Studentin in Würzburg wegen Kopftuch diskriminiert: Jetzt äußert sich die Professorin

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Studentin wegen Kopftuch diskriminiert: So reagiert die Professorin jetzt | Reptile8488 via Getty Images
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  • Eine Professorin der Universität Würzburg bittet eine ihrer Studentinnen um Entschuldigung
  • Die Dozentin hatte die junge Frau wegen ihres Kopftuchs kritisiert

An der Universität Würzburg war es am Mittwoch zu einem Eklat gekommen: Eine Professorin hatte alle Studenten im Saal aufgefordert, ihre Kopfbedeckung abzunehmen. Eine muslimische Studentin ließ ihre Kopftuch auf. Was die Professorin kritisierte. Der Vorfall hat große Wellen geschlagen.

Jetzt will sich die Professorin entschuldigen. Wie die Pressestelle der Universität der HuffPost mitteilte, möchte sich die Professorin bei der Studentin persönlich in aller Form entschuldigen. Sie werde das auch in der nächsten Vorlesung ansprechen.

Die Professorin spricht von einem Missverständnis

Am Mittwoch hatte die Professorin zu Beginn ihrer Vorlesung gefordert, alle Studenten sollten ihre Kopfbedeckung abnehmen.

"Seit vielen Jahren pflege ich, in meinen Vorlesungen die Zuhörer um die Abnahme von Kopfbedeckungen zu bitten, als Zeichen des Respekts vor einer universitären Einrichtung und vor mir als vortragender Professorin“, ließ Müller-Brandeck-Bocquet über die Pressestelle der Universität mitteilen. In der Regel seien damit männliche Studierende angesprochen, die Kappen tragen. Diese seien ihrer Bitte immer nachkommen.

Die 19-jährige Studentin mit türkischen Wurzeln allerding ließ ihr Kopftuch auf. Da habe die Professorin "auf die beabsichtigte Gleichbehandlung von Männern und Frauen hingewiesen und ihre Missbilligung zum Ausdruck gebracht", teilt die Uni mit. Die Dozentin habe die junge Frau aber nicht aufgefordert, ihr Kopftuch abzulegen.

Die Professorin bedauere "die Aufregung und die Missverständnisse, die sich aus der Artikulation ihrer persönlichen Missbilligung ergeben haben".

Studenten verließen empört den Saal

Einige Studenten allerdings schildern den Vorfall etwas anders. Die Betroffene selbst möchte sich nicht weiter öffentlich äußern, ebenso wenig die Professorin.

In der Regionalzeitung "Mainpost" heißt es, die Professorin habe die junge Frau direkt angesprochen und gesagt, die Aufforderung gelte auch für sie.

Die Studentin verwies dem Bericht auf die Religionsfreiheit, die Professorin auf die Trennung von Staat und Kirche. Dann sollen mehrere Studenten aus Protest den Saal verlassen haben. Nach einer Unterbrechung von zehn Minuten habe die Professorin die Vorlesung ohne weitere Erklärungen fortgesetzt.

Das Kopftuch ist erlaubt

Die Rechtslage ist klar, wie auch die Universität betont: Es gibt kein Gesetz, dass Studentinnen das Tragen eines Kopftuchs an Bayerns Universitäten verbietet. Auch die Uni hat keine anderen Vorschriften, weder die Dozenten noch die Studenten betreffend.

Der "Mainpost" sagte die Studentin denn auch, sie trage das Kopftuch auf eigene Entscheidung hin seit mehreren Jahren und habe deswegen noch nie Probleme bekommen.

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2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

(lp)

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