Burda-Vorstand warnt: Wie das Silicon Valley unsere Autoindustrie angreift

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DLD
Butterfield warb für eine Fokussierung der Unternehmen: "Wenn man ein kleines fokussiertes Start-Up ist, hat man viel mehr Möglichkeiten als große Unternehmen, die versuchen in vielen verschiedenen Bereichen gleichzeitig erfolgreich zu sein.“ | dpa
Drucken
  • US-Konzerne gefährden die Wirtschaft in Europa, warnt Stefan Winners
  • Slack-Gründer wirbt trotzdem für Respekt vor der Konkurrenz in den USA
  • Was Europa jetzt leisten muss

Burda-Digitalvorstand Stefan Winners warnte auf der Digitalkonferenz DLD in Berlin vor der wirtschaftlichen Konkurrenz aus den USA. "Wir sind an einem Wendepunkt, an dem wir uns als Europäer entscheiden müssen, ob wir die digitalen Chancen nutzen wollen oder bei den Verlierern dabei sein wollen", sagte er in seiner Rede.

Der Grund: Längst würden die US-Konzerne nicht mehr in der angestammten Nische agieren und ihren eigenen Markt abgrasen, sondern zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz der deutschen Industrie werden.

Beispiel: Autonom fahrende Autos aus Europa

"Die europäischen Unternehmen reden davon, autonom fahrende Autos bauen zu wollen. Aber die Möglichkeiten für die internationalen Konkurrenten aus USA und China sind viel größer", sagte er. "Allein weil ihnen viel mehr Kapital und in China staatliche Unterstützung zur Verfügung steht.“

Diese Konzerne seien ein Vielfaches von dem wert, was Daimler, Volkswagen oder BMW an der Börse zusammen brächten, erinnerte Winners. Und sie verfügten über entsprechend große Finanzmittel.

"Das Silicon Valley greift unsere Autoindustrie direkt an“, sagte Winners. Etwa dadurch, dass US-Wettbewerber Autos als geteiltes Gut in Städten zur Verfügung stellen. Niemand müsse dann überhaupt noch ein Auto besitzen - und das werde die Absatzzahlen der deutschen Hersteller verringern.

Butterfield: "Nur weil ein Unternehmen erfolgreich ist heißt das nicht, dass andere Unternehmen nicht auch erfolgreich sein können"

Aber es gibt auch andere Sichtweisen. So gab sich Stewart Butterfield, Gründer des Messaging-Dienstes Slack, in einer Podiumsdiskussion mit Winners gelassen: "Nur weil ein Unternehmen erfolgreich ist heißt das nicht, dass andere Unternehmen nicht auch erfolgreich sein können. Es gibt so viele Möglichkeiten. Wir sind noch ganz am Anfang.“

Butterfield warb für eine Fokussierung der Unternehmen: "Wenn man ein kleines fokussiertes Start-Up ist, hat man viel mehr Möglichkeiten als große Unternehmen, die versuchen in vielen verschiedenen Bereichen gleichzeitig erfolgreich zu sein.“

Umgekehrt müsse die Industrie Unternehmen wie Microsoft respektieren, weil sie viele Technologien unter einem Dach vereinten, sagte Buttefield.

Winners hielt dagegen - und bot eine Wette an: "Amazon und Google sind große Monopole geworden. Ich bin mir sicher: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eins dieser Unternehmen in den nächsten fünf Jahren aufspalten muss, ist hoch."

Passend zum Thema: Gründer zeigt Bill Gates sein Laptop - dann gibt ihm der Microsoft-Gründer 35 Millionen Dollar

Winners: "Die Voraussetzungen in Europa werden immer besser"

Schon heute ist die Politik ihm zufolge zunehmend bestrebt, die Voraussetzungen marktübergreifend anzupassen. Zuletzt erließ die Europäische Union eine neue Datenschutzrichtlinie, die auch ausländischen Konzernen die gleichen Regeln auferlege, wie Europäischen.

"Die Voraussetzungen für ein 'Level Playing Field' in Europa, einer Wirtschaft, in der alle Unternehmen den gleichen Regeln folgen müssen, werden immer besser. Die Politik reagiert – sowohl in München, Berlin und in Brüssel", sagte Winners. "Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass wir diese Möglichkeiten auch nutzen.“

Dieser Artikel ist zu erst auf "Focus Online" erschienen.

(lp)

Korrektur anregen