsam: Sie zeigen, wie sehr Trump und seine Helfer das politische System verwüsten

Ich habe schon viele Trump-Hasser getroffen. Typen, die sich auf jede Verschwörungstheorie stürzen und US-Präsident Donald Trump nicht die geringste Chance geben.

Die vier Menschen, mit denen ich vor Kurzem einen Vormittag in Solly’s Tavern in Washington D. C. verbracht habe (ganz alkoholfrei, keine Sorge), hassen Trump nicht.

Aber sie haben sich von ihm abgewandt.

Sie alle haben irgendwann in den vergangenen neun Monaten beschlossen, ihre Stellen bei der Regierung zu kündigen, da sie der Meinung waren, ihrem Land außerhalb der Regierung besser dienen zu können.

Mit der Entscheidung waren sie nicht glücklich.

Sie waren Angestellte im öffentlichen Dienst und wollten auch weiterhin in diesem Sektor tätig sein. Bis auf eine Ausnahme hatten sie alle bereits für Präsidenten beider Parteien gearbeitet.

Sie waren mit ihren Vorgesetzten nicht immer einer Meinung, sie hatten Angst vor neuen Vorschriften und begegneten neuen politischen Gesichtern mit Vorsicht.

Und trotzdem sind sie immer geblieben, denn so ist das nun einmal, wenn man für die Regierung arbeitet.

Aber jetzt war es anders.

Wie bei einem Treffen alter Freunde

Als sich die vier vor zwei Wochen das erste Mal trafen, um die Situation zu diskutieren, stellten sie sofort fest, dass sie in vielen Punkten gleicher Meinung waren. Die Stimmung glich fast einem Wiedersehen alter Freunde nach vielen Jahren – mit dem kleinen Unterschied, dass sie sich erst fünf Minuten zuvor kennengelernt hatten.

Sie kamen aus verschiedenen Bereichen des Bürokratieapparates, sie waren unterschiedlich alt und auch ihre Lebensläufe hätten unterschiedlicher nicht sein können. Aber sie alle hatten sich seit Trumps Wahlsieg ähnliche Gedanken gemacht.

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US-Präsident Donald Trump bei einem Auftritt in Arizona 2015, Quelle: Getty.

Würden sich die Arbeitskollegen hintergangen fühlen, wenn sie jetzt einfach so kündigten? Würden ihre freigewordenen Stellen mit jemandem besetzt werden, der eine gänzlich andere Meinung vertrat, eine Meinung, die sich von ihrer eigenen grundlegend unterschied?

Die meiste Zeit hatten sie im Hintergrund gearbeitet. Wie würde es sein, jetzt so in die Öffentlichkeit zu treten?

"Ich spürte eine große Angst"

Als das Interview, das zum besseren Verständnis redigiert und überarbeitet wurde, erst einmal lief, waren alle vier locker, zu Späßen aufgelegt und offen. Sie arbeiten vielleicht nicht mehr für die Regierung, aber sie sehen sich immer noch im Dienst der Öffentlichkeit.

Sharon McGowan bekleidete früher eine leitende Position im Bereich Bürgerrechte im Justizministerium. Sie arbeitete an der Umsetzung fortschrittlicher Politik, wie der Ehe für alle. Jetzt ist sie strategische Direktorin bei Lambda Legal.

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Quelle: Stephen Voss

HuffPost: Sharon, du bist als erste geflohen. Fangen wir bei der Wahlnacht an: Was waren deine Gedanken? Wie hat es sich angefühlt?

Sharon McGowan: Ich verspürte eine große Angst, die ich auch körperlich fühlen konnte. Am Tag nach der Wahl beschlossen meine Frau und ich, zuhause zu bleiben, um uns als Familie neu aufzustellen. Als ein gleichgeschlechtliches Paar in diesem Land wussten wir sehr genau, was kommen würde.

Und in den ersten paar Tagen versuchte ich mit aller Macht, mich zu beruhigen: Vielleicht hatte Trump vieles gar nicht so gemeint. Vielleicht war das alles nur dem Wahlkampf geschuldet. Und das hat irgendwie auch funktioniert! Zumindest so lange, bis Jeff Sessions als Justizminister vorgeschlagen wurde. Da wusste ich, dass meine Tage bei der Regierung gezählt waren.

