Verunsicherung unter Eltern: Welche Impfungen dringend empfohlen werden und welche optional sind

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Wer geimpft ist, ist weniger anfällig für Erkrankungen und steckt sich seltener an. | iStock
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  • Im Internet kursieren viele Halbwarheiten zum Thema Impfen
  • Viele Eltern sind verunsichert und wissen nicht, was sie glauben sollen
  • Hier erfahrt ihr, welche Impfungen empfehlenswert sind und auf welche auch verzichtet werden kann

Impfgegner verbreiten im Internet Lügen und Halbwahrheiten übers Impfen. Die auf einer gefälschten Studie aus den 90ern beruhende Behauptung, Impfen löse Autismus aus, ist nur eine davon. Die Folge: Viele Eltern sind verunsichert und wissen nicht mehr, wem sie glauben sollen.

Dabei hat jahrzehntelange Erfahrung und Forschung gezeigt: Die meisten Impfungen sind effektiv und sicher. Das Risiko für Nebenwirkungen ist sehr gering.

Dennoch ist es verständlich, dass Eltern sich bei jeder Impfung genau überlegen, ob sie sinnvoll ist.

Wir haben zusammengestellt, welche Impfstoffe unbedingt empfehlenswert sind, welche als sinnvoll gelten und welche Impfungen eher nicht sein müssen.

Stark empfehlenswert:

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Die Tetanus-Erreger sind im Erdboden verbreitet, deswegen sollten Säuglinge und Kleinkinder so früh wie möglich gegen Tetanus geimpft werden. Denn selbst bei frühzeitiger Behandlung kann die Krankheit tödlich verlaufen.

Wenn die Mutter gegen Tetanus geimpft ist, sind Säuglinge bis zu vier Monaten immun. Die Ständigen Impfkomission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt ab der neunten Woche die erste Impfung und weitere im dritten und vierten Monat sowie die letzte Teilimpfung am Ende des ersten Lebensjahres.

Mit fünf Jahren sollte die Impfung aufgefrischt werden sowie im Alter von neun bis 17 Jahren. Danach reicht es, wenn alle zehn Jahre erneut geimpft wird.

Bei der Grundimmunisierung gegen Tetanus bekommen Säuglinge im Normalfall einen Sechsfachimpfstoff verabreicht - das heißt, dass auch gleichzeitig gegen Diphterie, Keuchhusten, Polio (Kinderlähmung), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatits B geimpft wird.

Es gibt selten Nebenwirkungen. Bei weniger als einem von 10.000 geimpften Kindern kann es zu Fieber oder einem Fieberkrampf kommen.

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Masern

Masern gehört zu den Impfungen, zu denen dringend geraten wird. 2010 hat die STIKO eine Empfehlung ausgesprochen, um Masernausbrüche zu verhindern - mit mäßigem Erfolg. Ziel der WHO war es eigentlich, dass Masern bereits 2015 ausgerottet sind.

Die erste Impfung wird für Kinder ab zwölf Monaten empfohlen, die zweite Impfung für die Grundimmunisierung sollte bis zum zweiten Geburtstag erfolgen. Es sollte vorzugsweise MMR-Impfstoff verwendet werden (Masern-Mumps-Röteln-Impfung).

Die zweite Impfung ist sehr wichtig, denn diese wird in Deutschland leider zu wenig geimpft. Deshalb kommt es immer wieder zu erneuten Ausbrüchen der Krankheit.

Auch Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden und noch gar nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurden, empfiehlt die STIKO die Schutzmaßnahme.

Die Impfung ist gut verträglich. Der Körper bildet nach der Impfung Antikörper, jeder zweifach Geimpfte ist damit bis zu 99 Prozent vor der Krankheit geschützt. Nebenwirkungen können Rötung oder Schwellung und Schmerzen an der Impfstelle sein. Es können auch Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Mumps

Wie Masern gehört Mumps zu den Krankheiten, gegen die eine Impfung dringend empfohlen wird. Auch hier ist der Schutz erst durch eine Zweifachimpfung gegeben. Der Impfstoff schützt gleichzeitig gegen Masern und Röteln (MMR-Impfung).

