Mehrere republikanische Senatoren proben den Aufstand gegen Trump - der reagiert wütend

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Mehrere republikanische Senatoren proben den Aufstand gegen US-Präsident Donald Trump - der reagiert wütend | Getty
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  • Gleich mehrere US-Senatoren kritisieren US-Präsident Trump scharf
  • Die Attacke kommt zwar von scheidenden Republikanern - sie kennen dennoch kein Erbarmen
  • Auffällig ist auch: Trumps Partei bleibt bislang ruhig

Gleich drei republikanische Senatoren ätzen gegen Donald Trump. Die scheidenden Senatoren John McCain, Bob Corker und Jeff Flake haben den US-Präsidenten mit harter, weitreichender Kritik überzogen.

Die drei sind nicht irgendwelche Hinterbänkler, sondern zählen zum Teil zur ersten Garde der Republikaner: McCain war 2008 Präsidentschaftskandidat der Partei, Corker ist ein ranghoher Außenpolitiker und Flake vertritt seit 2013 den Bundesstaat Arizona. Für "Spiegel Online" starten die drei den "Aufstand der Anständigen".

Zwar kam es schon oft vor, dass Senatoren mit einem Präsidenten über Kreuz lagen, selbst wenn er der eigenen Partei angehört. Die aktuelle Auseinandersetzung ist jedoch in Ton und Inhalt bisher einmalig.

Hervor sticht: Bislang blieben Reaktionen vom Rest der republikanischen Partei aus. Trump dagegen reagierte wie gewohnt: mit Beschimpfungen.

Trump: "rücksichtslos, unerhört und unwürdig"

Ausgangspunkt der parteiinternen Revolte war eine 18 Minuten dauernde, flammende Senatsrede von Flake. Ohne Trump beim Namen zu nennen, beschuldigte er den Präsidenten, das Land zu zerreißen und in einen Abgrund zu führen.

Der Senator werde sich angesichts des "rücksichtslosen, unerhörten und unwürdigen" Verhaltens des Präsidenten nicht länger "mitschuldig machen oder schweigen". Flake kündigte am Dienstag seine Kandidatur für die Senatswahl im kommenden Jahr auf - bleibt aber noch bis 2019 im Amt.

In einer Generalabrechnung mit einer Präsidentschaft ohne Können, Ansehen und Moral warnte Flake eindringlich davor, sich an das herabgesunkene und gröber gewordene Niveau der politischen Auseinandersetzung zu gewöhnen. Das sei gefährlich für die USA und eine Bedrohung der Demokratie.

Weiter zählte er auf: "Die persönlichen Attacken, die Bedrohungen von Prinzipien, Freiheiten und Institutionen, die schamlose Missachtung von Wahrheit und Würde, rücksichtslose Provokationen aus den kleinkariertesten und persönlichsten Gründen, die nicht das Geringste mit dem Schicksal der Leute zu tun haben, denen zu dienen wir gewählt wurden." Nichts davon sei normal, sagte Flake.

"Wenn die nach uns kommende Generation fragt: Warum habt Ihr nichts getan? Warum habt Ihr Euch nicht gewehrt? Was sagen wir dann?", fragte Flake.

Flake - ein "echter Patriot"

McCain erhob sich nach Flakes Brandrede, dankte ihm für seine Worte und erklärte, der Kollege sei ein "echter Patriot".

Dass McCain für seinen Parteikollegen einsprang kommt nicht unerwartet. Schon seit Tagen verschärft sich McCains Tonlage gegenüber Trump.

Bereits in der vergangenen Woche erklärte McCain, die USA werden von einem "halbseidenen, betrügerischen Nationalismus" heimgesucht. Dieser werde "von Leuten gekocht, die lieber Sündenböcke finden als Probleme lösen" - eine mehr als deutliche Anspielung auf den US-Präsidenten.

Ein Präsident, der sich mit der Wahrheit schwer tut

Ebenso stellte sich Senator Bob Corker auf die Seite von Flake.

Corkers Begründung: Flake stehe zu seinen Prinzipien und "kämpft für das, was er für richtig hält".

In einem Interview mit dem US-Sender CNN erneuerte er zudem seine scharfe Kritik an Trump. "Der Präsident hat bei vielen Themen große Schwierigkeiten mit der Wahrheit", sagte Corker. Trump lasse sich auf ein niedriges Niveau herab, er nehme dem Land die Würde.

Auf die Frage, ob er seine Unterstützung für Trump während des Wahlkampfes bereue, erklärte der 65-Jährige, er würde es sicherlich nicht wieder tun.

Auch Corker hatte vor Kurzem seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Da auch Senator John McCain aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr lange im Senat sein wird, gehen den Republikanern weitere prononcierte und ausgewiesene Kritiker Trumps verloren.

Das Weiße Haus: Tagesbetreuung für Erwachsene

Den US-Präsidenten dürfte das freuen.

Denn alle drei waren in der Vergangenheit bereits wiederholt mit Trump aneinander geraten. Der Präsident hatte Flake - wie andere Kritiker zuvor - öffentlich fallen gelassen und verhöhnt.

Und seinen ehemals engen Vertrauten Corker beschimpfte Trump auf Twitter. Der US-Staatsoberhaupt bezeichnete ihn als "Leichtgewicht", das nicht einmal in dessen Heimatbundesstaat Tennessee zum Hundefänger gewählt werden würde.

Trump keilte in weiteren Tweets: "Klein-Bob-Corker" sei der "unfähige Chef des Auswärtigen Ausschusses".

Der Angegriffene wollte die Tirade nicht auf sich sitzen lassen und fügte seiner Erwiderung das Schlagwort "AlertTheDaycareStaff" hinzu. Damit spielte er auf einen früheren Kommentar an:

Corker hatte erklärt, das Weiße Haus sei unter Trump zu einer Tagesbetreuung für Erwachsene geworden.

(Mit Material von dpa)

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(amr)

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