In Katalonien droht der Knall: Experten warnen vor Ausschreitungen und "katalanischem Maidan"

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CATALONIA
In Katalonien droht der Knall: Experten warnen vor Ausschreitungen und "katalanischem Maidan" | Juan Medina / Reuters
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  • Experten warnen in Katalonien vor blutigen Ausschreitungen wie in der Ukraine
  • Die katalanische Regierung hat die Unabhängigkeit erklärt, Spanien löste das Kabinett auf

Der Schlagabtausch um die Unabhängigkeit Kataloniens lässt die Emotionen nach wochenlanger Eskalation auf ungeahnte Temperaturen hochkochen.

Als der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy am Freitag vor dem Senat im knapp 600 Kilometer entfernten Madrid um Billigung der Zwangsmaßnahmen gegen die aufmüpfige Region bat, klagten separatistische Abgeordnete im Regionalparlament in Barcelona: "Das ist eine Kriegserklärung!"

Entsprechende Medienberichte wurden der Deutschen Presse-Agentur von der Partei des separatistischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont bestätigt.

Als Rajoy dann am Abend die Maßnahmen bekanntgab, muss der Zorn in Barcelona noch viel größer geworden sein. Puigdemont und seine gesamte Regierung werden schon am Samstag per Dekret abgesetzt. Die jeweiligen Minister der Zentralregierung übernehmen die Kontrolle über die Ressorts. Das Regionalparlament wird mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Am 21. Dezember gibt es Neuwahlen.

Die wegen ihrer Brisanz von Medien unter anderem als "nukleare Option" titulierten Zwangsmaßnahmen des spanischen Staates gegen die Sezessionisten sollen den Unabhängigkeitsbestrebungen ein schnelles Ende setzen.

Doch bei der Intervention könnte der Schuss auch nach hinten losgehen, warnen viele neutrale Politiker und Beobachter. Ein Kinderspiel wird das Aufräumen auf keinen Fall.

"Es wird wohl leider Unruhen geben"

Es gilt unter anderem als sicher, dass Madrid bei der angekündigten Übernahme der Kontrolle über regionale Ministerien und Behörden auf eisernen Widerstand seitens der meisten der rund 110 000 Beamten der Regionalregierung stoßen wird. Ziviler Ungehorsam wird erwartet.

Die Schriftstellerin und Journalistin Esther Jaén, die sich als Katalanin in der Region sehr gut auskennt, warnte am Freitag im TV: "Das kann ein sechsmonatiges absolutes Desaster werden." Es werde viele Störmanöver von Beamten geben, und Hunderte von separatistischen Bürgermeistern würden Neuwahlen mit Sicherheit mit allen Mitteln zu boykottieren versuchen.

Es könnte aber auch sein, dass es nicht beim relativ friedlichen Widerstand bleibt. Sprecher von Puigdemonts Partei sagen: "Es wird wohl leider Unruhen geben."

Die Warnung des Real Instituto Elcano lässt erschaudern. Die von Regierungen und Unternehmen unabhängige renommierte spanische Denkfabrik warnt vor einem "katalanischen Maidan" - in Anspielung auf den blutigen Ukraine-Konflikt mit hundert Toten vor wenigen Jahren.

Börsenkurse fallen, vor dem Parlament knallt es

Nervosität herrscht nicht nur in TV-Studios und Redaktionen, auch an der Madrider Börse: Der Leitindex Ibex 35 knickte am Freitag zeitweilig um mehr als zwei Prozent ein.

Schwarz sieht auch Pablo Echenique. Der Sprecher der linken Partei Podemos, der drittstärksten Kraft im Madrider Parlament, kritisierte die Chefs beider Konfliktparteien als "Hooligans", die "auf Verantwortungslosigkeit setzten" und mit ihren Aktionen Katalonien gemeinsam "aus Spanien verjagen".

Podemos fordert zur Lösung des Konflikts weiterhin ein legales Referendum für Katalonien.

Bei der Debatte im Parlament in Barcelona gab es anschließend vor laufenden TV-Kameras Beschimpfungen und Schmähungen. Redner wurden ausgebuht.

Bezeichnend: Die Unionisten sprachen auf Spanisch, die Separatisten auf Katalanisch - und einander vorbei. Nach der Verabschiedung der Unabhängigkeitsresolution standen die sezessionistischen Abgeordneten von ihren Sitzen auf und sangen mit stolzgeschwellter Brust die katalanische Nationalhymne.

Draußen explodierten Böller. Die Partystimmung hielt bis zum späten Abend an. Bald könnte es anders aussehen.

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