Kuriose Drohung an Europa: Erdogans Chefberater zeigt, wieso es keine Versöhnung mit der Türkei geben wird

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Kuriose Drohung an Europa: Erdogans Chefberater zeigt, wieso es keine Versöhnung mit der Türkei geben wird | Getty / Screnshot TRT
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  • Der Chefberater des türkischen Präsidenten droht Europa
  • Die Türkei werde sich nicht klein halten lassen, die Osmanen hätten schon einmal vor Wien gestanden
  • Nach Versöhnung klingt das nicht

Man könnte meinen, es sei ein Zeichen der Annäherung. Die türkische Justiz hat den deutschen Menschenrechtler Peter Steudtner von allen Terrorvorwürfen freigesprochen.

"Es ist ein erstes Zeichen der Entspannung, denn die türkische Regierung hat alle Zusagen eingehalten. Nun müssen wir weiter an der Freilassung der anderen Inhaftierten arbeiten", sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nach dem Urteil von Mittwochabend.

Große Hoffnungen auf ein Ende der Eiszeit in den Beziehungen mit der Türkei sollte sich aber weder die alte, noch die neue Bundesregierung machen. Denn die türkische Regierung ist von ihrer antieuropäischen Haltung kein Stück abgewichen.

Der Chefberater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Yigit Bulut ließ nun in einem Interview mit dem Staatssender TRT Haber durchblicken, dass die Türkei gegenüber der EU nicht einlenken werde. Egal was Europa tue, "um die Türkei kleinzuhalten", es werde nicht klappen, wütete Bulut.

"Wir standen schon einmal vor Wien"

Und er machte eine kurios anmutende Drohung: "Unsere Vorfahren standen schon einmal vor Wien." Es sei nicht leicht, loszuziehen und nach Wien zu marschieren, sagte der Topberater des Präsidenten über die Eroberungszüge des Osmanischen Reiches im 16. und 17. Jahrhundert.

Die EU hatte erst am Mittwoch die sofortige Freilassung zahlreicher türkischer Journalisten, Akademiker und zivilgesellschaftlicher Akteure gefordert. Das Europaparlament beschloss zugleich, die EU-Vorbeitrittshilfen für die Türkei im kommenden Jahr um 50 bis 80 Millionen Euro zu reduzieren. Besonders Kanzlerin Angela Merkel hatte vehement für eine Kürzung der Gelder plädiert.

"Nicht nur werden viele Deutsche verhaftet. Der gesamte Rechtsstaat bewegt sich in die falsche Richtung", hatte die CDU-Chefin erklärt.

In der Türkei werden die Sanktions-Drohungen aus Europa als Diskrimierung wahrgenommen. Die AKP-Regierung stilisiert den Konflikt zwischen der Türkei und der Europäischen Union regelmäßig zu einem regelrechten Kulturkampf.

Experte: "Erdogan baut eine neue Türkei auf"

Der Türkei-Experte Henri J. Barkey von der Lehigh University sagte der HuffPost: "Erdogan beabsichtigt, eine neue Türkei aufzubauen. Eine Türkei, die sich von den frühen kemalistischen Wurzeln entfernt und sich der osmanischen Tradition annähert."

Erdogan versuche dazu, sich eine neue Unterstützerbasis aufzubauen, die nationalistisch, frommer und ausländerfeindlich sei. Damit wolle der Präsident immun gegen die abwehrende Haltung werden, die er aus dem Westen gegen seine "neue Türkei" und seinen neuen Autoritarismus erwarte.

Die Bevölkerung schielt dennoch weiterhin nach Europa: Nach einer aktuellen Umfrage wollen immer noch drei von vier Türken in die EU.

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