Du hattest keinen Zweifel daran, dass du gehen würdest?

McGowan: Doch, ich hatte auch Momente des Zweifels. Am Tag, als ich meine Kündigung eingereicht hatte, sagte die amtierende Justizministerin Sally Yates, dass sie den Einreisebann für Muslime nicht unterstützen würde.

Da kamen mir Zweifel, vielleicht hatte ich doch das Falsche getan. Vielleicht sollte ich doch bleiben. Doch wenig später wurde Sally Yates entlassen. Das sah ich als Zeichen des Universums, dass ich doch nicht vorschnell gehandelt hatte.

Walter Shaub war Direktor im Office of Government Ethics (OGE), dem Ethikbüro der US-Regierung. Ein Mann, "so bescheiden und nüchtern, dass es in seinem Büro keine einzige Dekoration gibt“, hieß es im Magazin "The Atlantic" über ihn. Jetzt ist Walter Shaub Direktor im Campaign Legal Center.

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Quelle: Stephen Voss

Walt, du bist bis zum Juli geblieben. Erzähle mir mal von dem Moment, als du erkannt hast, dass sich deine Welt fundamental verändert hatte.

Walter Shaub: Meine Geschichte ist etwas anders, denn ich wachte am Tag nach der Wahl auf und war bezüglich meiner Arbeit im Übergangsteam recht optimistisch. Seit fünf Monaten arbeiteten wir schon zusammen und es waren alles kluge und gewissenhafte Menschen.

Ich schickte also eine fröhliche Glückwunsch-E-Mail an die eine Seite und drückte der anderen Seite per E-Mail mein Bedauern aus. Von beiden erhielt ich eine Antwort, in der man mir für die Zusammenarbeit dankte.

Die Leute aus dem Trump-Team schrieben, dass sie sich darauf freuten, die gute Zusammenarbeit fortzusetzen und dass sie sich am Nachmittag melden würden, um einen Termin für das nächste Treffen festzulegen. Die Übergangszeit dauert ungefähr 73 Tage. So viel Zeit bleibt, um eine komplette Regierung aufzustellen.

Man muss genau wissen, was man tut, und man muss jede Sekunde nutzen. Es ist eine Mammutaufgabe. Aber bis zum Nachmittag waren all die Personen, mit denen wir bisher zusammengearbeitet hatten, verschwunden, und es herrschte Schweigen.

Später lasen wir in den Nachrichten, dass Don McGahn als Berater für die Übergangszeit im Gespräch war. (Don McGahn ist eine feste Größe in Washington D.C. und jetzt ein Berater im Weißen Haus, Anm. d. Red.) Aber es gelang uns eine ganze Zeit lang nicht, ein Treffen mit ihm zu auszumachen. Als es dann endlich zu dem Treffen kam, wurde schnell klar, wie ahnungslos er war.

Er fragte mich, ob ich derjenige sei, der für die Sicherheitsfreigabe verantwortlich sei oder ob ich die Hintergrundüberprüfung der möglichen neuen Regierungsmitglieder, die vom FBI durchgeführt wird, überwachen würde. Und ich erklärte McGahn, dass das nicht meine, sondern seine Aufgabe sei. Darauf folgte nur ein erstauntes "Tatsächlich?“.

Aber der Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt war dann, als Don McGahn eines Tages unauffindbar war. Aus der Zeitung erfuhren wir schließlich, dass er mit seiner Eightys-Coverband an diesem Tag einen Auftritt in Philadelphia hatte.

"Immer, wenn jemand von der Regierung als 'The Man' spricht, dann antwortete ich scherzhaft, dass der Mann anscheinend eine 1,60 Meter große Lesbe aus Queens ist.“ – Sharon McGowan

Mike Cox, ehemaliger Leitender Berater in der Environmental Protection Agency (EPA), der US-Umweltschutzbehörde. Sein Kündigungsschreiben ist eine echte Bombe.

