Wenn ihr zu dieser Jahreszeit ein Kind bekommt, ist das Risiko einer Wochenbettdepression geringer

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Das Risiko für postnatale Depression ist höher bei Geburten im Sommer und Herbst | iStock
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  • Dir Ursachen für postnatale Depression sind noch weitgehend unerforscht
  • Nun hat eine Studie aber zumindest einige stichhaltige Hinweise liefern können
  • Demnach entscheidet beispielsweise die Zeit der Geburt über das Risiko

Mütter, die ihre Kinder im Winter oder im Frühling zur Welt bringen, haben ein geringeres Risiko, an einer postnatalen Depression (PND) oder auch Wochenbettdepression zu erkranken als Frauen, bei denen der Geburtstermin
in die Sommer- oder Herbstmonate fällt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie.

Diese Erkenntnisse mögen uns auf den ersten Blick unlogisch erscheinen. Denn unser psychisches Wohlbefinden nimmt eigentlich eher in den kälteren, dunkleren Jahreszeiten ab.

Das gilt vor allem für Menschen, die an Winterdepressionen leiden – einer Krankheit, die durch einen Mangel an Tageslicht und durch eine Unterversorgung mit Vitamin D ausgelöst werden kann.

Schneller einsam im Sommer

Im Rahmen der Studie stellte man jedoch fest, dass Mütter, die ihre Kinder in genau dieser Jahreshälfte zur Welt bringen, offensichtlich auf bestimmte Weise vor der Krankheit “geschützt” sind.

Die Studie hinterfragte allerdings nicht die Ursachen für diesen Unterschied. Im Brigham and Women’s Hospital in Boston, USA, stellte ein Team von Wissenschaftlern folgende Theorie auf:

Sie glauben, dass Frauen kurz nach der Geburt allgemein mehr Zeit zuhause verbringen, und zwar unabhängig davon, wann ihr Baby geboren wurde.

Im Sommer könnten die Mütter sich durch dieses Zuhausebleiben schneller einsam fühlen. Oder sie könnten Angst haben, dass sie gesellschaftliche Aktivitäten verpassen, weil sie dafür ja das Haus verlassen müssten.

Mehr zum Thema: Über diese Form der Depression spricht kaum jemand - dabei betrifft sie Millionen Menschen

Im Winter sei man hingegen ohnehin daran gewöhnt, mehr Zeit zuhause zu verbringen und Besuch zu empfangen.

Hinzu komme, so die Forscher, dass Freunde und Verwandte im Winter weniger häufig verreisen würden und dass sie deshalb in den kälteren Monaten mehr Zeit hätten, um die frischgebackenen Mütter psychisch zu unterstützen.

Wichtige Faktoren: Dauer der Schwangerschaft, Ethnie oder Gewicht der Mutter

In der Studie wurden die Krankengeschichten von 20.000 Frauen untersucht. Neben dem Geburtstermin spielten bei der Analyse noch viele weitere Faktoren eine Rolle, die den Ausbruch einer Wochenbettdepression begünstigen können. Dazu zählen die Dauer der Schwangerschaft, die Herkunft oder das Gewicht der Mutter.

Der Hauptautor der Studie, Jie Zhou, sagte: “Wir wollten herausfinden, ob es bestimmte Faktoren gibt, die das Risiko für postnatale Depressionen erhöhen und die man vermeiden könnte, um dadurch sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit von Frauen zu stärken.”

Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass das Risiko für eine postnatale Depression abnimmt, je länger die Schwangerschaft andauert.

“Es ist davon auszugehen, dass es Müttern, die ein voll entwickeltes, gesundes Baby zur Welt bringen, besser geht und dass sie unter einem geringeren psychischen Druck stehen”, sagte Zhou.

Frauen, die bei der Geburt keine Narkose bekommen, wie beispielsweise eine Epiduralanästhesie, haben demnach ebenfalls ein erhöhtes Risiko für eine Wochenbettdepression. Dies könnte möglicherweise der Fall sein, wenn die Frauen durch ihre Geburtsschmerzen ein Trauma erlitten haben.

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Die Art der Geburt schien keinen konkreten Risikofaktor darzustellen. Zudem war bei weißen Frauen das Risiko insgesamt geringer als bei denen mit einer anderen ethnischen Abstammung.

Frauen mit einem höheren Body-Mass-Index (BMI) hatten außerdem ein verstärktes Risiko, an einer postnatalen Depression zu erkranken. Sie mussten häufiger ambulante Nachsorgetermine wahrnehmen und hatten in der Schwangerschaft öfter mit Komplikationen zu kämpfen, was sich negativ auf ihren allgemeinen Gesundheitszustand auswirkte.

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Traurigkeit und allgemein getrübte Stimmung

Eine Wochenbettdepression äußert sich durch ein anhaltendes Gefühl von Traurigkeit und eine allgemein getrübte Stimmung. Weitere Symptome können ein Mangel an Begeisterungsfähigkeit und Interesse an der Außenwelt sowie ein Mangel an Energie und permanente Müdigkeit sein.

Den Betroffenen fällt es schwer, eine Verbindung zu ihrem Baby aufzubauen. Oft ziehen sie sich außerdem vor anderen Menschen zurück.

Bei oben genannten Symptomen kann es sich natürlich auch einfach nur um einen sogenannten ‘Baby-Blues’ handeln – um eine kurzfristig getrübte Stimmung, die bis zu zwei Wochen nach der Geburt anhalten kann.

Wenn die Symptome jedoch länger als zwei Wochen andauern, könnte es sein, dass man an einer postnatalen Depression leidet.

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Donna Collins, Geschäftsführerin der britischen Pandas Foundation, sagte im Interview mit der HuffPost UK, Frauen sollten mit derartigen Gefühlen am besten möglichst offen und ehrlich umgehen.

“Es ist sehr schwer, sich emotional vor Menschen entblößen zu müssen, die man kaum kennt”, sagte Collins.

“Nehmen Sie zu dem Gespräch am besten eine Begleitperson mit, der Sie vertrauen. Und wenn es Ihnen schwerfällt, über Ihre Probleme zu sprechen, können Sie auch einfach einen Brief schreiben und ihn Ihrem behandelnden Arzt geben.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost UK und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)