Rechtsruck in der Sachsen-CDU: Die Konservativen wollen sich als "das Original der AfD" präsentieren

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Rechtsruck in der Sachsen-CDU: Partei will sich als "das Original der AfD" präsentieren | dpa
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  • Die CDU in Sachsen hat bei einer Mitgliederversammlung über den Kurs der Partei diskutiert
  • Dabei wurden Rücktrittsforderungen an Angela Merkel laut
  • Generalsekretär Kretschmer forderte, die Partei müsse sich wieder als "Original der AfD" präsentieren

Die CDU gibt dieser Tage ein geradezu ambivalentes Bild ab.

In den Jamaika-Sondierungsgesprächen in Berlin machen die Konservativen einen besonnenen, seriösen Eindruck. Während die CSU gegen die Grünen poltert, die Grünen gegen die FDP – und die Liberalen mit lauten Forderungen nach Posten auffallen, hält sich die Partei von Kanzlerin Angela Merkel bisweilen auffallend zurück.

In Sachsen dagegen herrscht Aufruhr bei den Christdemokraten. Nach der bitteren Wahlniederlage, die die Partei im Freistaat gegen die AfD hinnehmen musste, liegen die Nerven blank. Erst trat Ministerpräsident Stanislaw Tillich zurück – jetzt schossen mehrere Parteimitglieder scharf gegen die Parteispitze in Berlin.

Bei einem Zusammentreffen von 200 Mandats- und Funktionsträgern am Mittwochabend in Dresden kritisierte ein Mitglied etwa, die CDU sei zur "Linkspartei verkommen", berichtet die dpa.

Kretschmer: "Wir sind das Original der AfD"

Mehrere Redner machten erneut die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin für die Wahlschlappe verantwortlich und forderten den Rücktritt der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel.

CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer, Wunschnachfolger von Tillich, fiel mit einer erstaunlichen Ansage auf. Kretschmer bezeichnete die CDU als "Original der AfD". Die Partei müsse den Rechtspopulisten die Positionen "wieder wegnehmen, die Unionspositionen sind".

Kretschmer zeigte: Einer klare Abgrenzung zu der rechten Partei, auf die sich die CDU im Bund offenbar geeinigt hat, scheint zumindest für Sachsen keine Option zu sein. Zuletzt fiel bereits die Dresdner CDU dadurch auf, dass sie eine Zusammenarbeit mit der AfD "in der Perspektive" nicht ausschließe.

Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß sorgte obendrein für Diskussionen, weil er im rechtsextremen "Compact"-Magazin forderte, die Union müsse konservativer werden.

Der Rechtsruck stößt nicht nur auf Zuspruch. In der HuffPost erklärte zuletzt die ehemalige Dresdner CDU-Politikerin Elisabeth Galli ihren Parteiaustritt.

Über den neuen Kurs sagte Galli: "Wenn man das will, verabschiedet man sich als Partei von seinen Werten." Die von Tillich geforderte Verschiebung einer CDU Sachsen nach rechts folge der AfD, setze ihrer Marktschreierei aber nichts entgegen.

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(mf)

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