"Herwart": Wann die Versicherung Sturmschäden an Auto und Haus zahlt

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Bäume stürzen um, Äste fallen zu Boden, Gerüste krachen zusammen, Dächer werden abgedeckt und Autos beschädigt. | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Orkanböen lassen Bäume umstürzen, beschädigen Autos und Zugstrecken
  • Versicherungen übernehmen Sturmschäden oft
  • Dabei gilt es aber, die Details zu beachten

Sturm "Herwart" fegt mit Orkanböen über Deutschland hinweg.

Bäume stürzen um, Äste fallen zu Boden, Gerüste krachen zusammen, Dächer werden abgedeckt und Autos beschädigt. Auch hat die Bahn den Zugverkehr regional noch bis Montag gestoppt - wegen des Sturms.

Wenn sich das Wetter beruhigt hat, zeigen sich meist erst die wirklichen Folgen. Doch wer zahlt für das kaputte Fenster und die zerbeulte Motorhaube?

Definitionssache: Was ist eigentlich ein Sturmschaden?

Für die Kfz-Kasko-, Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung sind die Umstände wichtig.

Eine Beschädigung gilt als Sturmschaden, wenn mindestens Windstärke acht geherrscht hat. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von mindestens 62 Kilometern pro Stunde.

Versichert sind alle Schäden, die durch den Sturm an versicherten Sachen verursacht werden, betont die Versicherung HUK Coburg.

Ein Beispiel: Während "Herwart" warnte der Deutsche Wetterdienst gebietsweise vor orkanartigen Böen bis zu 115 km/h, in anderen Regionen traten schwere Sturmböen mit bis zu 85 Stundenkilometern auf.

Im Zweifelsfall kann man diese Informationen beim Deutschen Wetterdienst erfragen - unter 0180 2 913 913 (Festnetzpreis 6 Cent / Anruf, Mobilfunkpreise maximal 42 Cent /Minute innerhalb Deutschlands)

Versicherungen empfehlen, dass Betroffene Schäden schnell melden. Aufräumarbeiten und Reparaturen nur in Absprache mit dem Versicherer in Angriff nehmen, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Teilkasko oder Vollkasko: Wer zahlt bei Schäden am Auto?


Beispiel: Ein Fahrer kracht mit seinem Auto in einem Baum, der gerade umstürzt. Oder heruntergefallene Teile verbeulen den geparkten Wagen.

Laut HUK fallen nur Sturmschäden in den Bereich der Teilkasko-Versicherung.

Hätte sich der genannte Schaden bei Windstärke sieben oder weniger ereignet, wäre dafür die Vollkasko-Versicherung zuständig. Das treffe auch dann zu, wenn ein großer Ast oder Ähnliches schon länger auf der Straße liegt, mahnt der Automobilclub ADAC.

Unabhängig von der Windstärke sind auch Überschwemmungs-, Hagel- oder Blitzschäden in der Teilkasko-Versicherung mitversichert, erklärt der Versicherer.

Die Eigenbeteiligung greift übrigens auch bei Sturmschäden.

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Sturmschäden am Haus – und wer dafür verantwortlich ist

Für das Haus können verschiedene Versicherungen greifen:
Die Wohngebäudeversicherung übernimmt vor allem bei Sturmschäden am Haus, die zum Beispiel durch umgefallene Bäume entstanden sind.
Die Hausratversicherung dagegen haftet laut Rechtsanwalt Markus Mingers für alle beweglichen Sachen, wie Kleidungsstücke oder Möbel.
Bei einer Überschwemmung benötigen Hausbesitzer übrigens eine Elementarschadenversicherung.

Aber nicht jeder Vertrag bietet die gleichen Bedingungen an. Mit einem Anruf bei der Versicherung lässt sich der Umfang klären.

Unabhängig davon ist euer Vorgehen bei einem Sturmschaden wichtig: Ihr müsst umgehend die Versicherung informieren und dafür sorgen, dass die Schäden durch Untätigkeit nicht noch größer werden.

Wann ihr für Folgeschäden haftet

Auch kann es passieren, dass es Folgeschäden abseits von eurem Besitz gibt: Zum Beispiel ist ein Ast eures Baumes auf das Auto des Nachbars gefallen. Das Oberlandesgericht Hamm hat 2010 entschieden, dass sich bei einem "sorgfältig gewarteten Haus“ unterhalb der Stufe zwölf der Beaufort-Skala keine Teile ablösen dürfen.

"Sollten sich also tatsächlich Teile gelöst haben, kann der Vorwurf der mangelnden Instandhaltung erhoben werden", erklärt Mingers auf dem Nachrichtenportal "Focus Online". In der Folge kann eine Schadenersatzpflicht entstehen.

Mieter haben auch Verantwortung

Aber auch Mieter können nach Sturmschäden in die Pflicht genommen werden. Ein Beispiel: Weht es einen Blumenkübel vom Balkon und der trifft einen Fußgänger, dann hat dieser Anspruch auf Schadenersatz. In solchen Fällen greift übrigens eine private Haftpflicht.

Bahn-Strecken sind gesperrt - und jetzt?

Die Deutsche Bahn informiert hier über die Strecken, die aufgrund des Sturms gesperrt sind. Tickets für betroffene Fernverkehrsverbindungen behalten laut der Bahn "ihre Gültigkeit und können entweder kostenfrei storniert werden oder bis eine Woche nach Störungsende flexibel genutzt werden. Sitzplatzreservierungen können umgetauscht werden. Betroffene Reisende, die ihre bereits gebuchte Reise nicht antreten möchten, können ihre Tickets gebührenfrei zurückgeben".

Die DB hat am Sonntag eine Sonderhotline eingerichtet: 08000 996633. Das Erstattungsformular und immer die aktuellen Infos finden gibt es hier.

Mingers zufolge kann der Ticketpreis bei Zugausfall in der Regel auch für Sparangebote zurückverlangt werden. Bei Verspätungen gibt es das Geld nur anteilig zurück: 25 Prozent werden bei einer Stunde und 50 Prozent bei zwei Stunden Verspätung.

"Übrigens hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass das Argument der 'höheren Gewalt' nicht mehr gelte", schreibt der Jurist.

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(jds)

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