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Quelle: Stephen Voss

Mike, Angestellte in der Umweltschutzbehörde haben mit politischen Personalentscheidungen oft zu kämpfen. Warum glaubst du, ist die Situation jetzt noch viel schwieriger?

Mike Cox: Ich habe unter sechs verschiedenen Präsidenten gearbeitet, von Ronald Reagan bis zu diesem hier, und es gab oft Meinungsverschiedenheiten. Aber niemals hatte ich das Gefühl, dass jemand neu in die Behörde kam, um diese auseinanderzunehmen.

Aber genau das Gefühl hat uns Scott Pruitt, der jetzige Direktor der Umweltschutzbehörde, vom ersten Tag an vermittelt. (Vierzehnmal hatte Scott Pruitt die Behörde vor seinem Amtsantritt bereits verklagt, Anm. d. Red) Er setzte eine Betriebsversammlung an und es war klar, dass er auf uns herabsah. Wir waren die EPA, die Umweltschutzbehörde. Wir waren die Bösen. Wir waren das Problem. Mein Gott, ich spreche von der EPA immer noch als "uns“.

Die Gewohnheit legt man nur schwer ab.

Cox: Ja, das sind immer noch "wir“. Der neue Direktor erklärte also, wir müssten mit den Bundesstaaten zusammenarbeiten. Ich habe dreißig Jahre in der Behörde gearbeitet und wir haben jeden Tag mit den Bundesstaaten zusammengearbeitet. Pruitt sagte, wir müssten uns an die Gesetze halten – als ob wir das nicht getan hätten.

Es war das fundamentale Gefühl, dass er unsere Arbeit nicht verstand. Oder falls er sie doch verstand, dass er es auf uns abgesehen hatte.

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Der Direktor der US-Umweltschutzbehörde, Scott Pruitt. Quelle: Getty

Das Zweite waren die Budgetkürzungen. Er verfolgte den Plan, die Stellen in der EPA um 30 Prozent zu kürzen. Außerdem sollten die Klimaschutzprogramme gestrichen werden.

Die Leute fragten sich, wie der Direktor der Umweltschutzbehörde nur erklären könne, der Klimaschutz sei kein Teil unserer Mission? Wir hatten das Gefühl, dass der Kern unserer Arbeit - ich möchte nicht "zerstört“ sagen - aber untergraben werden sollte.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass Pruitt Senator James Inhofes früheren Büroleiter eingestellt hat, um die Umweltschutzbehörde zu leiten. (Senator James Inhofe ist derjenige, der die globale Erwärmung "widerlegt“ hat, indem er einen Schneeball mit in den Senat brachte. "Es ist sehr sehr kalt draußen. Ganz untypisch für diese Jahreszeit“, so Inhofe, Anm. d. Red).

Das hat mir gereicht. Mann, das ist wirklich übel.

Gab es einen bestimmten "Jetzt reicht es, ich kündige!“-Moment?

Cox: Ich will ganz ehrlich sein. Im Februar sollte ich in Rente gehen. Ich war fest davon überzeugt, dass Hillary Clinton gewinnen würde, ich dann in Rente gehen und jemand anderes meine Arbeit zum Klimawandel weiterführen würde. Alles wäre großartig.

Dann gewann Trump, und als ich mich auf meinen Ruhestand vorbereitete, kamen immer mehr Menschen auf mich zu und sagten "Mike, du kannst jetzt nicht in Rente gehen. Dein Job fällt dann weg und du bist ein Verfechter des Klimaschutzes, wir brauchen dich.“

Letztendlich entschied ich mich doch für den Ruhestand. Und das bereue ich ehrlich gesagt. Ich wünschte, ich wäre geblieben. Auch wenn ich glaube, dass ich nicht viel hätte bewirken können, so wäre ich doch eine Stimme gewesen. Und wenn man mich entlassen hätte, dann wäre das in Ordnung gewesen.

Ned Price ist ein ehemaliger CIA-Agent und Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates. Er unterrichtet jetzt an der George Washington University und verfasst Beiträge für den Sender MSNBC.

