Die Chips-Krise: Wie die britische Lebensmittelindustrie schon jetzt unter dem Brexit leidet

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Die Brexit-Folgen könnten die Briten dort treffen, wo es richtig weh tut: im Supermarkt | Oktay Ortakcioglu via Getty Images
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  • Seit dem Brexit-Referendum haben es britische Lebensmittelbetriebe schwer, ArbeitskrĂ€fte zu finden
  • Ausgerechnet der Lieblingssnack der Briten wird deshalb immer teurer
  • Nun hat der Vorsitzende der Gewerkschaft fĂŒr Essen und Trinken eine Botschaft an Premierministerin Theresa May

In Großbritannien sind Kartoffelchips fast so etwas wie ein Eckpfeiler der Kultur.

Sie dĂŒrfen in keinem Lunchpaket fehlen, dienen als Beilage zum Sandwich und sind an jedem Kiosk in schier unzĂ€hligen Geschmacksrichtungen erhĂ€ltlich. Das wĂŒrzige Genussmittel macht sogar 10% des gesamten Snack-Konsums der Briten aus. Sechs Milliarden ChipstĂŒten leeren die Briten pro Jahr. Doch die Hersteller stecken in der Krise.

Denn Großbritanniens bevorstehender EU-Austritt hat zu einem RĂŒckgang der ArbeitskrĂ€fte gefĂŒhrt. “Was wir aktuell beobachten, ist eine drastische Abwanderung von europĂ€ischen ArbeitskrĂ€ften”, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft fĂŒr Essen und Trinken, Ian Wright der britischen HuffPost. “Und immer weniger Migranten kommen nach Großbritannien, um in unserem Sektor zu arbeiten.”

JĂŒngste Statistiken zeigen, dass zwischen MĂ€rz 2016 und MĂ€rz 2017 19.000 EU-BĂŒrger weniger zum Arbeiten nach Großbritannien gekommen sind, als in der selben Periode des Vorjahres. Gleichzeitig haben 33.000 Personen mehr als im Vorjahr das Land verlassen.

Zu wenig Fabrikarbeiter, zu wenig Erntehelfer

Der Inhaber einer mittelgroßen Chips-Manufaktur habe Wright berichtet, dass er dieses Jahr mit 10% weniger ArbeitskrĂ€ften auskommen mĂŒsse. “Er sagte, dass sich der Mangel an ArbeitskrĂ€ften bereits auf die ProduktivitĂ€t des Betriebs auswirkt”, erzĂ€hlt er.

Ein Einbruch der Lebensmittelproduktion hĂ€tte drastische Folgen fĂŒr die gesamte Wirtschaft des Landes, denn mit einem jĂ€hrlichen Ertrag von 28,2 Milliarden Pfund ist sie der grĂ¶ĂŸte Gewerbesektor.

Und nicht nur bei der Verarbeitung, sondern auch bei der Ernte hakt es: Im Juni beklagte die Gewerkschaft der Landwirte bereits einen RĂŒckgang von 17 Prozent bei den Erntehelfern. Viel schlimmer ist jedoch, dass die Anzahl der wiederkehrenden Gastarbeiter, die aufgrund ihrer Erfahrung keiner Einarbeitung bedĂŒrfen, um 50 Prozent gesunken ist.

Produzieren Chips-Hersteller bald im Ausland?

Unterdessen ĂŒberlegt der Chips-Hersteller Kettle, seine Produktion ins EU-Ausland zu verlagern. Denn: Sollten sich Großbritannien und die EuropĂ€ische Union nicht einigen, könnten sich die Handelsbedingungen fĂŒr Lebensmittel verschlechtern. DarĂŒber hinaus sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Ashley Hicks gegenĂŒber der “Eastern Daily Press”, dass Kettles Produktionskosten seit dem Referendum gestiegen sind.

Wie die meisten Chips-Hersteller importiert Kettle sein Frittieröl wie auch die Verpackungsmaterialien aus der EU. Weil der britische Pfund angesichts des Brexit an Wert verloren hat, ist die Herstellung von Kartoffelchips um rund eine Million Pfund teurer geworden.

Die Auswirkungen der Krise waren bereits im November 2016 fĂŒr den Verbraucher zu spĂŒren: Kettles Konkurrent Walkers, wie auch die Firma Marmite – die den gewöhnungsbedĂŒrftigen FrĂŒhstĂŒcksaufstrich herstellt – sahen sich gezwungen, die Verkaufspreise um zehn Prozent anzuheben, um so den WĂ€hrungsabfall auszugleichen.

May will Migranten Mut zu machen

Die schwache WĂ€hrung ist ein weiterer Grund, warum weniger Migranten zum Arbeiten nach Großbritannien kommen. “Wenn ein Erntehelfer hierzulande 16 Prozent weniger verdient als in Deutschland, Frankreich, oder Spanien, geht er natĂŒrlich lieber in eines dieser LĂ€nder”, erklĂ€rt Ian Wright.

Zudem ist immer noch unklar, wie das Einwanderungssystem aussehen wird, wenn Großbritannien erst einmal die Zollunion und den Binnenmarkt verlassen hat.

Premierministerin Theresa May hatte am 19. Oktober in einem offenen Brief versichert, dass EU-BĂŒrger keine Ausweisung befĂŒrchten mĂŒssen. “Ich möchte eines klarstellen: EU-BĂŒrger, die legal in Großbritannien leben, dĂŒrfen hier bleiben” schrieb die Regierungschefin.

Aber durch das Ende der FreizĂŒgigkeit, die innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten herrscht, werden weitere ArbeitskrĂ€fte wegfallen. “Bisher gibt es keine Antwort darauf, wie man diesen Verlust kompensieren will”, kritisiert Wright.

Dieser Text erschien zuerst bei der britischen Ausgabe der HuffPost und wurde ĂŒbersetzt und editiert von Anna Rinderspacher.

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(lp)

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