Kopftuch-Eklat an Uni Würzburg: Studentin wirft Professorin Respektlosigkeit vor

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Kopftuch-Eklat an Uni Würzburg: Studentin wirft Professorin Respektlosigkeit vor (Symbolbild) | Purestock via Getty Images
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  • Eine Studentin, die den Kopftuch-Eklat an der Uni Würzburg verfolgt hat, kritisiert die Professorin scharf
  • Die Professorin hat sich inzwischen in einem Brief entschuldigt

Der Fall hat deutschlandweit Aufmerksamkeit erregt: Am Mittwoch hatte die Politik-Professorin Gisela Müller-Brandeck-Bocquet an der Universität Würzburg die Studenten in ihrer Vorlesung aufgefordert, ihre Kopfbedeckungen abzunehmen. Sie zielte damit nach eigener Aussage vor allem auf die Männer ab, die eine Kappe trugen.

Dann aber entstand ein Disput mit einer muslimischen Studentin, die ihr Kopftuch nicht abnehmen wollte.

Umstritten ist, ob die Professorin die 19-jährige Studentin direkt aufforderte, ihr aus religiösen Gründen getragenes Kopftuch abzunehmen. Für eine solche Aufforderung gibt es keine rechtliche Grundlage.

"Das gilt auch für Sie"

Im Gespräch mit "Focus Online" sagte eine Studentin, die mit in der Vorlesung saß, die Dozentin sei nach der Aufforderung direkt vor der Muslima stehen geblieben und habe gesagt: "Das gilt auch für Sie." Als Zuhörerin habe sie das so verstanden, dass das Mädchen das Kopftuch abzulegen habe.

Die Kommilitonin konnte das Gespräch aus akustischen Gründen nicht ganz verfolgen. Die Professorin habe den Hörsaal aber als "säkularen Raum" beschrieben und gesagt, in der Gesellschaft hätten Kopftücher ihre Berechtigung, nicht aber in der Vorlesung. Die Studentin wertete das Verhalten der Dozentin im Gespräch mit "Focus Online" als "vollkommen respektlos".

Professorin spricht von Missverständnis und entschuldigt sich

Die Dozentin ließ am Donnerstag über die Pressestelle der Universität mitteilen, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Sie habe die junge Frau nicht aufgefordert, ihr Kopftuch abzunehmen.

Inzwischen hat die Professorin laut der Pressestelle die muslimische Studentin in einem Brief um Entschuldigung gebeten und will das Thema auch in der kommenden Vorlesung ansprechen. Das war noch nicht bekannt, als die Kommilitonin der Muslima mit "Focus Online" sprach.

Die Professorin und die muslimische Studentin äußern sich nicht mehr öffentlich zum Thema.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

(ll)

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