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Quelle: Stephen Voss

Ned, wie auch Walt arbeitest du für eine Institution, die eigentlich über der Politik steht. Aber Spannungen mit einer neuen Regierung sind nichts Ungewöhnliches bei der CIA. Warum war das jetzt etwas Anderes?

Ned Price: Während der Übergangszeit von Bush zu Obama habe ich am Counterterrorism Center, dem Anti-Terror-Zentrum, gearbeitet. Ich habe mich immer für einen sehr fortschrittlichen Menschen gehalten, besonders, was soziale Belange betraf.

Aber die Wahlkampf-Rhetorik des damaligen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama löste bei mir manches Mal Unbehagen aus. Ich hatte die Befürchtung, dass die Taktiken und die Strategien, die uns so große Erfolge im Kampf gegen Gruppen wie Al-Kaida eingebracht hatten, geändert werden könnten, und dass der CIA und andere Sicherheitsorganisationen in diesem Kampf so die Hände gebunden wären.

Aber wir stellten fest, dass Präsident Obama jemand war, der tat, was getan werden musste. Und dabei blieb er immer noch seinen Kernüberzeugungen treu. Überzeugungen, denen, so denke ich, auch viele von uns zustimmten: Ein Ende der Bestrafungstaktik und der klare Standpunkt, dass die CIA nichts tun würde, was auch nur im Entferntesten als Folter beschrieben werden könnte.

Spulen wir also mal vor bis zum Januar. Was war das für eine Erfahrung?

Price: Für mich begann es schon während des Wahlkampfes, als ich hörte, dass der Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Geheimdienste wiederholt sehr scharf attackierte und angriff. Es war nicht nur die Tatsache, dass er Wikileaks zitierte. Es war auch nicht nur die Tatsache, dass er die Geheimdienste mit den Nazis verglich. Das alles kann man noch als rhetorische Ausschmückungen abtun.

Aber er schob hoch-vertrauliche Analysen der Geheimdienste zu Themen wie dem russischen Eingreifen in die Wahl einfach beiseite und bezeichnete sie als Fake News, als einen Witz.

Dass er der großen Verantwortung, die das Amt des Obersten Befehlshabers mit sich bringt, nicht den geringsten Respekt zollte, wurde besonders deutlich, als er am ersten Tag seiner Amtszeit das Hauptquartier der CIA in Langley besuchte.

Er stand vor der Memory Wall - der Wand, die an die CIA-Officer erinnert, die im Dienst ihr Leben gelassen hatten - und sprach über die Zuschauermenge bei seiner Amtseinführung. Er machte Witze darüber, in den Irak zurückzukehren und den Irakern das Öl zu stehlen. Einer meiner Mentoren hat auch einen Platz an dieser Wand, ebenso wie viele ehemalige Kollegen.

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Donald Trump im Januar im CIA-Hauptquartier. Quelle: Reuters

Ab wann hast du darüber nachgedacht, zu kündigen?

Price: Das Fass zum Überlaufen brachte für mich das Memorandum, das Steve Bannon als Chef des Nationalen Sicherheitsrates vorsah. Damit wurden der Direktor der CIA wie auch der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, der Stabschefs, einem militärischen Beratungsgremium des US-Präsidenten, aus dem Principals Committee, der innere Kreis der Sicherheitsrats, entfernt.

Für mich stand fest, dass ich es hier mit einer Regierung zu tun haben würde, die auf politische Berater und Ideologen setzte. Als Analytiker des Geheimdienstes würde ich von nun an entweder den ganzen Tag nur Däumchen drehen oder Berichte verfassen, die allerhöchstens bessere Staubfänger waren.

"Ich befürchtete, dass ich nur noch Schönfärberei betreiben würde, um Korruption zu verbergen.“ – Walter Shaub

Was ist all diesen Geschichten gemein?

McGowan: Ich denke, man bemühte sich, für jede Regierungsbehörde den Kandidaten für die Leitungsebene auszuwählen, der für die Behörde am unangenehmsten sein würde. Es war das dekonstruktive Mantra, den jeweiligen Behörden zu signalisieren, wie wenig man die Arbeit und die Mitarbeiter wertschätzt.

