Nach vielen schlechten Witzen: Entertainer Niels Ruf hetzt jetzt völlig unverblümt gegen den Islam

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Nach vielen schlechten Witzen: Entertainer Niels Ruf hetzt jetzt völlig unverblümt gegen den Islam | Getty
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  • Entertainer Niels Ruf hat den Islam für die Gewalt in Afrika verantwortlich gemacht
  • Die Flüchtlingspolitik Deutschlands könnte ähnliche Folgen haben, suggerierte Ruf bei Twitter
  • Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht

Entertainer Niels Ruf liebt die schamlose Provokation.

Das liebste Ziel des ehemaligen Sat1- und RTL-2-Moderators ist der Islam. Nach geschmacklosen Scherzen, wie etwa seinem Witz nach dem Terroranschlag von Barcelona, hat Ruf bei Twitter nun in einem Kommentar völlig unverblümt seine Meinung über die Religion bekanntgegeben.

"Mehr Islam = Mehr Terror", schrieb Ruf als Antwort auf eine Grafik, die zeigt, wie viele Menschen in Afrika im Vergleich zu Europa bei Terroranschlägen sterben. "It's the Flüchtlingspolitik, Stupid", behauptete Ruf weiter. Also etwa: "Es liegt an der Flüchtlingspolitik, du Idiot."

Der Digitalstratege Gerald Hensel, der die Grafik gepostet hatte, stellte klar, es gehe bei der Statistik nur um die geografische Verortung der Opfer, nicht um deren Religion. Doch Ruf warf ihm "Whataboutism" vor.

Mehr zum Thema: Lieber Niels Ruf, zerstöre dich ruhig weiter selbst - aber hör endlich auf zu hetzen

Religiöser Fanatismus ist Symptom und nicht Ursache

Tatsächlich sind Schätzungen zufolge etwa 45 Prozent der Bewohner Afrikas Muslime, in Europa liegt die Quote wohl weit unter 5 Prozent. Dennoch ist die pauschale Verurteilung des Islams als Quelle des Terrors kurzsichtig.

Denn die Wurzeln des Terrors auf dem afrikanischen Kontinent liegen wohl weniger in religiösen Lehren, als in der politischen Instabilität vieler Länder. Rufs Behauptung "weniger Islam = mehr Frieden" ist nicht nur historisch hanebüchen, sondern auch mit dem Blick auf Afrika unzureichend.

Noch immer leiden viele afrikanische Länder an den Folgen des Kolonialismus, weite Teile des Kontinents werden vom Welthandel abgeschnitten, Entwicklungshilfe versickert häufig in den korrupten Strukturen. Der perfekte Nährboden für Fanatismus und Gewalt.

Ohnehin weisen Experten wie der Politikwissenschaftler Markus Weingardt darauf hin, dass lediglich etwa elf Prozent der weltweiten Gewaltkonflikte religiös motiviert seien. Es habe sich eine falsche Wahrnehmung eingeschlichen, da "die Berichterstattung im Wesentlichen von den Konflikten im Mittleren und Nahen Osten dominiert ist - und da spielt tatsächlich Religion eine wesentliche Rolle."

Für die Gewalt in Westafrika nennt die Soziologin Nancy Annan in einer Studie vor allem andere Ursachen: Armut, Menschenrechtsverletzungen, schlechte Regierung, Korruption, ethische Konflikte und die weite Verbreitung von Waffen.

Waffen, die im Übrigen zumeist aus Europa kommen.

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(ujo)

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