Trump biedert sich in einem TV-Interview China an - und zeigt, warum er schon vor dem gemeinsamen Treffen verloren hat

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TRUMP XI
"Die beste Beziehung, die es je zwischen einem Präsidenten und einem Präsidenten gegeben hat" | Carlos Barria / Reuters
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  • Donald Trump ist voll des Lobes für den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping
  • An der wirtschaftspolitischen Beziehung der Länder wird das vermutlich trotzdem nichts ändern

Im Wahlkampf keilte Donald Trump ohne Unterlass gegen China. In einem Interview mit Fox News zeigte sich der US-Präsident hingegen von einer anderen Seite - und biederte sich dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping an.

Der wurde am Mittwoch vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei für weitere fünf Jahre im Amt des Generalsekretärs bestätigt und erneut zum Vorsitzenden der Militärkommission ernannt - mit weitreichenden Rechten.

Denn die Delegierten hoben Xi Jinping auf eine Stufe mit Staatsgründer Mao Zedong. Diese Stellung zeigt sich auch in Xi Jinpings Zielen wider: Er verfolgt den "Wiederaufstieg" des Landes in der Welt und will das von Trump hinterlassene Machtvakuum wirtschaftlich und militärisch ausfüllen.

Um dem zu entgegnen, versucht es der US-Präsident nun offenbar mit einer Charmeoffensive - laut Experten ein hoffnungsloses Unterfangen.

Lobeshymne auf Präsident Xi

“Ich halte Präsident Xi für einen sehr guten Menschen”, erklärte Trump, der angab, unmittelbar vor dem Interview mit dem chinesischen Staatschef telefoniert zu haben.

Trumps Lobeshymne auf den chinesischen Präsidenten war damit aber noch nicht zu Ende. “Wir haben eine sehr gute Beziehung”, hielt das US-Staatsoberhaupt fest. “Manche Leute sagen ja, wir hätten die beste Beziehung, die es je zwischen zwei Präsidenten gegeben hat.”

Experten verstehen Trumps Aussagen als plumpen Versuch, Xi Jinping um den Finger zu wickeln.

“Ich denke er versucht sich mit Xi gut zu stellen, weil er sich dadurch eine bessere Ausgangslage für Verhandlungen erhofft”, sagte der US-Diplomat Paul Haenle der britischen Zeitung “Guardian”.

Denn auf seiner bevorstehenden Asienreise will sich der US-Präsident auch mit dem chinesischen Staatschef austauschen. Dazu Trump auf Twitter: “Melania und ich freuen uns darauf, in zwei Wochen Präsident Xi und Madame Peng Liyuan zu treffen.”

Asien Experte: Konzessionen durchaus möglich

Die Herausforderungen des Treffens sind vor allem wirtschaftspolitischer Natur. Für Trump ist China die größte Bedrohung für die heimische Wirtschaft.

Im Jahr 2012, lange bevor er sich entschied für das Amt des Präsidenten zu kandidieren, behauptete Trump sogar, die Chinesen hätten den Klimawandel erfunden, um dem US-Handel zu schaden.

Noch im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, einen sehr harten Kurs gegenüber China zu fahren. Das sei nun offenbar von der Agenda gerutscht, sagt Professor Patrick Köllner vom Hamburger Leibnitz-Institut für Globale und Regionale Studien der HuffPost.

“Man sieht natürlich die Notwendigkeit mit China zusammenzuarbeiten, um zu einer geeigneten Lösung der Nordkorea-Krise zu kommen.” Ein zentrales Thema der Gespräche werde sicherlich die Verschärfung und Einhaltung von Sanktionen gegenüber dem isoliertem Staat sein, so Asien-Experte Köllner.

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“Die USA haben bisher keine Politik verfolgt, die die Interessen Chinas, wie den Souveränitätsanspruch der Chinesen auf Taiwan oder das südchinesische Meer in Frage stellen würden”, erklärt der Direktor des Instituts für Asien Studien weiter. Deshalb seien Konzessionen durchaus möglich.

Schmeichelnde Tweets dürften dagegen nichts bewirken. “Peking schaut zwar sicherlich sehr genau auf diese Tweets, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie irgendwelche Auswirkungen auf die Haltung der Chinesen haben”, meint Köllner.

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(mf)

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