Cox: Ich vergleiche das hier nicht mit dem Auftritt bei der Memorial Wall, aber der Präsident kam im März für einen Besuch in die Umweltschutzbehörde. Am Tag seines Besuches ging an alle Mitarbeiter eine Mitteilung raus: Der Tag wurde "Unser großer Tag“ genannt werden.

Weiter stand darin, dass der Präsident alle Klimaschutzmaßnahmen, die unter Barack Obama erarbeitet worden waren, rückgängig machen würde. Und dass sollte "Unser großer Tag“ sein?

McGowan: Richtig, aber wer ist hier "unser“?

Cox: Ein weiterer roter Faden, der sich offenbar durch all unsere Erfahrungen zieht, ist, dass es sich hier um Menschen handelt, die nicht interessiert sind an anderen Meinungen.

Oft wurde nach Hintergrundinformationen zu einem bestimmten Thema gefragt, es sollte Folgetreffen geben. Diese Treffen fanden aber nie statt.

Als es an der Zeit war, eine Entscheidung zu treffen, haben Pruitt und seine engsten Mitarbeiter einfach getan, was sie ohnehin tun wollten und das war’s. Und die Umweltschutzbehörde ist eine wissenschaftliche Organisation! Wir müssen Fakten zu schätzen wissen! Selbst während der Bush-Präsidentschaft war es anders.

Price: Die Gemeinsamkeit, die mir sofort auffällt, ist, das keiner von uns in diese Situation geraten wollte. Wenn ich mal von mir selbst spreche, dann kann ich sagen, dass ich meine Arbeit geliebt habe. Ich war sehr zufrieden mit der Aussicht, für den Rest meines Lebens ein Bürokrat zu sein. Und ich hoffe, dass ich in den öffentlichen Dienst zurückkehren kann, wenn sich die Großwetterlage gebessert hat.

Shaub: Ich glaube, meine Erfahrung unterscheidet sich da etwas. Oder zumindest mein Fokus. Ich bin nicht so auf die politische Perspektive fokussiert. Meine Sorge gilt dem, was ich den "Container" nenne. Ich sehe die repräsentativen Strukturen der Regierung als den Container, die Politik ist das, was man in dem Container lagert.

Mich beunruhigt der Angriff auf diesen Container. Wenn man einen Präsidenten hat, der immer seine finanziellen Interessen im Auge behält, dann weiß man nie, worauf sich seine Entscheidungen gründen, selbst wenn man ihn unterstützt.

Und das wird besonders deutlich, wenn man sieht, wie er den türkischen Präsidenten Erdogan dafür lobt, dass er seine Macht immer weiter ausbaut oder den mörderischen Präsidenten der Philippinen, Rodrigo Duterte, nach Washington einlädt. Trump hat immer noch Immobilieninteressen in der Türkei und auf den Philippinen.

Aber eine Gemeinsamkeit, die mir auffällt, ist der Unwille, auf Experten zu hören. Wir haben an Lösungen gearbeitet. Lasst uns also nochmal auf die finanziellen Interessen des Präsidenten zurückkommen. Ich habe wiederholt gesagt, dass er seine Immobilien verkaufen müsse. Aber selbst wenn er sich geweigert hätte, hätten wir eine Lösung finden können, den größten Schaden zu begrenzen.

Es hätte zum Beispiel kein Regierungsmitarbeiter an einer Veranstaltung teilnehmen dürfen, die in einer Immobilie stattfindet, die zur Trump-Marke oder Trump persönlich gehört. Das hätte vielleicht auch Kuwait, Bahrain oder andere Länder davon abgehalten, dort Veranstaltungen abzuhalten.

Es hätte vielleicht auch Politiker und Wohltätigkeitsorganisationen davon abgehalten, dort zu Benefizveranstaltungen einzuladen, denn sie hätten gewusst, dass kein einziger Mitarbeiter aus dem Weißen Haus gekommen wäre.

Wir hätten außerdem empfehlen können, dass der Präsident sich am bisherigen Umgang mit Vetternwirtschaft orientiert, statt dass das Justizministerium seine über Jahrzehnte gefestigte Haltung zur Vetternwirtschaft über den Haufen wirft.

