"Genderwahn": Hamburger CDU-Politikerin wagt Tabubruch - jetzt ist der Aufschrei groß

Veröffentlicht: Aktualisiert:
NIECKE
Antonia Niecke, Vorsitzende der Jungen Union Hamburg (Foto: Junge Union Hamburg) | Johannes Göpfrath
Drucken
  • Die Vorsitzende der Jungen Union Hamburg möchte die geschlechtergerechte Sprache abschaffen
  • Antonia Niecke bezeichnet doppelte Ansprachen wie Wählerinnen und Wähler als "Genderwahn"
  • Viele Facebooknutzer sind von ihrer Forderung nicht begeistert

Antonia Niecke, die Vorsitzende der Jungen Union Hamburg, will die geschlechtergerechte Sprache wieder abschaffen. Die Jugendabteilung der CDU möchte durchsetzen, dass im geschriebenen Wort zukünftig wieder nur das Maskulinum verwendet werden soll.

Das heißt, dass es nur noch Wähler, statt Wählerinnen und Wähler und Bürger statt Bürgerinnen und Bürger in der schriftlichen Sprache geben soll.

"Ich finde, das ist eine Verkomplizierung, die nicht sein muss“, sagt Niecke im Gespräch mit der Tageszeitung “Die Welt”.

1995 beschloss der Senat Grundsätze für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Hamburg. Damit einher ging eine Sprache, die Frauen und Männer gleichermaßen ansprechen sollte. Das war damals ein großer Schritt für die Gleichberechtigung der Geschlechter und beeinflusst die deutsche Sprache bis heute.

Die 25-Jährige empfindet die doppelten Ansprachen wie Bürgerinnen und Bürger jedoch als "Genderwahn". Zur tatsächlichen Gleichstellung würde es nichts beitragen.

Die Forderung polarisiert auf Facebook

Auf der Facebook-Seite der JU Hamburg heißt es: "Deshalb sind wir dafür, dass Bürgerinnen und Bürger, Wählerinnen und Wähler und Ähnliches nur mit dem generischen Maskulinum verwendet und der Rest gestrichen wird!"

Mehr zum Thema: In Deutschland regiert die mächtigste Frau der Welt - und doch hat das Land ein Frauenproblem

Die Vorsitzende der JU Hamburg hat mit dieser Aussage Wellen geschlagen und eine Diskussion über die Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache losgetreten.

Besonders auf Facebook gibt es Kritik:

Die JU Hamburg schreibt auf Facebook: “Wir [...] sind der Meinung, dass die junge Union die letzte Bastion der Vernunft unter den Jugendverbänden ist, was den Genderwahn angeht."

Auf dem Bild ist Niecke abgebildet, lächelnd, Arme verschränkt - der Titel "Landesvorsitzende" neben ihrem Gesicht.

Ein Facebook-Nutzer kommentierte, dass die JU auch konsequent sein solle und Niecke zukünftig als "Landesvorsitzenden" betiteln sollte.

In den Texten der JU sind gegenderte Anreden entfernt

Laut Niecke ist das die generelle Meinung der JU und das nicht nur in Hamburg - sondern bundesweit. Die Jugendorganisation hat ihre Erwartungen an die CDU und CSU längst formuliert und die Erklärung für die kommenden Sondierungsgespräche weitergeleitet.

Mehr zum Thema: Was eine Jamaika-Koalition für Frauen in Deutschland bedeuten würde

In der Erklärung wurden laut "der Welt" schon alle gegenderten Anreden aus dem Text entfernt.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ame)

Korrektur anregen