Familienvater spricht bei "Hart aber fair" über Suche nach bezahlbarer Wohnung - ein Vermieter-Lobbyist zeigt wenig Verständnis

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HART ABER FAIR
Familienvater spricht bei "Hart aber fair" über Suche nach bezahlbarer Wohnung - ein Vermieter-Lobbyist zeigt wenig Verständnis | ARD Screenshot
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  • Bei "Hart aber fair" wurde erbittert um das Für und Wider der Mietpreisbremse gestritten
  • Vor allem ein Vertreter der Immobilienbranche zeigte sich dabei uneinsichtig - und verständnislos für die Probleme von Wohnungssuchenden
  • Überraschenderweise zeigte sogar FDP-Politiker Lambsdorff Verständnis für die Probleme von Familien bei steigenden Mieten

Deutschland fehlt es an Wohnungen - vor allem an den richtigen. Das Hauptproblem: Es wird zu wenig und zu teuer gebaut. Und vor allem in den Großstädten schießen die Mieten in die Höhe.

Gesprächsstoff gab es also beim ARD-Talk "Hart aber fair" genug. Die Talkgäste von Moderator Frank Plasberg stritten beim Thema "Wenn Wohnen unbezahlbar wird – was muss die nächste Regierung tun?" vor allem über die Mietpreisbremse.

Dort prallten zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite Familienvater und Wohnungssuchender Thomas Hafner sowie Linken-Politikerin Caren Lay, auf der anderen Seite Klaus-Peter Hesse, Geschäftsführer des Immobilienverbands Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) und CDU-Politiker.

Hunderte potentielle Mieter - für eine Wohnung

Besonders eindrücklich waren die Schilderungen von Hafner. "Es ist teilweise schon sehr befremdlich, wenn man an die Wohnung herantritt und dann stehen schon 500 bis 600 Leute vor der Tür." Das seien keine Einzelfälle, betont er.

Der Familienvater sucht für seine Frau und seine 10-jährige Tochter eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt am Main - seit drei Jahren.

Das Problem: Beide Elternteile arbeiten und sind deshalb für eine Sozialwohnung nicht berechtigt. Allerdings sind die Hafners auch nicht wohlhabend genug, um sich ein Eigenheim zu kaufen.

Fehlende Unterstützung für die Mittelschicht

Mehr noch: "Ich habe selbst miterlebt, wie gewisse Makler Umschläge überreicht bekamen, damit die Bewerbung weiter nach oben rutscht", erzählt Hafner.

Die Diskussion um fehlende Wohnungen sei ihm zu einseitig. "Es gibt sehr viele Familien, die in Sozialwohnungen keinen Platz bekommen, weil sie einfach zu viel verdienen." Für Familien der Mittelschicht müsste aus Hafners Sicht viel mehr getan werden. Denn: "Bei den Massenbesichtigungen sind mindestens 80 Prozent Familien."

Hafner klagte, dass Mieter ihr Recht in der Praxis gar nicht durchsetzen können. Das Größte Problem der Mietpreisbremse: Die meisten Neumieter wissen nicht, wie hoch die alte Miete war.

Doch den Vermieter danach zu fragen "ist unrealistisch", betonte Hafner. "Das ist ein KO-Kriterium." Auch Moderator Plasberg pflichtete ihm bei und fragte ZIA-Vertreter Hesse: "Was spricht dagegen, den Preis der Vormiete automatisch zu nennen?" Denn wenn man auf auf den Nachweis bestehe, dann ist der Mieter raus - "das ist doch absolut lebensfremd".

Die Mietpreisbremse: Wird eine Wohnung neu vermietet, darf die Miete höchstens um 10 Prozent über dem Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf - so zumindest in der Theorie. Denn vor allem in den boomenden Metropolen Berlin und München "steigen die Mieten ungebremst", wie eine Erhebung des Immobilienportals Immowelt zeigt.

"Mietpreisbremse war Opium fürs Volk"

Hesse wich der Frage mehrmals aus, die Mietpreisbremse löse keine Probleme. Man baue damit keine einzige Wohnung. "Die Mietpreisbremse war Opium fürs Volk", sagte Hesse, sie gehöre daher abgeschafft.

Doch Plasberg hakte nach und pochte auf eine Antwort auf seine Frage.

Hesse erklärte: "Wenn ich das jetzt so beantworten würde, dann würde ich Ihnen ja zugestehen, dass die Mietpreisbremse tatsächlich ein Mittel wäre, um Menschen zu helfen, die Geringverdiener sind. Die Mietpreisbremse hilft nur den Besserverdienenden." Denn als Makler, der eine Auswahl an Bewerbern habe, nehme man die solventeren.

Mit Blick auf Hafner erklärte Hesse, dass ein von Plasberg vorgebrachter automatischer Nachweis der alten Miete potentiellen Mietern nicht helfen würde.

Vermieter-Lobbyist zeigt wenig Mitgefühl für Mieter

Auch das ließ der Moderator nicht gelten. Und zählte auf, welche Bringschuld jeder Mieter hat: Gehaltsnachweis, Mietschuldenfreiheitsbestätigung und Schufa-Auskunft. "Warum muss sich der Mieter nackig machen, der Vermieter aber nicht?", wollte Plasberg nun abermals wissen.

Hesse redete sich erneut damit heraus, dass das nichts bringen würde.

Je mehr sich der Vertreter der Immobilienbranche aus der Beantwortung der Frage herauswinden wollte und zugleich auf seinem Standpunkt beharrte, desto mehr machte sich das Gefühl breit, dass Hesse mit den Problemen von Hafner und anderen Wohnungssuchenden nicht mitfühlen konnte. Ihr Empfinden von Abhängigkeit, Ohnmacht und Willkür schien ihm völlig fremd.

Wenn es nach Hesse ginge, dann brauche es keine zusätzlichen Regulierungen. Die beste Lösung aus seiner Sicht: "Kostensenkung beim Kauf. Das ist die beste Eigenheimförderung."

Selbst FDP-Politiker Lambsdorff zeigte Verständnis

Linken-Politikerin Lay hielt dagegen: "Dass der Vermieter bei Missachtung der Mietpreisbremse keine Strafen fürchten muss, ist ein Problem", sagte sie - und forderte, die Mietpreisbremse zu verschärfen. Obendrein solle diese um Sanktionen ergänzt und auf Neuvermietungen ausgeweitet werden.

Zwar widersprach FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff, "mit einer so scharfen Mietpreisbremse baut niemand mehr".

Doch auch er zeigte Verständnis für die Familie: Aus Lambsdorffs Sicht würden nämlich die Vermieter, die neu bauen, gegenüber denjenigen, die sanieren und modernisieren, steuerrechtlich bevorzugt. "Das ist eine Belastung, die dann mit großer härter bei den Mietern ankommt", gibt der Liberale zu bedenken.

Lambsdorff kenne das aus seiner Heimatstadt Bonn, "nach einer Sanierung gehen die Mieten plötzlich sehr stark hoch, das ist für die einzelne Familie sehr schwierig".

Mehr zum Thema: FDP-Politiker fordert Alleinerziehende im "Morgenmagazin" zum Wohnungskauf auf - und löst heftige Kritik aus

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