Wenn also das Weiße Haus mir den Schwarzen Peter zuschiebt und behauptet, ich hätte versucht, sie zu untergraben, dann sage ich: Wenn sie sich an meine Empfehlungen gehalten hätten, dann wären sie in einer stärkeren Position gewesen.

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Quelle: Stephen Voss

Walt, ich habe gehört, dass du eine mentale Check-Liste hattest, die dir bei deiner Entscheidung helfen sollte?

Shaub: Ja, es handelte sich dabei um eine Checkliste aus drei Teilen, die ich auch anderen empfehle. Zuerst die Frage: Kann ich die Mission effektiv erfüllen? Dann die Frage: Kann ich meine Arbeit ethisch und moralisch verrichten? Und die dritte Frage: Kann ich die Wahrheit sagen?

Ich habe mich sicherlich nie gescheut, die Wahrheit zu sagen. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich meine Mission moralisch und ethisch gut erfüllt habe. Aber ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich das Gefühl hatte, die Mission nicht effektiv erfüllen zu können. Diese Frage habe ich mir über Monate hinweg gestellt. Und ich bin geblieben, denn ich hatte das Gefühl, dass noch nicht alles verloren war.

Zum Beispiel hört man trotz dieser ganzen Privat-Jet-Sache (Shaun bezieht sich auf die offensichtliche Allergie einiger Kabinettsmitglieder gegen kommerzielle Flüge, Anm. d. Red) gar nichts über den finanziellen Interessenkonflikt einiger Kabinettsmitglieder. Das liegt daran, dass das OGE, das Büro für Regierungsethik, auch ohne die Unterstützung des Weißen Hauses Erfolg hatte.

Ich habe persönlich mit einem Kandidaten gesprochen, der unheimlich wohlhabend und erfolgreich ist, und ich sagte ihm: "Sie sind zu Ihrem Ruhm und Wohlstand gekommen, weil Sie ein begabter Verhandlungsführer sind. Aber das Schlimmste, was Ihnen jetzt passieren könnte, ist, dass Sie all Ihre Fähigkeiten nutzen und mich erfolgreich dazu bewegen, mich zurückzuziehen.“

Letztendlich stimmte die Person zu, den Großteil ihres Besitzes zu veräußern. Das war keine einfache Entscheidung für diese Person und ich rechne es ihr sehr hoch an.

Andere Kabinettsmitglieder waren uns gegenüber feindseliger eingestellt. Aber letztendlich waren wir im Umgang mit ihnen voll in unserem Element. Außerdem hatten wir in den von den Kabinettsmitgliedern selbst bezahlten Anwälten Verbündete, die ihnen rieten, dass das ein sehr sinnvolles Vorgehen sei.

Einen ähnlichen Erfolg hatten wir, als wir darum kämpften, die Ethik-Ausnahmegenehmigungen, die das Weiße Haus ausstellte, in unseren Besitz zu bekommen. (Diese Ausnahmegenehmigungen erlauben es Regierungsmitarbeitern, bestimmte Ethikvorschriften zu umgehen. Die Trump-Regierung hat einige dieser Papiere heimlich ausgehändigt, Anm. d. Red)

Das Weiße Haus hat sich gegen uns einen Monat lang in aller Öffentlichkeit gewehrt, aber letztendlich war der Druck der Öffentlichkeit zu groß und die Ausnahmegenehmigungen wurden uns ausgehändigt.

Die größte Überraschung folgte aber, als ich die Papiere zu Gesicht bekam. Viele waren nicht unterschrieben, nicht datiert und entweder explizit oder implizit rückwirkend. Wenn man eine rückwirkende Ausnahmegenehmigung benötigt, dann heißt das, dass man ein Gesetzt gebrochen hat.

Zusätzlich waren zwei der Papiere für eine Gruppe von Angestellten bestimmt, zu denen auch die Person gehörte, die die Dokumente ausstellte. Diese Person hat sich also selbst eine Ausnahmegenehmigung ausgestellt.

Da begriff ich, dass diesen Menschen einfach alles zuzutrauen war. Und sie hatten sich darauf vorbereitet, dass ich mit den Verstößen an die Öffentlichkeit gehen würde, indem sie das Ethikbüro einfach ausschalteten.

