Alt, groß und teuer: 5 Fakten über den neuen Bundestag

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BUNDESTAG
Mit 709 Sitzen ist der 19. Bundestag der größte aller Zeiten. | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Der neue Bundestag ist ein Parlament der Rekorde
  • Die besondere Zusammensetzung des Parlaments ist aber nicht gerade ein Grund zur Freude

Los geht’s: Am Dienstag, 24. Oktober ist der 19. Bundestag zum ersten Mal zusammengekommen. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung stand unter anderem die Wahl des Bundespräsidenten. Wie erwartet, wird dieses Amt vom dienstältesten Abgeordneten Wolfgang Schäuble (CDU) übernommen.

Das Parlament, das Schäuble ab diesem Dienstag repräsentiert, ist eines der Brüche und der Gegensätze. Der aktuelle Bundestag hat sogar einige Rekorde aufgestellt.

Wir haben fünf herausragende Fakten zusammengestellt.

1. Der größte Bundestag aller Zeiten…

Eigentlich hat der Bundestag nur 598 Sitze - die eine Hälfte für die 299 Direktkandidaten aus den Wahlkreisen und noch einmal so viele aus den Landeslisten der Parteien. Doch diesmal ziehen ganze 111 Abgeordnete mehr in das Parlament. Damit ist der Bundestag so "aufgebläht" wie nie zuvor, wie es der FDP-Abgeordneten Hermann-Otto Solms in seiner Eröffnungsrede ausdrückte.

Dies ist Folge des Wahlrechts von 2013 - durch Überhang- und Ausgleichsmandate. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate erringt als ihr nach ihrem Zweitstimmenanteil eigentlich zustehen. Diese ungleiche Chancenverteilung wird durch Ausgleichsmandate kompensiert.

Solm forderte daher seine Kollegen zu einer Reform des Wahlrechts auf. Mit 709 Mitgliedern sei eine Größe erreicht, unter der Arbeitsfähigkeit und Ansehen des Bundestags leide, sagte der 76-jährige Solms, Alterspräsident des neuen Parlaments.

2. ...und damit auch der teuerste

Mehr Abgeordnete bedeuten mehr Gehälter sowie mehr Büromaterialien, Reisekosten und andere Ausgaben. Nach Angaben der "Bild" summieren sich die Kosten für die 79 zusätzlichen Abgeordneten über die gesamte vierjährige Wahlperiode bis 2021 auf mehr als 200 Millionen Euro.

3. Der Frauenanteil ist so gering, wie zuletzt 1998

Nur 31 Prozent der Abgeordneten im neuen Bundestag sind Frauen: 491 Sitze gehen an Männer, nur 218 an Frauen. Im abgewählten Parlament lag die Frauenquote bei 37,1 Prozent – ein Rekordhoch. Ein Grund dafür: FDP und AfD, zwei Fraktionen, die zuletzt nicht im Bundestag saßen, setzen sich überwiegend aus männlichen Abgeordneten zusammen.

4. So viele Parteien wie seit der Nachkriegszeit nicht mehr

Der erste deutsche Bundestag bestand aus neun Parteien. Neben den CDU/CSU, SPD, FDP Fraktionen konnten auch die auch die KPD, die Bayernpartei, die Deutsche Partei (DP), die Deutsche Zentrumspartei, die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung sowie die Deutsche Konservative Partei Sitze sichern. Das lag unter anderem daran, dass die Fünf-Prozent-Hürde erst ab der Wahl 1953 galt.

2017 besteht das Parlament immerhin aus sechs Parteien: CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne, Die Linke und AfD.

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5. Die Altersspanne der Abgeordneten beträgt 53 Jahre

Roman Müller-Böhm von der FDP sorgt für junges Blut in der Politik. Mit 24 Jahren ist er der jüngste Abgeordnete im Parlament, dicht gefolgt von Unionspolitiker Philipp Amthor, der nur einen Monat älter ist.

Mit 77 Jahren ist AfD-Mann Wilhelm von Gottberg der älteste Abgeordnete im 19. Bundestag. Bisher hätte er damit Anspruch auf das Amt des Alterspräsidenten gehabt. Doch der Bundestag beschloss im Juni 2017, dass nicht mehr der älteste Abgeordnete als Alterspräsident benannt werden soll, sondern der dienstälteste.

(Mit Material der dpa)

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(lp)

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