Die erste Impfung sollte im zwischen dem 11. Und 14. Monat erfolgen, die zweite frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres.

Die MMR-Impfung ist derzeit eine der sichersten Impfungen. Da in dem Impfstoff Hühnereiweiß enthalten ist, sollte der Arzt vorher allerdings mögliche allergische Reaktionen ausschließen.

Die Impfung ist gut verträglich, nur selten treten Nebenwirkungen auf. Lokale Reaktionen wie Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle klingen nach wenigen Tagen ab.

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Röteln

Röteln können besonders schwerwiegende Folgen haben, wenn sich eine schwangere Frau ansteckt. Dann kann das ungeborene Kind eine sogenannte Rötelnembryopathie bekommen – eine schwerwiegende Schädigung des Ungeborenen während der ersten vier Schwangerschaftsmonate.

Die Impfung erweist sich als effizient. Von 10.000 Menschen erkranken zwischen 4000 bis 9000 an Röteln, wenn sie nicht geimpft sind. Sind sie geimpft, sind es nur 40 bis 270 Ansteckungen. Das zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass es allerdings nicht ausreicht, die Röteln-Impfung nur für Mädchen und junge Frauen zu empfehlen. Durch höhere Impfraten kann es ausgeschlossen werden, dass sich Schwangere nicht mehr anstecken und die Infektion sich nicht mehr ausbreitet.

Die Impfung wird gemeinsam in Kombination mit Masern und Mumps geimpft (MMR-Impfung). Die zweimalige Impfung kann ab dem 11. Monat gegeben werden und die letze am Ende des zweiten Lebensjahres. Die Bundeszentrale für Gesundheit weist darauf hin, dass die zweite Impfung wichtig ist, da nur dann ausreichend Schutz besteht.

Die Impfung ist gut verträglich, nur selten treten Nebenwirkungen auf.

Diphterie

An Diphterie erkrankt inzwischen kaum jemand mehr. Das liegt daran, dass da die Impfrate sehr hoch ist. Das heißt auch: Wenn nicht so viele geimpft wären, würde die Krankheit zurückkehren. In anderen Ländern, vor allem in Osteuropa, ist sie noch stark verbreitet.

Für Kinder wird eine frühe Immunisierung empfohlen. Diese besteht aus vier Teilimpfungen, die ab dem zweiten Monat beginnen sollten. Die Impfung sollte mit fünf Jahren aufgefrischt werden, zwischen neun und 17 Jahren und folgend alle zehn Jahre.

Eine häufige Impfreaktion ist Rötung und Schwellung der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich können auch die Lymphknoten anschwellen. Bei weniger als einem von 10.000 Geimpften kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Das ist die schwerste allergische Reaktion des Immunsystems, ist aber erst im Extremfall lebensgefährlich.

Polio (Kinderlähmung)

Im Jahr 2002 hat die WHO ganz Europa für Polio-frei erklärt, allerdings kommt die Erkrankung in einigen Ländern in Asien und Afrika noch häufig vor - das heißt, sie kann jederzeit wieder in Deutschland auftauchen. Daher sollte weiterhin jeder geimpft sein.

Die STIKO empfiehlt vier Teilimpfungen zur Grundimmunisierung, die ab dem zweiten Monat beginnen können. Im Alter von neun bis 17 Jahren sollte die Impfung aufgefrischt werden. Die Impfung erfolgt meistens in Kombination mit den Impfungen gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten.

Früher gab es einige wenige Fälle, in denen der damalige Impfstoff Kinderlähmung verursachte (etwa ein Fall auf drei Millionen Impfungen). Das ist bei dem heutigen Impfstoff komplett ausgeschlossen.