Das brachte mich in die Position, dass ich einige veröffentlichungspflichtige Angaben zum Einkommen von Mitarbeitern des Weißen Hauses würde zertifizieren müssen, ohne zu wissen, womit diese Personen tatsächlich ihren Lebensunterhalt verdienen. Ich befürchtete, einen Deckmantel über Korruption breiten zu müssen.

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Trump mit dem Finanzkomitee im Weißen Haus. Quelle: Reuters

Wie ist die Beziehung zu euren früheren Kollegen jetzt?

McGowan: Seit ich gekündigt habe, habe ich viele E-Mails bekommen. Nicht nur von meinen Kollegen aus der Abteilung für Bürgerrechte, sondern auch von anderen Mitarbeitern. Sie alle sagten mir, dass sie so froh sind, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Viele wollen ebenfalls kündigen, aber das ist eine so schwierige und persönliche Entscheidung. Manche sind die Alleinverdiener in ihren Familien. Andere machen sich Sorgen, wer ihren Platz einnehmen könnte, wenn sie tatsächlich gehen.

Manche beschreiben die aktuelle Situation tatsächlich wie ein Ertrinken: Wie lange kann ich meinen Kopf noch über Wasser halten? Ich möchte die Scherben gerne wieder zusammensetzen, wenn all das hier einmal vorbei ist.

Wenn ich mit meinen ehemaligen Kollegen über meine Entscheidung spreche, dann tue ich das schweren Herzens und mit sehr viel Feingefühl, denn ich möchte nicht leichtfertig und überheblich wirken. Ich wusste einfach, dass ich mit meiner Arbeit und meiner Leidenschaft in einer Stelle, die sich stärker durch Widerstand auszeichnet, mehr erreichen könnte.

Ich erkannte auch, dass ich ein großes Privileg hatte. Ich weiß, dass viele, die noch in diesem Apparat arbeiten, damit zu kämpfen haben, sich ihre Integrität und ihren Stolz zu bewahren. Ich finde es wichtig, sie zu ermutigen und sie wissen zu lassen, dass sie das Gute und Richtige in der Welt nicht verraten.

"Ich wünschte, ich wäre geblieben. Denn auch, wenn ich vielleicht nicht viel hätte ausrichten können, so wäre ich doch eine Stimme gewesen.“ – Mike Cox

Price: Ich war in einer ähnlichen Situation. Als ich bereit war zu kündigen, machte ich mir keine Gedanken um die Trolle auf Twitter oder darüber, wie die Personen in der gegenwärtigen Regierung reagieren würden. Die meisten Sorgen mache ich mir darum, dass meine früheren Kollegen denken könnten, ich hielte mich für heiliger als der Papst.

Es ist daher unheimlich schön, dass sie mich immer noch als ein Teammitglied betrachten. Für sie bin ich jemand, der immer noch ihre Interessen verfolgt.

Shaub: Für mich gleicht das eher einem kalten Entzug. 15 Jahre habe ich mit diesen Menschen zusammengearbeitet. Und auch wenn ich theoretisch natürlich weiterhin zu ihnen Kontakt haben darf, so habe ich doch Angst davor, dass ein Foto in der Zeitung erscheinen könnte, das uns bei einem gemeinsamen Lunch zeigt und man mich beschuldigen könnte, geheime Informationen weiterzugeben.

Deshalb bleibe ich auf Abstand. Ich vermisse sie einfach nur sehr, das ist der menschliche Faktor hier.

Cox: Ich habe eine Frage: Kommen Mitarbeiter deiner Organisation mit der Bitte auf dich zu, eine bestimmte Sache näher zu erläutern?

Price: Meine ehemaligen Kollegen sind in einer schwierigen Situation, denn sie werden in geheime Angelegenheiten eingeweiht und ich nicht. Und natürlich haben sie keine geheimen Informationen an mich weitergegeben, aber sie sprechen über allgemeinere Dinge wie die Arbeitsmoral in der Geheimdienstgemeinde, was sich in Personaldingen im Nationalen Sicherheitsrat tut, oder wo es auch im Weißen Haus zu Unklarheiten kommt.