Pneumokokken

Bei zwei bis zehn Prozent der Erkrankten verläuft die Erkrankung tödlich, bei etwa 15 Prozent entstehen bleibende Folgeschäden.

Die Impfung wird daher empfohlen und kann ab dem zweiten Monat durchgeführt werden. Ab 60 Jahren wird noch eine einmalige Impfung empfohlen.

Die Impfung besteht aus drei Teilen, die im zweiten, vierten und 11. Monat erfolgen sollten.

Durch die Anregung der körpereigenen Abwehr kommt es häufig zu Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Symptome wie Fieber, Schläfrigkeit und Magen-Darm-Beschwerden können auftreten, klingen aber schnell wieder ab.

Rotavirus

Die STIKO empfiehlt seit 2013, bei allen Säuglingen ab dem Alter von sechs Wochen die Schluckimpfung gegen Rotaviren durchzuführen. Diese sollte möglichst bis zum Alter von 12 Wochen begonnen werden. Abgeschlossen sollte sie bis zum Alter von 16 oder 22 Wochen sein. Eine angeborene oder vermutete Immunschwäche kann aber gegen die Impfung sprechen.

Die Schluckimpfung gegen Rotaviren ist gut verträglich. Sie kann auch gleichzeitig mit anderen Impfungen eingenommen werden. Nebenwirkungen können Fieber, Durchfall oder Erbrechen sein.

Meningokokken C

Seit dem Jahr 2006 empfiehlt die STIKO allen Kindern im zweiten Lebensjahr eine einmalige Impfung gegen Meningokokken C. Seit 2006 sind deutlich weniger Kinder an der Infektion erkrankt. Kindern und Jugendlichen, die noch nicht dagegen geimpft wurden, wird empfohlen, das bis zum 18. Lebensjahr nachzuholen. Besonders wichtig ist die Impfung laut STIKO für Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Durch die körpereigene Abwehr kommt es häufig zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. In den ersten Tagen der Impfung können auch Fieber, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und weitere Allgeminsymptome auftreten.

Hepatits B

Seit 1995 wird eine Impfung für alle Säuglinge, Kleinkinder und Jugendlichen von der STIKO empfohlen. Das Erkrankungsrisiko ist zwar gering, doch bei den selten auftretenden Krankheitsfällen bei Säuglingen und Kleinkindern kann sich dadurch eine chronische Krankheit entwickeln.

Kinder, die noch nicht geimpft sind, sollten die sichere und effektive Impfung nachholen. Säuglinge können ab dem zweiten Monat geimpft werden. Die Grundimmunisierung findet durch jeweils eine Spritze vom zweiten bis zum vierten Monat statt und eine letzte im elften Monat. Eine Auffrischimpfung ist laut momentanem Forschungsstand nicht nötig.

Im Normalfall zeigen sich keine Nebenwirkung bei dieser Impfung. Eventuell können leichte Impfreaktionen wie Rötung, Schwellung, Schmerzen um die Impfstelle sowie geschwollene Lymphknoten auftreten. In seltenen Fällen kann es zu Nebenwirkungen wie leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit kommen.

Mehr zum Thema: Pflaster statt Spritze - warum jetzt niemand mehr eine Ausrede hat, sich nicht impfen zu lassen

Empfohlen, aber kein Muss:

Influenza (Grippe)

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt die Influenza-Impfung hauptsächlich für alle Personen ab 60 Jahre und für chronisch Kranke und Schwangere, weil diese am meisten gefährdet sind.

Die Impfung bei Kindern wird nur dann empfohlen, wenn diese auch unter chronischen Krankheiten leiden - ist also sonst kein Muss.

Durchgeführt werden kann die Impfung ab einem Alter von sechs Monaten. Jeder, der sich impfen lassen möchte, sollte das mit seinem Arzt besprechen.