Was ich feststelle, ist eine tiefsitzende Paranoia. Niemand schreibt mir einfach so mal oder ruft kurz an. Sie beginnen eine Unterhaltung damit, zu fragen, ob ich bei Signal oder bei WhatsApp bin. Such dir einen verschlüsselten Messenger aus, sagen sie. Am nächsten Tag bekomme ich dann eine Nachricht bei Signal mit dem Wortlaut "Hey wie geht’s, ich wollte nur mal kurz Hallo sagen.“

Shaub: Sie sprechen nur über persönliche Dinge?

Price: Genau. Es werden keine geheimen oder sensiblen Informationen ausgeplaudert.

McGowan: Da ist immer das Gefühl, dass es schon beängstigend ist, nur mit jemandem gesehen zu werden, der gekündigt hat.

"Ich war sehr zufrieden mit der Aussicht, für den Rest meines Lebens ein Bürokrat zu sein. Und ich hoffe, dass ich in den öffentlichen Dienst zurückkehren kann, wenn sich die Großwetterlage gebessert hat.“ – Ned Price

Gab es wenigstens ein wenig guten Galgenhumor, bevor du gegangen bist?

McGowan: In der Woche nach der Wahl habe ich einem Freund von mir geschrieben. Mit ihm bin ich auch schon einmal aneinander geraten. Ich habe ihn gefragt, ob er schon an seinem Korematsu arbeitet. (Ein umstrittener Fall des Obersten Gerichtshofs. Der US-Regierung wurde es gestattet, während des Zweiten Weltkriegs japanisch-stämmige Amerikaner in Lagern zu internieren, Anm. d. Red.)

"Das ist nicht witzig“ war seine Antwort. Und ich sagte: "Ich weiß, dass das nicht witzig ist.“

Ich frage mich, ob das abschreckend auf junge Menschen wirken könnte, die eine Karriere im öffentlichen Dienst anstreben.

McGowan: Ich werde nicht müde zu betonen, was für ein toller Job die Regierungsarbeit ist und wie viele Möglichkeiten sie einem bietet. Zumindest war das bei mir der Fall. Immer, wenn jemand von der Regierung als 'The Man' spricht, dann antwortete ich scherzhaft, dass der Mann anscheinend eine 1,60 Meter große Lesbe aus Queens ist. Wenn ich also 'The Man' sein kann, dann kann das jeder.

Aber jetzt ist es sehr viel schwieriger geworden, Menschen davon zu überzeugen, dass die Arbeit für die Regierung eine wirkliche Erfüllung sein kann.

Ich weiß, dass die Macht der Bundesregierung dazu genutzt wird, so viel Schlimmes anzurichten, zum Beispiel Familien auseinanderzureißen oder zu diskriminieren. Da finde ich es sehr unsensibel, jetzt bei jemandem für die Regierungsarbeit zu werben, der selber zu der Gruppe Menschen gehört, die unter den Entscheidungen der Regierung leidet. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem das alles wieder vorbei ist.

Shaub: Mir bereitet diese Abschreckung große Sorgen. Ich möchte hier die Gelegenheit ergreifen, junge Menschen zu ermutigen, eine Karriere im öffentlichen Dienst anzustreben. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten. Es gibt regionale Regierungen, die Regierungen der Bundesstaaten, Non-Profit-Organisationen und natürlich die Bundesregierung.

Die Arbeit für die Regierung kann ich immer noch sehr empfehlen. Junge Menschen beginnen hier auf einer niedrigen Stufe, aus einigen Turbulenzen werden sie so herausgehalten. Aber trotzdem übernehmen sie schon früh eine sehr große Verantwortung. Und sie können wirklich etwas erreichen, indem sie sich dem Dienst für ein ganzes Land verschreiben.

Der öffentliche Dienst ist wirklich eine Belohnung an sich. Also, ich zahle immer noch meinen Studentenkredit ab, da will ich doch schwer hoffen, dass sich der öffentliche Dienst bezahlt macht.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(ll)

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