Nach der Impfung dauert es rund 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz wirkt. Um rechtzeitig vor dem Winter geschützt zu sein, wird empfohlen, sich im Oktober oder November impfen zu lassen.

Da nicht bekannt ist, wie lange eine Grippe-Welle anhält, raten Ärzte dazu, sich auch noch nachträglich impfen zu lassen. Eine Impfung reicht für eine gesamte Grippesaison aus.

Der saisonale Influenza-Impfstoff ist in der Regel gut verträglich. Es kann - wie bei anderen Impfungen auch - zu einer Rötung, Schwellung oder leichte Schmerzen an der Impfstelle kommen.

FSME

FSME ist die Abkürzung für "Frühsommer-Meningoenzephalitis“. Die Viren werden durch den Stich von Zecken auf den Menschen übertragen. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Die STIKO empfiehlt eine Impfung für Menschen, die sich in FSME-Gebieten aufhalten oder dort wohnen - dort, wo also viele Zecken sind. Besonders für alle, die sich oft und lange draußen aufhalten, wie Camper, Radfahrer, Jogger oder Kinder, die oft im freien spielen.

Kinder können ab dem ersten Lebensjahr geimpft werden. Wenn das Ansteckungsrisiko weiter besteht, wird nach drei Jahren eine Auffrischimpfung empfohlen.

In Deutschland sind besonders die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern FSME-Gebiete, sowie das südliche Hessen (Odenwald) und das südöstliche Thüringen. Im vergangenen Jahr aber hat das RKI lediglich 348 FSME-Fälle registriert.

Als Reaktion auf die Impfung kommen am häufigsten Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle vor. Fünf Prozent der Kinder zwischen ein und zwei Jahren litten unter Fieber über 38 Grad. Für alle, die nicht in einem Risikogebiet leben, ist die Impfung daher nicht zwingend notwendig.

Gegen Borrelien-Bakterien, die Zecken übertragen und die zu Borreliose führen können, schützt die Impfung allerdings nicht.

Hib (H. influenzae Typ B)

Gegen Hib sollte jedes Kind bis zu vier Jahren geimpft werden. Das empfiehlt das Robert-Koch-Institut seit 1990.

Durch die Impfung nahmen in den neunziger Jahren die Erkrankungen durch Hib ab. Inzwischen erkranken kaum noch Kinder und Säuglinge an der Krankheit.

Ab der neunten Woche können Kinder in einer vierteiligen Impfung immunisiert werden. Die letze Teilimpfung wird am Ende des ersten Lebensjahres durchgeführt.

Der Impfstoff ist äußerst sicher - das bestätigen sowohl das RKI als auch die WHO. Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Nebenwirkungen sind sehr selten. Bei weniger als einem von 10.000 geimpften kann es bei Säuglingen und Kleinkindern zu einem Fieberkrampf kommen, der in der Regel aber keine Folgen hat.

Windpocken

Seit 2004 ist die Impfung in Deutschland standardmäßig empfohlen. Denn Windpocken-Viren werden extrem leicht übertragen, so gut wie jeder Kontakt mit Erkrankten ist ansteckend.

Die Haut juckt und hat Ausschlag und Bläschen. Meist verlaufen Windpocken relativ harmlos, doch für Kleinkinder kann die Krankheit riskanter sein.

Die Impfung gegen Windpocken steht dennoch in Diskussion. Seit diese Impfung eingeführt wurde, sind sich Fachleute einig, dass deutlich weniger Kinder infiziert wurden als zuvor - dennoch wird kritisiert, dass die Impfung nicht ein Leben lang hält und dadurch das Alter, in dem man sich ansteckt, nur nach hinten geschoben wird. Also ist diese Impfung nicht zwingend notwendig.

Ein sicherer Schutz kann durch zweimalige Impfung erreicht werden.

Die Impfung ist gut verträglich, nur selten treten Nebenwirkungen auf.

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(lk)

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